Ölpreis fällt auf tiefsten Stand seit 2004

Der Ölpreis ist wegen des weltweiten Überangebotes am Montag auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2004 gefallen. Analysten von Goldman Sachs rechnen mit einem Ölpreis von 20 Dollar.

Ölpreis fällt auf tiefsten Stand seit 2004

Der Verdrängungswettbewerb der Ölförderländer geht in eine neue Runde: Die Opec-Staaten pumpen den Rohstoff aus allen Rohren in den Weltmarkt und drücken damit den Preis unter die Tiefstände von 2008. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee kostete am Montag mit 36,06 Dollar je Barrel (159 Liter) so wenig wie zuletzt im Sommer 2004. Der Terminkontrakt auf das US-Öl WTI fiel um 1,2 Prozent auf ein Sieben-Jahres-Tief von 34,32 Dollar. Mitte 2014 hatten beide noch oberhalb der 100 Dollar-Marke gelegen.

Alleine in diesem Jahr verbilligte sich der Rohstoff bisher um rund 37 Prozent. 2015 wird damit das dritte Jahr in Folge, in dem der Ölpreis gefallen ist.

Auslöser für den aktuellen Kursrutsch war Börsianern zufolge die wieder gestiegene Zahl der Ölbohrungen in den USA. Dem Ölindustrie-Dienstleister Baker Hughes zufolge wurde dort in der vergangenen Woche an 541 Stellen nach dem "schwarzen Gold" gebohrt - ein Plus von 17 Bohrlöchern.

Aktueller Ölpreis (Brent)

Prall gefüllte Öltanks

"Der Anstieg bei diesen niedrigen Ölpreisen deutet darauf hin, dass die Schieferöl-Förderer ihr Produktionsniveau halten wollen", schrieben die Analysten der ANZ Bank. Dabei sind die Öltanks bereits prall gefüllt: Die US-Ölreserven stiegen vergangene Woche auf 491 Millionen Barrel. "Das ist der höchste Stand für diese Jahreszeit seit 1930", betonten die Experten.

Gleichzeitig fluten die Opec-Staaten den Weltmarkt weiter mit Öl. Die von den OPEC-Staaten angebotenen Mengen bewegen sich nahe den Rekordwerten. Am Wochenende bekräftigte der irakische Ölminister, dass das Kartell an dieser Politik festhalte. Dadurch wollen sie Konkurrenten mit höheren Förderkosten - vor allem die Schierferöl-Produzenten aus den USA - aus dem Markt zu drängen. Schieferöl wird mit Hilfe des umstrittenen Fracking-Verfahrens unter hohem technischen und finanziellen Aufwand aus dem Gestein gelöst. Der US-Ölboom der vergangenen Jahre ist einer der Gründe für das aktuelle Überangebot.

Neben der Ölproduktion in den USA, die auf Hochtouren fährt, fördert Russland so viel wie seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr. Auch Außerdem will der Iran wegen der Einigung im internationalen Atomstreit und der bevorstehenden Lockerung von Sanktionen mehr Öl verkaufen.

Aus weniger Bohrlöchern mehr Öl

Der jüngste Anstieg der Zahl der US-Bohrlöcher sei aber nur ein Ausreißer, betonte Rohstoff-Experte Jim Ritterbusch, Mitgründer der Beratungsfirma Ritterbusch & Associates. Der langfristige Trend zeige weiter nach unten. Früheren Angaben von Baker Hughes zufolge lag die Zahl der aktiven Ölbohrungen im November weltweit bei 2047 - ein Minus von etwa 44 Prozent im Jahresvergleich.

Dennoch wird die weltweite Fördermenge der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge im kommenden Jahr steigen. Das Plus bei der Öpec-Förderung werde den Rückgang in den übrigen Staaten mehr als aufwiegen. Aus diesem Grund sehen die Analysten von Goldman Sachs den Preis für das US-Öl WTI 2016 bei 20 Dollar. Sie gelten als besonders kompetent, weil sie bei ihren Preis-Prognosen häufig richtig lagen und die US-Großbank ein großer Player im Handel mit dem "schwarzen Gold" ist.

Ein Grund für den weiteren Rückgang ist Analysten zufolge der Dollar, der nach der Zinsanhebung der US-Notenbank zugelegt hat. Damit verteuern sich Ölkäufe etwa in Europa, weil sie in der US-Währung abgerechnet werden. Wegen des bisher milden Winters hält sich auch die Nachfrage nach Heizöl in Grenzen.