Ölpreis am Boden: SBO stellt sich auf längere Durststrecke ein

Ölpreis am Boden: SBO stellt sich auf längere Durststrecke ein

Wenn das Öl billig ist, wird von den Unternehmen nicht in neue Förderanlagen investiert. Das macht dem Ölfeld-Ausrüster Schoeller-Bleckmann Oilfiled zu schaffen, dessen EBIT um knapp 60 Prozent einbrach. Das Unternehmen aus Ternitz stellt sich nun auf eine längere Durststrecke ein, zuletzt wurden knapp 500 Mitarbeiter gekündigt.

Der niedrige Ölpreis belastet das Geschäft der Energiekonzerne, die deshalb ihre Kosten zurückschrauben und Investitionen in weitere Bohraktivitäten entweder komplett streichen oder vorerst auf Eis legen – die OMV zum Beispiel setzt nun neue geographische Prioritäten und will die Fördermenge nicht mehr als entscheidenden KPI betrachten.

Für den österreichischen Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann Oilfield (SBO) ist es also durchaus legitim, von einem „schwierigen Marktumfeld“ zu sprechen. Ein Lichtblick ist vorerst nicht in Sicht – dennoch schaffte es das Unternehmen aus Ternitz, im ersten Halbjahr eine schwarze Null zu erwirtschaften.

Das lag vor allem daran, dass SBO noch vom starken Auftragseingang im vierten Quartal 2014 profitierte. Allerdings sank der Umsatz im ersten Halbjahr um 18,9 Prozent auf 186,9 Millionen Euro, das EBITDA ging um 31,5 Prozent auf 45,1 Millionen Euro zurück. Das operative Ergebnis vor Steuern (EBIT) brach um 57,6 Prozent auf 19,3 Millionen Euro ein. Und nach Steuern liegt das Halbjahresergebnis schließlich bei einer schwarzen null – im ersten Halbjahr 2014 war hier noch ein Plus von 30,3 Millionen Euro, beziehungsweise 1,90 Euro pro Aktie gestanden.

Gerald Grohmann, Vorstandsvorsitzender SBO, freut sich in einer Presseaussendung, dass trotz des extrem schwierigen Marktumfelds ein positives operatives Ergebnis erzielt werden konnte. Allerdings werde 2015, wie erwartet, ein schwieriges Jahr für die gesamte Oilfield Service-Industrie. „Wir stellen uns darauf ein, dass dieser Downturn länger dauern könnte als frühere“, sagt Grohmann: „Aber wir kennen auch unsere Industrie und wissen, wie man mit den Zyklen umgeht.“ Deshalb habe man früh ein Paket aus Maßnahmen geschnürt.

Dazu gehört laut Aktionärsbrief etwa ein Restrukturierungsprogram in England, sowie eine Reduktion des Personalstands von 1720 Mitarbeitern per 31.12.2014 auf derzeit 1279 Personen. "Wir stehen fest auf der Bremse, was die Kosten betrifft“, sagt Grohmann: Aber wir machen nichts, was uns dann im nächsten Aufschwung behindert." Ein weiterer Stellenabbau sei zwar denkbar, "aber nicht in der Vehemenz wie im erste Halbjahr", sagt Grohmann im Gespräch mit der APA. In Österreich würden die Mitarbeiter in guten Zeiten Überstunden machen, die in schlechten Zeiten abgebaut werden können: „Dieser Topf, der da angespart wurde, reicht bis Ende des Jahres."

Klicken zum Download des Aktionärsbriefs.

Die Aktie von SBO durchlebt ebenfalls eine Flaute: Am 1. April 2015 startete sie mit einem Kurs von 59,99 Euro ins Quartal und schloss am 30. Juni mit 54,23 Euro; im Jahresvergleich hat die Aktie bis zum 30. Juni 2015 42,5 Prozent an Wert verloren. Am Donnerstagvormittag, nach Bekanntgabe des Halbjahresergebnisses war sie nur noch 42,90 Euro wert und notierte somit bei ihrem 52-Wochen-Tief, im laufenden Jahr verlor sie 28,4 Prozent.

Auch Analysten sind von der Aktie alles andere als begeistert: Die Berenberg Bank hatte am Tag vor der Verkündigung der Quartalszahlen das Kursziel von 43 auf 40 Euro gesenkt und das Votum bei „Sell“ belassen; Kepler Chevreux kappte das Kursziel am 11. August von 57 auf 49 Euro. Insgesamt empfiehlt laut Finanz-Informationsdienst Bloomberg kein einziger Analyst die Aktie zum Kauf, acht raten zum Halten und vier zum Verkaufen der Aktie.

Entwicklung der SBO-Aktie im Vergleich zum ATX.

Laut Grohmann verhält sich der Chart der SBO-Aktie parallel zum Ölpreis – und der liegt heute auf seinem Sechs-Jahres-Tief. Dass sich der Markt noch heuer erholen wird, glaubt Grohmann nicht. Aber die Internationale Energieagentur (IEA) habe ihre Prognose erst unlängst erhöht - für 2015 um 200.000 Barrel pro Tag und für 2016 um 400.000 Barrel pro Tag. Es gebe also "ein bisschen Rückenwind, was die Nachfrage nach Öl betrifft". Auch die OPEC, "die ja irgendwo der Verursacher dieser ganzen Situation ist durch die hoch gehaltene Produktion", habe angedeutet, dass die Ölmärkte 2016 besser ausbalanciert sein könnten.

Die Aufhebung der Iran-Sanktionen wird sich nicht unmittelbar auswirken, meint Grohmann. "Es werden wahrscheinlich ein paar Hunderttausend Barrel relativ rasch auf den Markt kommen, aber um im großen Stil die Ölfördermengen im Iran zu erhöhen, das benötigt Jahre." Vorher müsse im Iran kräftig in die Ausrüstung investiert werden, was gut fürs Geschäft der SBO sei - "aber das ist noch in ferner Zukunft".

Entwicklung der SBO-Aktie im Vergleich zur Ölsorte Brent. Angaben in Prozent.

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