Nokia-Kahlschlag belastet Microsoft-Quartalsbilanz

Abfindungen für die früheren Nokia-Mitarbeiter belasten die Quartalsbilanz von Microsoft. Im Juli hatte der Software-Riese angekündigt, 18.000 Mitarbeiter abbauen zu wollen - der Großteil davon kam über den Kauf der Nokia-Handysparte zu Microsoft. Die Abfindungszahlungen belaufen sich auf insgesamt 1,1 Milliarden Dollar. Der Name "Nokia" ist am Smartphone-Markt bald Geschichte.

Nokia-Kahlschlag belastet Microsoft-Quartalsbilanz

Microsoft hat die erste Quartalsbilanz des neuen Geschäftsjahres vorgelegt. Die Zahlen zeigen, wie intensiv derzeit bei Microsoft am Umbau des Unternehmens gearbeitet wird. Einem deutlich gestiegenen Umsatz steht nämlich ein ebenso deutlicher Rückgang des Gewinns gegenüber. So stieg der Umsatz von 18,3 Milliarden auf 23,2 Milliarden Dollar auf, während sich der Gewinn gleichzeitig sich von 5,2 auf 4,5 Milliarden Dollar reduzierte.

Betrachtet man das Ergebnis genauer, so zeigt sich, dass ein Großteil der Umsatzgewinne aus den unter dem neuen Firmenchef Satya Nadella stark forcierten Cloud-Geschäft kommen. Nadella war im Februar Steve Ballmer als CEO des Unternehmens gefolgt. Das Geschäft mit dem Cloud Computing verdoppelte sich in den vergangenen drei Monaten, wie auch schon im Quartal davor. Nadella ist somit auf dem besten Weg, sein erklärtes Ziel zu erreichen: Das Unternehmen soll unabhängiger vom Verkaufserfolg der beiden Hauptprodukte, dem Computer-Betriebssystem "Windows" und dem Softwarepaket "Office" werden.

Positiv auf das Microsoft-Ergebnis wirkte sich auch die Einstellung des Supports für das veraltete Computer-Betriebssystem Windows XP im April aus. Die im September 2001 eingeführte Software ist aufgrund seiner Zuverlässigkeit bis heute auf vielen in Unternehmen genutzten Computern im Einsatz. Das Ende des Supports - seit April gibt es keine Software-Updates mehr - hat dazu geführt, dass alte Windows XP-Geräte seither in einem größeren Umfang ausgetauscht werden.

Der Gewinnrückgang ist dagegen hauptsächlich mit den hohen Abfertigungen zu erklären, die Microsoft als Folge des im Juli angekündigten Mitarbeiterabbaus zahlen muss. Insgesamt will Microsoft 18.000 Stellen streichen. Am meisten treffen diese Job-Kürzungen die früheren Nokia-Mitarbeiter, die Microsoft mit der Übernahme der Handysparte des früheren finnischen Weltmarktführers am Mobilfunkmarkt, eingekauft hat. Diese Abfertigungszahlungen drücken nun die Microsoft-Bilanz um 1,1 Milliarden Dollar.

Die 5,44 Milliarden Euro, die Microsoft erst vor einem Jahr, im September 2013, für die Nokia-Handy-Sparte gezahlt hat, waren offenbar kein so gutes Investment. In der Smartphone-Welt wird der Name Nokia bald Geschichte sein. Die derzeit noch als "Nokia" verkauften Lumia-Modelle sollen in Zukunft unter dem Namen "Microsoft" verkauft werden, gab das Unternehmen in einem Blog-Eintrag bekannt. "Nokia" Handys sollen in Zukunft nur noch die günstigen Einsteiger-Modelle sein. Es ist fraglich, wie lange Microsoft an diesem Fahrplan festhält.

An der Börse wurde das Quartalsergebnis des Konzerns dennoch wohlwollend aufgenommen. Auch das ist einfach erklärt: Die Analysten hatten mit einem noch stärkeren Gewinneinbruch gerechnet und auch geringere Umsätze erwartet. Die Microsoft-Aktie zog nach Bekanntgabe der Quartalszahlen zwischenzeitlich um vier Prozent an. Die Aktie notiert aktuell bei 45,02 Dollar. Positiv aufgenommen wurde auch die Erklärung von Finanzchefin Amy Hood, die betonte, weiter in Geschäftsfelder mit Wachstumschancen - also dem Cloud Computing - zu investieren.