Fluch und Segen des billigen Öls

Fluch und Segen des billigen Öls
Fluch und Segen des billigen Öls

Der Ölpreis fällt und fällt. Das billige schwarze Gold freut nicht alle. Es gibt Gewinner und Verlierer.

Erdölexporteure ächzen unter dem Ölpreis, der sich auf dem niedrigsten Level der letzten sechs Jahre befindet. Für Importeure wie Österreich ist die Entwicklung auf den ersten Blick gut, dämpft sie doch die Inflation. Doch auch hierzulande gibt es nicht nur Gewinner.

Der Ölpreis fällt und fällt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober kostete am 28. August 44,07 Dollar, ein Barrel der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostete 39,40 Dollar. Damit fehlt nicht mehr viel, bis der Ölpreis unter sein Zehnjahrestief vom Dezember 2008 gerutscht ist. Damals wurde ein Barrel Brent um 37,88 Dollar gehandelt.

Das billige Öl freut manche, doch nicht alle. Autofahrer, oder all jene, die noch mit Heizöl heizen - in Österreich sind das immer noch mehr als 700.000 Haushalte - sind für jeden Cent, den die Brenn- oder Treibstoffe günstiger werden dankbar. Die Pläne und Ziele so mancher Unternehmen, ölexportierender Länder und damit auch die Weltwirtschaft werden durch das gnstige Schwarze Gold jedoch ordentlich aufgemischt.

Für den anhaltend fallenden Ölpreis gibt es mehrere Gründe:

Diese und einige weitere Faktoren haben den Ölpreis in nur einem Jahr um mehr als die Hälfte einbrechen lassen und sorgen weiter für Unruhe an den Märkten.

Die Entwicklung des Brent-Ölpreises über die letzten zehn Jahre: Zum Zehnjahrestief vom Dezember 2008 fehlt nun nicht mehr viel.

Schlecht für die Exporteure…

Die ölexportierenden Länder leiden darunter, dass sich der Ölpreis auf dem niedrigsten Level der vergangenen sechs Jahre bewegt. Am 24. August ist der russische Rubel zum Euro und Dollar auf seinen Jahrestiefstand gefallen; Ein Euro kostete an der Moskauer Börse am Montag zwischenzeitlich mehr als 83 Rubel.

Die Ratingagentur S&P senkte das Rating für Russland schon im Jänner auf Ramschniveau und verschonte auch die anderen ölexportierenden Länder nicht: Im Februar wurde der Rating-Ausblick für Saudi-Arabien von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt, Venezuelas Rating für langfristige Kredite bekommt nur noch die Einstufung „CCC“.

Die Entwicklung des Rubel-Wechslkurses zum Euro: Russland bereitet der Wertverlust des Rubels große Probleme. Öl ist Russlands wichtigstes Exportgut.

…gut für die Importeure?

Für die importierenden Länder ist der niedrige Ölpreis hingegen zumindest auf den ersten Blick ein Segen; deutsche Ökonomen bezeichneten ihn bereits als „kleines Konjunkturprogramm“. Denn die Beschaffung jeglicher Güter und Dienstleistungen, die in Verbindung mit dem Ölpreis stehen, wird nun günstiger – von Heizen über Logistik bis hin zu chemischen Herstellungsverfahren.

Auf der anderen Seite ist die niedrige Ölpreis aber der EZB ein Dorn im Auge. Denn das billige schwarze Gold wirkt stark inflationsdämpfend – und in Frankfurt hat man sich auf die Fahne geschrieben, die Inflation anzuheben, damit die Eurozone vor der Deflation bewahrt wird. Zur Anhebung der Teuerung pumpt die EZB mit dem „Quantitative Easing“-Programm Milliarden in den heimischen Geldmarkt – eine Maßnahme, die bisher nicht ihre gewünschte Wirkung erzielte und daher in Zukunft vielleicht sogar noch ausgeweitet wird.

Schmiermittel

Öl ist das Schmiermittel für den Motor der Weltwirtschaft - doch seit Monaten befindet sich das schwarze Gold auf Talfahrt. Den großen Exportländern entgehen Milliardensummen. Wer sind die größten Produzenten und wie wirkt sich der niedrige Ölpreis auf ihre Exporte aus?

USA

Inzwischen haben die USA Saudi-Arabien vom Thron gestoßen und sind weltweit der größte Erdölproduzent. 11,6 Millionen Barrel pro Tag werden in den derzeit (Stand: 27.8.) 885 Borhtürmen in den Vereinigten Staaten gefördert. Durch Schiefergas und Schieferöl will die größte Wirtschaftsnation der Welt gänzlich energieautark werden.

Österreich: Sprit wird billiger – aber nicht genug

Die Sorgen der EZB teilt man in Österreich hingegen nicht wirklich. Denn Österreich hat nach Berechnung der EU-Statistikbehörde Eurostat die zweithöchste Inflation der EU. Lag sie in der gesamten Eurozone im Juli unverändert bei 0,2 Prozent, so lag Österreichs Teuerung im Juli bei 1,1 Prozent. Nur Malta hatte mit 1,2 Prozent noch eine höhere Inflation.

