Ölpreis rutscht auf 80 Dollar, Benzin und Heizöl weiterhin teuer

Ölpreis rutscht auf 80 Dollar, Benzin und Heizöl weiterhin teuer
Ölpreis rutscht auf 80 Dollar, Benzin und Heizöl weiterhin teuer

Erdöl ist derzeit so billig wie zuletzt vor vier Jahren. Benzin und Heizöl ist allerdings noch immer sehr teuer.

Die Ölnotierungen sind auf dem Vier-Jahres-Tief. Die OPEC ist unter Druck. Der Preis für ein Barrell Rohöl der Marke Brent ist auf 80 Dollar gefallen. Der Preisverfall ist bei den Konsumenten jedoch nicht angekommen. Autofahrer-Clubs sehen an den Tankstellen einen Wertberichtungsbedarf von sechs bis sieben Prozent.

Wien. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hält weiter an ihrer Ölverbrauchsprognose für 2015 fest und sieht die Weltkonjunktur in ähnlicher Verfassung wie zuletzt, trotz Abschwächung der Eurozone. Nächstes Jahr soll die Ölnachfrage um 1,3 Prozent oder knapp 1,2 Mio Fass täglich auf 92,3 Mio. Barrel im Tagesschnitt klettern, erklärte die OPEC am Mittwoch. Die Ölpreise indes fallen weiter. Am Donnerstag notiert das Barrel der Nordseemarke Brent kurz nach Mittag bereits knapp an der 80-Dollar-Marke. Im vergangenen Halbjahr hat somit der Ölpreis rund 25 Prozent an Wert verloren. Der OPEC-Preis, der sich aus einem Wert von von zwölf Öl-Sorten errechnet, ist am Mittwoch ebenso um 31 Cent (-0,4 Proeznt) auf 76,96 Dollar gesunken zusammen.

Für 2014 ließ die OPEC zum zweiten Mal in Folge die Verbrauchsprognose unverändert - nach einer leichten Revision nach unten vor zwei Monaten. Für heuer geht sie laut neuem Monatsbericht von einem Bedarfsanstieg von knapp unter 1,2 Prozent oder 1,05 Mio. auf 91,2 Mio. Fass täglich aus.

Das Plus beim Ölangebot ist den Nicht-OPEC-Mitgliedern zuzuschreiben, die nach Einschätzung der Organisation ihre Produktion heuer im Tagesschnitt um 1,68 Mio. Fass täglich und 2015 um 1,24 Mio. Barrel/Tag Barrel steigern dürften; im Umkehrschluss sinkt die OPEC-Menge. Vor allem die USA, Kanada, Brasilien und China dürften nächstes Jahr mehr Öl anbieten, erwartet die OPEC.

Den Bedarf an OPEC-Öl schätzt die Organisation für heuer auf 29,5 Mio. Barrel/Tag (mb/d) und für 2015 im Schnitt auf 29,2 mb/d. Zuletzt produzierten die Mitgliedsstaaten laut Sekundärquellen im Oktober im Schnitt 30,25 mb/d und stellten damit 32,7 Prozent der Welt-Ölproduktion, ein Plus von 0,23 mb/d gegenüber der leicht nach oben revidierten September-Menge von 30,48 mb/d. Die gesamte globale Ölförderung lag dem Bericht zufolge im Oktober bei durchschnittlich 92,41 mb/d.

Die führende OPEC-Fördernation Saudi-Arabien, die rund ein Drittel der OPEC-Gesamtmenge stellt, brachte es im Oktober (laut Sekundärquellen) auf 9,60 Mio. Fass im Tagesschnitt. Der Irak förderte mit 3,23 mb/d ähnlich viel wie im Monat davor, gefolgt von Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) mit jeweils 2,77 mb/d und dem Iran mit 2,74 mb/d.

Aus Libyen, wo auch die OMV tätig ist, wurde für Oktober die Fördermenge laut diesen Angaben auf bereits 842.000 Fass/Tag geschätzt - eine weitere Verbesserung nach 783.000 b/d im September und 579.000 b/d im August. Es war dies schon der vierte Monat in Folge mit einem Förderanstieg. Im Gesamtjahr 2013 hatte es Libyen freilich noch auf 928.000 Fass im Tagesschnitt gebracht, 2012 sogar auf 1,39 Mio. Fass.

