Neue "Grexit"-Spekulation drückt Athener Börse

Neue "Grexit"-Spekulation drückt Athener Börse

Griechenland bleibt weiterhin säumig, was die Umsetzung von Reformen anbetrifft. Der Gesamtindex an der Börse in Athen rutschte am Vormittag um 1,6 Prozent, der Bankenindex sogar um 5,7 Prozent. Die Rating-Agentur S&P sieht für Griechenland eine düstere Zukunft.

Athen/Frankfurt . Wieder aufgeflammte Spekulationen um ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone haben den Börsen des Landes am Donnerstag zugesetzt. Der Athener Aktienindex rutschte um 1,6 Prozent, der griechische Bankenindex zeitweise sogar um 5,7 Prozent.

Griechische Anleihen warfen Investoren ebenfalls aus ihren Depots. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Titel auf 12,258 Prozent von 11,961 Prozent am Vortag. Die zweijährigen rentierten sogar bei 25,001 (Vortag: 23,824) Prozent.

Angefacht würden die Spekulationen um den sogenannten Grexit von den Äußerungen des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble vom Vortag, sagten Börsianer. Dieser rechnet nicht mit einer schnellen Lösung im Schuldenstreit zwischen Griechenland und seinen Gläubigern. Eine Einigung ist aber die Voraussetzung für neue Hilfskredite.

Griechenland muss nach Ansicht des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble darauf hinarbeiten, Vertrauen an den Märkten zurückzugewinnen. "Griechenland muss einen Weg finden, wie es das Vertrauen an den Märkten zurückgewinnen und seine Wettbewerbsfähigkeit stärken kann", sagte Schäuble am Mittwoch (Ortszeit) in der Columbia University in New York.

Mangelnde Reformbereitschaft

Schäuble steht mit der Kritik nicht allein da. Auch EU-Kommissar Valdis Dombrovskis kritiserte die mangelnde Bereitschaft der Griechen und fordert die Reformen endlich in Angriff zu nehmen. "Wir erwarten von Griechenland ein glaubwürdiges Reformbekenntnis. Eile ist geboten", sagte der lettische Politiker. Griechenland müsse endlich die im Februar mit den EU-Insitutionen ausgehandelten Reformen angehen. Dazu zählen Reformen bei der Pensionsversicherung, dem Arbeitsmarktsowie die geforderten Privatisierungen.

Beim Treffen der Euro-Finanzminister am 24. April in Riga werden demnach keine Zahlungen für das von der Staatspleite bedrohte Griechenland freigegeben. Es werde in der lettischen Hauptstadt lediglich "eine Bestandsaufnahme der Fortschritte" geben, meinte Dombrovskis am Mittwoch.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den griechischen Geldhäusern eine weitere Versorgung mit Liquidität zugesagt. Man habe die Nothilfen (ELA) für die Institute gebilligt und werde dies weiter tun, solange die Banken solvent seien und angemessene Sicherheiten hätten, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Mittwoch in Frankfurt.

Finanzhilfen würden weiterhin entsprechend der EZB-Regeln vergeben. Es sei auf der EZB-Sitzung auch über Abschläge auf Sicherheiten griechischer Banken diskutiert worden. Darauf werde man bald zurückkommen. Über eine Pleite Griechenlands wolle er nicht nachdenken, fügte Draghi hinzu.

Das EZB-Engagement bei Griechenland liegt laut Draghi bei 110 Mrd. Euro.

Negativer Ausblick

Parallel dazu setzte die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) die Bonitätsnote Griechenlands am Mittwoch auf "CCC+" von "B-" herunter.

Grund dafür sei die Wirtschaftslage, die sich aufgrund der schleppenden Verhandlungen mit den Geldgebern verschlechtert habe. Auch der Ausblick sei nun negativ. Ohne tiefgehende Wirtschaftsreformen oder weitere Entlastungen werde Griechenland seine finanziellen Verpflichtungen nicht einhalten können.

Budgetziele verfehlt

Griechenlands Budgetdefizit ist im vergangenen Jahr deutlich höher ausgefallen als angenommen. Wie das griechische Statistikamt am Mittwoch in einer ersten Schätzung mitteilte, betrug der Fehlbetrag im Haushalt 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Die bis Jänner amtierende Regierung aus Konservativen und Sozialdemokraten hatte noch mit einem Defizit von nur 1,3 Prozent gerechnet, die EU-Kommission ging im März noch von einem Minus von nur 2,0 Prozent aus. Das Krisenland riss damit erneut die EU-Vorgabe von maximal drei Prozent Defizit.

Auch das Ziel für den sogenannten Primärüberschuss - also das Haushaltsplus vor Zinszahlungen und Schuldentilgung - von bisher 1,5 Prozent verfehlte Athen klar. Nach den Angaben vom Mittwoch betrug der Primärüberschuss im vergangenen Jahr nur 0,4 Prozent. Angesichts des höheren Defizits stieg auch die Gesamtverschuldung nochmals an: Sie lag nach den Angaben aus Athen 2014 bei 177,1 Prozent. Die EU-Kommission war zuletzt von 176,3 Prozent ausgegangen.

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