Im Jahresabstand waren die stärksten Preisdämpfer jene, die in direkter Verbindung mit dem Ölpreis stehen: Heizöl wurde um 19,3 Prozent billiger, Diesel um 11,7 Prozent und Superbenzin um 6,9 Prozent.

Inflation: Österreich ist Vize-Europameister.

Doch warum verbilligte sich Diesel nur um knapp 12 Prozent und Superbenzin nur um knapp sieben Prozent, obwohl der Ölpreis um gut die Hälfte gefallen ist? Ein Grund dafür ist, dass der Staat bei Heizöl ebenso wie beim Tanken kräftig mitschneidet: Erstens in Form der Mineralölsteuer, die je nach Treibstoff und Bio-Beimischung einen anderen Steuersatz ausmacht (Details zur Mineralölsteuer unter diesem Link), zweitens durch die Umsatzsteuer von 20 Prozent – insgesamt können so rund 50 Cent pro Liter an den Staat gehen. Hinzu kommt, dass das Öl von der Bohrinsel zur Zapfsäule einen weiten Weg geht. Der aktuelle Benzinpreis beruht also auf einem historischen Ölpreis, und bei den Mineralölunternehmen bestimmen auch Themen wie Personalkosten, Wechselkurse, Steuern und geopolitische Faktoren – Stichwort: Krisenherd Nahost – das Geschäft.

Unternehmen unter Druck

Dennoch haben Autofahrer und Besitzer einer Ölheizung Grund zur Freude – im Gegensatz zu jenen Unternehmen, die von der Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden in erdölexportierenden Ländern abhängig sind oder direkt an die Mineralölindustrie liefern. So kämpfen etwa etliche österreichische Unternehmen, die zuvor auf das Osteuropa-Pferd gesetzt hatten, nun mit der Krise im russischen Markt – die noch dazu von wirtschaftspolitischen Faktoren verstärkt wird.

Unter den heimischen Unternehmen sind vor allem die Ölfeldausrüster unter Druck; denn wenn die großen Erträge ausbleiben, legen Mineralölfirmen ihre Investitionen auf Eis oder streichen sie zur Gänze. Das sieht man vor allem an den Aktienkursen der österreichischen Unternehmen C.A.T. Oil und Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment (SBO): Die Aktie von SBO gab innerhalb eines Jahres um 41,3 Prozent auf 47,15 Euro nach, die Aktie von C.A.T. Oil brach um 59,82 Prozent auf 6,90 Euro ein. SBO ist an der Börse nur noch 742,88 Millionen Euro wert, C.A.T. Oil kommt bloß noch auf eine Marktkapitalisierung von 320,11 Millionen Euro.

Die in Frankfurt notierte Aktie von C.A.T. Oil (schwarz) im Vergleich zum Leitindex Dax (grün).

Konsolidierungen sind angesichts dieser Entwicklungen unvermeidbar. So gab etwa der weltweit größte Branchendienstleister Schlumberger bekannt, für 15 Milliarden Dollar den Rivalen Cameron zu übernehmen. Im September wird wohl außerdem der US-Frackingriese Samson Bankrott erklären müssen – die US-Frackingunternehmen haben Investitionen getätigt, als der Ölpreis noch bei 120 Dollar lag und müssen nun mit niedrigeren Erträgen kämpfen, während ihre Produktion deutlich teurer ist als bei der etablierten Konkurrenz der Opec-Staaten.

Ausblick: wie geht es weiter?

Viele Faktoren beeinflussen, wie sich der Ölpreis weiter entwickeln wird – daher ist es so gut wie unmöglich, eine seriöse Prognose zu stellen. Die Nachfrage ist vor allem durch schwächelnde chinesische Wirtschaft niedriger als erwartet; und die Regierung im Reich der Mitte muss an etlichen Hebeln ziehen, um wieder auf Schiene zu kommen.

Angebotsseitig dürfte die Opec dabei bleiben, ihre Fördermengen nicht zu reduzieren, was das Angebot weiter hoch hält. Mehr noch: Nach dem iranischen Atom-Deal wird die islamische Republik zwar nicht sofort Unmengen auf den Weltmarkt bringen, da die Infrastruktur dafür noch nicht vorhanden ist. Durch Investitionen könnte das Land mit den viertgrößten Ölreserven der Welt aber bald zu einem relevanten Player werden - und davon könnten auch Österreichs Ölfeldausrüster profitieren. In den USA könnte es indes zu einer Marktbereinigung kommen, wenn jene Frackingunternehmen ausscheiden, die unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht mehr wettbewerbsfähig sind.

Bis aber eine globale Marktbereinigung eintritt und sich die Nachfrage wieder dem Angebot anpasst, dürfte noch viel Zeit vergehen. So lange müssen sich die Aktionäre von SBO und C.A.T. Oil noch gedulden, ebenso wie jene der Russland-affinen Konzerne. Autofahrer freuen sich indes weiterhin über billigeren Sprit – auch wenn sie nicht das volle Ausmaß der Entwicklung auskosten können.

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