Preise auf Talfahrt

Der Ölpreise hat am Donnerstag die Talfahrt der Vortage fortgesetzt. Gegen 13 Uhr hat das Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember die 80-Dollar-Marke endgültig durchbrochen. mit 79,47 Dollar notierte der Preis um 91 Cent oder 1,13 Prozent tiefer als zum Handelsauftakt. Am Mittwoch notierte das Fass bei 81,22 US-Dollar, 45 Cent weniger als am Tag davor. Seit Juni ist der Brent-Preis damit rund 25 Prozent abgerutscht und erreichte zeitweise den tiefsten Stand seit vier Jahren.

Der sinkende Ölpreis ist allerdings beim Konsumenten noch nicht angekommen. Im Gegenteil. An manchen Tankstellen in Wien ist etwa der Spritpreis für Diesel sogar um bis zu fünf Cent wieder teurer geworden. Laut ÖAMTC soll der Spritpreis noch rund sechs bis sieben Prozent nachgeben. Die Spritpreise haben im Gegensatz zum Ölpreis weniger nachgegeben. Während Brent seit Jahreshöchststand im Juni um rund 30 Prozent billiger wurde, notiert der Preis von Benzin nur um 6,5 Prozent tiefer. Die Öl-Konzerne geben traditionell die Preissenkungen kaum oder nur zögerlich an die Konsumenten weiter. Es ist für sie die Zeit der Gewinnmaximierung. Die Marge ist in Zeiten derartiger Preisrückgänge geradezu willkommene Gelegenheit, sich die Gewinne einzustreifen. Kritiker orten dahinter immer wieder Preisabsprachen der Öl-Multis.


Eine wesentliche Rolle für die Verbilligung an den Tankstellen spielt auch der Wechselkurs Euro zum Dollar. Öl wird außerdem in der US-Währung abgerechnet. Das heißt: Verliert der Euro zum Dollar - wie zuletzt - an Wert, verteuert sich für Kunden der Eurozone der Einkauf. Allerdings: In der vorliegenden Situation ist im vergangenen Quartal der Ölpreis in Euro gerechnet weniger abgestürzt. Seit Juni ist der Euro nur um 23 Prozent schwächer, der Ölpreis aber um 30 Prozent im Minus. Der Benzinpreis könnte somit trotz negativem Währungseffekt für Europa billiger sein. Die Ölkonzerne greifen somit kräftig zu, um die Gewinne mitzunehmen.

Nach Einschätzung von Händlern werden die Ölpreise nach wie vor durch die Aussicht auf eine weiter hohe OPEC-Fördermenge belastet. Zuletzt hatte VAE-Energieminister Suhail Al Mazrouei gesagt, dass das Ölkartell nicht für das zu hohe Angebot auf dem Weltmarkt verantwortlich sei.

In den vergangenen Tagen gab es mehrere Hinweise, dass die OPEC ihre Fördermenge bei der Tagung am 27. November in Wien unverändert lässt. Jedoch wächst nach der rasanten Talfahrt der Ölpreise, für die auch eine Flut von Schieferöl aus den USA mitverantwortlich gemacht wird, der Druck auf die Mitgliedsstaaten. "Offensichtlich will der Markt im Vorfeld der OPEC-Sitzung die Schmerzgrenze des Kartells austesten", hieß es laut dpa-AFX in einer Einschätzung von Rohstoffexperten der Commerzbank.

"Die allgemeine Einschätzung ist, dass die OPEC keine Maßnahmen ergreifen wird", sagte Ric Spooner, Chef-Marktanalyst vom Brokerhaus CMC Markets, laut Reuters. "Und falls doch, dann nicht ausreichend genug, um einen größeren Einfluss auf die Preise zu haben."

Aus Sicht der Experten von JBC Energy könnte nur ein langfristiger Ausfall Libyens als Lieferant die aktuelle Talfahrt des Ölpreises stoppen. Demonstranten blockieren laut Reuters-Angaben von Mittwochmittag derzeit den libyschen Verladehafen Hariga. Auch das Ölfeld El Scharara blieb nach dem Angriff von Bewaffneten weiter geschlossen.

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