OMV zückt nach Umsatz- und Ergebniseinbruch den Sparstift - Aktie bricht ein

OMV zückt nach Umsatz- und Ergebniseinbruch den Sparstift - Aktie bricht ein
OMV zückt nach Umsatz- und Ergebniseinbruch den Sparstift - Aktie bricht ein

Die Sorgen von OMV-Chef Gerhard Roiss werden nicht weniger.

Der niedrige Ölpreis belastet das Geschäft der OMV. Die Förderquoten sind angesichts der anhaltenden Probleme in den Krisenherden Libyen und Jemen niedrig. An der Börse rutscht die OMV-Aktie nach Vorlage der Quartalszahlen um bis zu zehn Prozent ab. Nun sollen Teile des Unternehmens abgestoßen werden.

Für das laufende Geschäftsjahr stellt sich die OMV darauf ein, dass sich der Brent-Rohölpreis zwischen 50 und 60 Dollar und damit weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau bewegen wird. Mit dem Programm "Fit4Fifty" will man vor allem Kosten und Investitionen senken - rund 2,7 Mrd. Euro will die OMV heuer investieren, davon 80 Prozent in Exploration und Förderung. Mittelfristig will die OMV bis 2017 jährlich zweieinhalb bis drei Milliarden Euro investieren. Im ersten Quartal des laufenden Jahres waren es 707 Millionen Euro, um zwei Prozent weniger als im ersten Quartal des Vorjahres.

Weil die Sicherheitslage in Libyen und im Jemen weiterhin kritisch bleiben dürfte geht man davon aus, dass die Gesamtproduktion ohne den Beitrag dieser beiden Länder heuer bei durchschnittlich 300.000 Barrel pro Tag (boe/d) liegen wird - 2014 waren es 309.000 boe/d. Ein Rückzug aus den beiden Ländern ist für die OMV dennoch kein Thema. "Wir werden uns aus Libyen oder Jemen nicht zurückziehen", betonte Vorstandschef Gerhard Roiss bei der Bekanntgabe des Quartalsergebnisses. In Rumänien und Österreich werde die Produktion voraussichtlich am unteren Ende des Zielbereichs von 200.000 210.000 boe/d liegen.

Die OMV stellt aber als Folge nun Unternehmensteile zum Verkauf. Der Fokus liegt dabei auf zuletzt übernommene Geschäftsteile wie Gasspeicher in Deutschland und einer Windfarm in Rumänien. Auch der Verkaufsprozess zur Reduzierung des OMV-Anteils am Erdölfeld Rosebank in der britischen Nordsee läuft. Aktuell hält die OMV 50 Prozent der Anteile an dem westlich der Shetlandinseln gelegenen Ölfeld.

Starker Dollar hilft der OMV

Profitiert hat die OMV im ersten Quartal heuer vom günstigen Euro-Dollar-Wechselkurs, weil dadurch die Produktionskosten (abzüglich Lizenzgebühren) um 13 Prozent niedriger Waren als zu Beginn des Vorjahres. Die Lizenzgebühren der OMV Petrom in Rumänien waren durch den günstigen Wechselkurs um 16 Prozent niedriger. Die gesamten Explorationsausgaben waren mit 151 Millionen Euro um fast zwei Drittel höher als vor einem Jahr - das zusätzliche Geld floss vor allem in die Exploration des "Neptun Block" im rumänischen Schwarzen Meer. Das Betriebsergebnis des Upstream-Bereichs ist im Vergleich zum ersten Quartal 2014 von 601 Millionen auf 29 Millionen Euro zusammengeschmolzen.

Auf 217 Millionen Euro mehr als verdoppelt wurde hingegen das EBIT im Downstream-Bereich, in dem nun die Geschäftsbereiche Gas & Power sowie Raffinerien zusammenschlossen sind. Davon stammten 153,8 Millionen Euro aus dem Ölgeschäft und 63,4 Millionen Euro betrug das EBIT von Downstream Gas. Die Raffinerie-Kapazität hat sich nach der Modernisierung der Raffinerie Petrobrazi von 17,4 auf 17,8 Millionen Tonnen erhöht, der Auslastungsgrad wurde im Jahresabstand von 89 auf 92 Prozent verbessert.

