Schwacher Ölpreis treibt OMV ins Minus

Der Ölpreis-Verfall setzt der OMV immer stärker zu. Im dritten Quartal fuhr der österreichische Erdöl- und Gaskonzern wegen einer Milliarden-Abschreibung infolge des starken Ölpreisrückgangs einen Verlust von 472 Millionen ein. Rückenwind bekommt die OMV durch die hohe Nachfrage nach Raffinerie-Produkten wie Benzin und Diesel.

Schwacher Ölpreis treibt OMV ins Minus Schwacher Ölpreis treibt OMV ins Minus

Der um Lagereffekte bereinigte operative Gewinn (CCS Ebit) brach im dritten Quartal um ein Viertel auf 495 Millionen Euro ein, so die OMV. Der Rückgang fiel aber nicht so stark aus wie von Experten befürchtet. Deshalb lagen die Aktien im frühen Handel gut ein Prozent im Plus. Abgefedert wurden die sinkenden Erträge in der Ölförderung erneut von einem starken Raffineriegeschäft. "In diesem niedrigen Ölpreisumfeld profitierten die Ergebnisse weiterhin vom integrierten Geschäftsmodell", erläutere Konzernchef Rainer Seele.

Der Quartalsumsatz sackte durch den starken Ölpreisrückgang binnen Jahresfrist um 35 Prozent auf 5,932 (9,098) Mrd. Euro ab. In den ersten neun Monaten zusammen schrumpften die Konzernerlöse sogar um 38 Prozent auf 17,484 (28,230) Mrd. Euro.

Niedriger Ölpreis belastet ganze Branche

Der anhaltend niedrige Ölpreis macht vielen Ölkonzernen und Öldienstleistern einen Strich durch die Rechnung. Derzeit liegt der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent bei rund 48,83 US-Dollar - vor einem Jahr lag er bei 82,95 US-Dollar. Im Zwölf-Monats-Vergleich gab der Preis um 41 Prozent nach. Von Jänner bis Anfang November lag der Durchschnittspreis bei rund 55 US-Dollar pro Fass.

Seit dem Absturz im Jänner 2015 hat sich der Ölpreis noch nicht wirklich erholt.

Denselben Durchschnittspreis erwartet die OMV auch für 2016. Die Ölpreisannahmen pro futuro hat die OMV erst kürzlich gesenkt. Der Preis soll zwar weiter steigen, aber nicht so rasch wie bisher vermutet. Erst 2017 soll der Preis wieder stärker anziehen auf 70 US-Dollar pro Fass. 2018 auf 80 und 2019 auf 85 Dollar je Barrel; bis vor kurzem hatte man um je 20 Dollar/Fass höhere Preise angenommen. Wegen der gesenkten Ölpreisannahmen musste man die Upstream-Vermögenswerte um die genannte Milliarde Euro vermindern.

Auch die Branchenriesen Royal Dutch Shell oder Total meldeten kürzlich herbe Gewinneinbußen. Der italienische Eni -Konzern rutschte sogar in die roten Zahlen. OMV strich Investitionen zusammen und trat auf die Kostenbremse. Um Geld in die Kassen zu spülen, sollen nun bis zu 49 Prozent an der Tochter Gas Connect Austria verkauft werden. Weitere Verkäufe sind nicht ausgeschlossen.

Raffineriegeschäft federt Gewinneinbruch ab

Das Raffineriegeschäft - die Herstellung von Benzin und Diesel sowie anderen Produkten aus Rohöl - ist seit dem Absturz des Ölpreises zu einem wichtigen Standbein für den Konzern geworden. Die hohe Nachfrage nach Mineralölprodukten habe erneut das Ergebnis unterstützt, teilte die OMV mit. Die entsprechende Raffineriemarge stieg im dritten Quartal auf 7,84 (Vorjahr: 4,90) Dollar je Barrel. Für das Schlussquartal erwartet die OMV jedoch aufgrund einer saisonal niedrigen Nachfrage und weiterhin bestehenden Überkapazitäten einen Rückgang der Marge.

Angesichts der schwächelnden Ölförderung hat der seit Juli amtierende neue Firmenchef eine Überprüfung der Ausrichtung angekündigt. Obwohl das Raffinerie-Geschäft auf Hochtouren läuft, will die OMV an ihrem derzeitigen Fokus - die Suche und Förderung von Öl und Gas - im Grunde festhalten. Die Ergebnisse der Strategie-Überprüfung will die OMV erst im Februar präsentieren.

Bei den Anlegern kam der Quartalsbericht der OMV gut an: Die Aktie liegt derzeit knapp einen Prozent im Plus.

Eine Geschäftsankurbelung erhofft sich die OMV auch von einer Zusammenarbeit mit dem russischen Energiemonopolisten Gazprom. Neben der Entwicklung einer Öl- und Gas-Lagerstätte in Sibirien beteiligen sich die Österreicher in einem Konsortium mit der BASF -Tochter Wintershall, E.ON und Shell am Ausbau der Gaspipeline Nord Stream. Den Deal mit den Russen will die OMV über einen Tausch von Vermögenswerten abwickeln. Details sind noch nicht bekannt.