Nokia bietet für Alcatel-Lucent 15,6 Milliarden Euro

Nokia bietet für Alcatel-Lucent 15,6 Milliarden Euro
Nokia bietet für Alcatel-Lucent 15,6 Milliarden Euro

Nokia will sich Alcatel-Lucent einverleiben.

Nokia hat das Übernahme-Angebot für den französischen Rivalen Alcatel-Lucent konkretisiert. Der nahezu auf seine Netzwerksparte geschrumpfte ehemals größte Handyhersteller der Welt bietet 15,6 Milliarden Euro in Aktien.

Der Gejagte wird wieder zum Jäger: Im September 2013 hatte Microsoft bekannt gegeben, Nokias Handysparte für 5,44 Milliarden Euro zu kaufen - nun wird das bereits als gescheitert angesehene finnische Unternehmen selbst zum Käufer: 15,6 Milliarden Euro bieten die Finnen für den französisch-amerikanischen Netzwerkausrüster Alcatel-Lucent.

Die Übernahme will Nokia mit Aktien begleichen, wie das Unternehmen am Mittwoch bekanntgegeben hat. Nokia bietet 0,55 neue Aktien für einen Anteilsschein von Alcatel-Lucent. Für die Aktionäre bedeute das einen Aufschlag von 28 Prozent auf den durchschnittlichen Preis der vergangenen drei Monate. In der ersten Jahreshälfte 2016 soll der Deal vollzogen werden.

Turbulenzen an den Börsen

Der Marktwert von Alcatel-Lucent beläuft sich am Dienstag nach einem Kursfeuerwerk mit einem Plus von 12,6 Prozent auf 12,6 Milliarden Euro. Die Aktie konnte um 12,6 Prozent auf 4,48 Euro zulegen. Nokia-Aktien notierten hingegen mit einem Minus von 3,6 Prozent bei 7,49 Euro zum Börsenschluss am Dienstag. Der Börsenwert von Nokia beläuft sich auf 27,5 Milliarden Euro.

Alcatel-Lucent: Seit vergangenen zwei Jahren eine hervorragende Performance an der Börse.

Am Mittwoch ging es gleich in die entgegengesetzte Richtung: Die Alcatel-Lucent-Papiere stürzten nach der Konkretisierung des Angebots ab - minus 10,7 Prozent auf 3,99 Euro lautet die Notiz am Mittwochvormittag nach einem zwischenzeitlichen Verlust von sogar über zwölf Prozent. Nokia-Aktien konnten hingegen wieder gewinnen. Und zwar um 3,2 Prozent auf 7,73 Euro legten die Anteilsscheine zu. Auch die Papiere des Weltmarktführers Ericsson legten um 3,3 Prozent zu, nachdem deren Kurs am Dienstag in New York noch ein Minus von rund einem halben Porzent verbuchten.

Auch mit Nokia geht es seit Mitte 2012 an der Börse wieder aufwärts.

Kurz nach dem Übernahmegebot durch Nokia hat sich der Chef des französischen Netzwerkausrüsters Alcatel-Lucent für eine Fusion ausgesprochen. Michel Combes erklärte, Nokia selbst davon überzeugt zu haben, nicht nur das Mobilfunkgeschäft der Franzosen zu kaufen, sondern den gesamten Konzern.

Die Übernahme würde somit ein Unternehmen schaffen, das rund 40 Milliarden Euro schwer ist - in etwa so viel wie Marktführer Ericsson, welcher auf eine Marktkapitalisierung von rund 380 Milliarden Schwedischen Kronen (40 Milliarden Euro) kommt. Die Aktien der Schweden sind in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 34 Prozent gestiegen. Die Ericsson-Papiere haben am Dienstag um ein halbes Prozent niedriger notiert als am Montag.

Nokia will sich so für den scharfen Konkurrenzkampf im Markt der Netzwerkausrüster zu wappnen - an dessen Spitze steht das schwedische Unternehmen Ericsson, starkes Wachstum verzeichnen asiatische Konzerne wie Huawei und ZTE.

Die Ericsson-Aktie ist seit Ende 2012 von sieben auf zwölf Euro gestiegen

Insgesamt sind Nokia-Aktien im Lauf der vergangenen Monate um 36,19 Prozent gestiegen, die Papiere von Alcatel-Lucent verzeichneten im gleichen Zeitraum 60,41 Prozent Kursgewinn. Mit den geplanten Umstrukturierungen erhofft sich Nokias CEO Rajeev Suri wohl, das Unternehmen endlich vom Ramsch-Status der Analysten zu befreien.

Nokia könnte seine Karten verkaufen

Vergangene Woche häuften sich auch Medienberichte, laut denen Nokia den Verkauf seiner Kartensparte namens "HERE" plant. Dies würde den Finnen helfen, sich weiter auf das Kerngeschäft Netzwerktechnologie zu fokussieren und außerdem frisches Geld in die Kriegskasse spülen, wenn auch nicht allzu viel: Einem Bericht des Finanzinformationsdienstes Bloomberg zufolge bewertet Nokia die Sparte derzeit mit zwei Milliarden Euro - ein deutlicher Wertverlust gegenüber dem Jahr 2008, als der Konzern 8,1 Milliarden Dollar für den Kauf des Kartenanbieters Navteq Corp auf den Tisch legte.

Die HERE-Sparte machte im vergangenen Jahr 970 Millionen Euro Umsatz und einen operativen Verlust von 1,21 Milliarden Euro; genutzt werden die Dienste laut Bloomberg von Amazon, Microsoft, Yahoo und diversen Automobilhersteller für jene Navigationsgeräte, die in die Autos integriert werden. Medienberichten zufolge gibt es bereits interessierte Käufer für die Sparte, die bei Nokia nicht mal zehn Prozent zum Gesamtumsatz beiträgt - darunter das Taxi-Unternehmen Uber und diverse deutsche Automobilkonzerne.

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