Der Beitrag des Kunststoff-, Chemie- und Düngemittelherstellers Borealis, an dem die OMV beteiligt ist, stieg um 13 Millionen auf 50 Millionen Euro, die im Finanzerfolg des OMV-Konzerns ausgewiesen sind.

Das CCS EBIT (um Lagereffekte bereinigt) vor Sondereffekten halbierte sich auf 333 Millionen Euro. Der den Aktionären zuzurechnende CCS Periodenüberschuss ging um ein Fünftel auf 237 Millionen Euro zurück. Der Cashflow aus der Betriebstätigkeit ging im ersten Jahresviertel um 55 Prozent auf 406 Millionen Euro zurück.

Die Nettoverschuldung erhöhte sich auf 5,459 Milliarden Euro (Ende 2014: 4,902 Milliarden Euro). Der Verschuldungsgrad (Gearing Ratio) betrug Ende März 35 Prozent. Der Personalabbau geht weiter, der Konzern beschäftigt nun 25.287 Leute, um 6 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Börse reagiert verschnupft

Während die Zahlen für den Nettoüberschuss die Erwartungen etwas übertreffen konnten, blieben die operativen Ergebnisse (CSS Ebit) der OMV hinter den Prognosen zurück, kommentierten die Analysten der UBS die Zwischenbilanz. Gestützt wurde der Nettogewinn von höheren Einnahmen bei Borealis sowie von niedrigeren Zinsausgaben, so die Experten. Ihren Gesamtjahresausblick hat die OMV bestätigt, schreiben die UBS-Analysten. Für das laufende Geschäftsjahr stellt sich die OMV auf einen weiterhin sehr niedrigen Brent-Rohölpreis zwischen 50 und 60 Dollar ein.

Die Aktionäre waren von den Zahlen jedenfalls alles andere als begeistert: Am Montag, 18.5., verloren die Aktien der OMV im Tagesverlauf bis zu zehn Prozent. Die Papiere notierten kurz vor Börseschluss um satte 8,89 Prozent schwächer bei 27,63 Euro. Die Anteilscheine waren somit der größte Tagesverlierer im ATX. Allerdings haben die Papiere seit Jahresbeginn um knapp 30 Prozent an Wert gewonnen; die Rally hat dazu geführt, dass die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 42,60 stark überbewertet ist.

Aktie stürzte 2014 ab - Comeback 2015

An der Börse ist die OMV derzeit 9,3 Milliarden Euro wert. Das ist zwar nichts im Vergleich zu Branchengrößen wie Exxon Mobil (320 Milliarden Euro), Royal Durch Shell (176,38 Milliarden Euro) oder BP (114 Milliarden Euro); für österreichische Verhältnisse aber geradezu ein Riese: Mit einem Anteil von 11,802 Prozent am ATX ist das Öl- und Gasunternehmen der drittstärkste Wert im heimischen Leitindex, nach Erste Group (20,15 %) und Andritz (11,808 %).

Genau ein Jahr zuvor war die OMV mit 12 Prozent Anteil allerdings noch der zweitstärkste Wert im ATX gewesen. Hauptgrund dafür ist der Verfall der Aktie in der zweiten Jahreshälfte 2014: Vom 52-Wochen-Hoch am 3. Juli (33,33 Euro) bis zum Tief am 15. Dezember (20,07 Euro) ging es um 39,78 Prozent bergab – danach setzte die Erholung der Aktie ein, welche die bisherigen Kursgewinne des Jahres 2015 mit sich brachte.

Die Empfehlungen der Analysten am 18. 5. Lauten bisher auf „Reduce“ (Nomura), „Underperform“ (Raymond James), „Equalwt/Attractive“ (Morgan Stanley) und „Buy“ (Societe Generale). Der Großteil der Analysten (43,5 Prozent) rät dazu, die Aktie zu verkaufen.

Börse

Schwache Dividendenrendite bei Österreichs Börsecompanys

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt