Ölpreis fällt und fällt: Sind bald auch zehn Dollar möglich?

Ölpreis fällt und fällt: Sind bald auch zehn Dollar möglich?

Die Turbulenzen am Rohstoffmarkt wurden ein wenig eingebremst, nachdem auch die europäische Rohölsorte Brent unter der Marke von 30 US-Dollar notiert hat. Der Ölpreis streift weiter die 30-Dollar-Marke. Experten rechnen mit einem weiteren Preisverfall. Saudi-Arabien kennt nach unten derzeit keine Grenze und setzt Öl sogar als "strategische Waffe" ein.

Wien. Turbulent ist es derzeit am Weltmarkt für Rohöl. Auch wenn die Talfahrt am Donnerstag eingebremst wurde, erwarten die Rohstoffexperten einen weiteren Preisabsturz. Der Kurs für ein Fass Rohöl pendelte auch am Donnerstag um die 30-Dollar-Marke. Am Mittwochabend ist der Preis für Rohölsorte Brent (Nordseeöl) erstmals seit April 2004 unter die 30 Dollar-Marke gerutscht. Zeitweise hatte die Aussicht auf ein anhaltendes Überangebot den Brentpreis auf ein Zwölf-Jahres-Tief von 29,73 Dollar gedrückt.

Am Donnerstag konnte sich der Ölpreis wieder leicht stabilisieren. 159 Liter (1 Barrel) WTI kosten gegen Mittag mit 30,75 Dollar um 0,89 Prozent mehr, Brent wird mit 30,44 Dollar je Barrel um ein halbes Prozent höher als zum Vortag gehandelt.

Ein Limit nach unten sehen die Experten derzeit nicht. Bis zur Jahresmitte dürften nach Einschätzung der Rohstoffexperten der Ölpreis sogar noch nachlassen. Rund 25 Dollar könnten somit rasch erreicht werden. Die Experten von Standard Chartered rechnen für diese Jahr sogar mit einem weiteren Abrutschen auf sogar bis zu zehn Dollar pro Barrel, was auch Analysten von Goldman Sachs, Morgan Stanley und RBS nicht ausschließen möchten, die ebenso mit einem massiven Preisverfall rechnen. Im Jahr 1998 notierte das letzte Mal bei 10 Dollar.

Die Uneinigkeit der Experten scheint aber heute genauso groß zu sind wie beim Erdölkartell der Erdöl exportierenden Länder (Opec). Die Opec ist sich uneinig über den Kurs wie nie zuvor. Vor fast zwei Jahren hat die Talfahrt des Ölpreises begonnen. Damals notierte das Fass noch bei 110 Dollar.

Der von der Opec selbst festgestellte ist am Mittwoch auf 25,69 Dollar pro Barrel gefallen, also noch knapp fünf Dollar unter dem Brent-Preis. Am Dienstag wurden laut Opec in Wien noch 25,76 Dollar notiert. Der Preis für Opec-Öl setzt sich aus einem Korb von zwölf Sorten zusammen.

Strategische Waffe

Getrieben wird die Entwicklung vor allem von Saudi-Arabien, das weiterhin an seiner ungezügelten Produktion festhalten will. Die einstige gemeinsame Vorgabe der Opec scheint die Saudis recht wenig zu interessieren. Außerdem müssen die Saudis dafür sorgen, dass laufend Umsätze in die klammen Kassen kommen. Das Königreich hat erst kürzlich ein Defizit von rund 100 Milliarden Dollar berichtet.

Saudi-Arabien möchte den Iran und die USA aushungern", meinte ein Experte. Die weiterhin ungedrosselte Ölproduktion der Saudis richtet sich vor allem auch als "Waffe" gegen den Erzfeind Iran, der nun selbst wieder verstärkt Erdöl exportieren will. Hinzu kommen nun politischen Spannungen zwischen den beiden Opec-Ländern.

Die USA sollen aus Sicht der Saudis weiterhin Öl kaufen statt selbst zu produzieren. Die US-Amerikaner setzten bis zum Frühjahr 2015 noch auf Fracking. Allerdings sind die Verfahren zur Ölgewinnung mit Fracking kostspielig. Ein Ölpreis von mindestens 60 Dollar sei dafür notwendig. In den USA sowie in Kanada wurden daher etliche Standorte für die Fracking-Produktion bereits eingestellt.

Die Abwärtsspirale trifft vor allem auch Länder wie Venezuela. Für das Land in Südamerika ist die Erdölproduktion eigenen Angaben zufolge erst ab einem Preis von über 100 Dollar rentabel.

Ob die niedrigen Preise sich auch weiterhin auch an den Tankstellen mit weiteren Preissenkungen für Diesel und Benzin stark bemerkbar machen darf bezweifelt werden. Die Öl-Konzerne haben ihre Investitionen laut Analysten bereits zum Teil dramatisch zurückgefahren. Um aber weitere Investitionen zu tätigen, benötigen die Öl-Konzerne steigende Preise und somit auch ein Anstieg bei den Umsätzen.

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