Telekom Austria verdoppelt Gewinn - dank Sparprogramm und teurer Tarife

Telekom Austria verdoppelt Gewinn - dank Sparprogramm und teurer Tarife

Die Telekom Austria hat ihren Nettogewinn im ersten Quartal auf 92,7 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Und das, obwohl in Österreich knapp 5 Prozent der Kunden abewanderten. Das Wundermittel: Höhere Tarife und "intensive Kosteneinsparungen".

Die Telekom Austria (ISIN: AT0000720008) ist mit einem überraschend hohen Gewinn in das Jahr 2015 gestartet. Der Nettogewinn lag im ersten Quartal bei 92,7 Millionen Euro - das ist ein Plus von knapp 128 Prozent gegenüber 2014. Die Ergebnisse liegen deutlich über den Erwartungen der Analysten, sie hatten mit einem Nettogewinn von 52 Millionen Euro gerechnet.

Der Konzernumsatz ging um 2,0 Prozent auf 956 Milionen Euro zurück. Ausschlaggebend für den Rückgang seien Währungseffekte in Weißrussland, erklärte das vom mexikanischen Multimilliardär Carlos Slim kontrollierte Unternehmen. Um diese Effekte bereinigt beträgt der Umsatz unverändert 976 Millionen Euro. An dem für das Gesamtjahr geplanten Umsatzwachstum von rund zwei Prozent hält der Vorstand auch nach dem ersten Quartal fest.

Sparen bringt Vorteile

Für den mehr als verdoppelten Nettogewinn macht die Telekom das gute Geschäft in Österreich und Weißrussland sowie "intensive Kosteneinsparungen" verantwortlich. "Wir optimieren das operative Geschäft, drehen jeden Cent um und trimmen die Telekom Austria Group wieder auf Wachstumskurs", kommentierte Vorstandschef Hannes Ametsreiter in der Aussendung die Zahlen. Die Kosten wurden um 1,6 Prozent gesenkt, das sind 10,9 Millionen Euro auf Konzernebene. Heuer sollen in Summe 90 Millionen Euro eingespart werden. Für die knapp 5.000 Beamten in Österreich rechnet das Unternehmen mit Restrukturierungsaufwendungen von ungefähr 40 Millionen Euro.

Im Problemland Bulgarien - 2014 mussten hier 400 Millionen Euro abgeschrieben werden - zeigt der Reformkurs nach Angaben der Telekom bereits Wirkung. Während die Umsätze um 4,1 Prozent auf 87,6 Mio. Euro und das bereinigte Ebitda um 6,2 Prozent auf 34,8 Millionen zurückgingen, stieg das operative Ergebnis (Ebit) um 2,4 Prozent auf 14,4 Millionen Euro.

Weniger Handy-Kunden in Österreich

Den Kosteneinsparungen steht ein massiver Kundenschwund in Österreich gegenüber: Die Telekom Austria hat am Heimatmarkt innerhalb eines Jahres 271.400 Mobilfunkkunden verloren und kommt nun auf 5,38 Millionen Handyfonierer - das ist ein Minus von 4,8 Prozent. Die Telekom hatte 2014 bei ihren Marken "A1", "yesss!" und "Bob" die Tarife deutlich angehoben.

Das Unternehmen spricht von "einer Stabilisierung der Grund- und Verbindungsentgelte". Der Preiskampf am österreichischen Mobilfunkmarkt hatte sich im Vorjahr vorrübergehend abgeschwächt. Der Preiserhöhung hat es das Unternehmen auch zu verdanken, dass der Umsatz trotz Kundenschwund stabil geblieben ist.

Bei den Festnetzanschlüssen gab es hingegen keinen Kundenschwund, knapp 2,29 Millionen Anschlüsse gibt es österreichweit. Konzernweit hatte die Telekom Austria Ende März 2,76 Millionen Festnetzkunden und 19,99 Millionen Mobilfunkkunden. In Osteuropa sind neue Festnetzanschlüsse dazugekommen. Der teilstaatliche Konzern ortet eine hohe Nachfrage nach Breitband und TV.

Mehr Investitionen ins Netz

Hochgeschraubt wurden die Investitionen: Im ersten Quartal flossen 121,1 Millionen Euro in das Netz, im Vorjahreszeitraum waren es 99,4 Millionen Euro. Bis Jahresende will die Telekom Austria 700 bis 750 Millionen Euro investieren. Das Unternehmen hat konzernweit 16.298 Mitarbeiter, nach 16.090 Mitarbeitern Ende März 2014. Der Anstieg hängt mit der Übernahme von blizoo in Mazedonien zusammen.

Link: Investor Relations der Telekom Austria

Die Aktie der Telekom Austria legte im frühen Handel bis 9:50 Uhr um 3,2 Prozent auf 6,73 Euro zu und führte somit den heimischen Leitindex ATX an. Seit Jahresbeginn verzeichnet die Aktie ein Plus von 19,13 Prozent. An der Börse ist die Telekom Austria 4,48 Milliarden Euro wert - zum Vergleich: Die Deutsche Telekom, Mutter der österreichischen T-Mobile, kommt auf eine Marktkapitalisierung von 76,56 Milliarden Euro.

Aktienverlauf der Telekom Austria innerhalb eines Jahres: Nach dem Absturz Ende 2014 geht es heuer wieder bergauf.

Die Analysten der Schweizer Großbank sehen das Kursziel nun bei 7,30 Euro, das Anlagevorum liegt bei "Buy". In einem Kommentar zu den heute vorgelegten Zahlen zum ersten Quartal 2015 sehen die Analysten gemischte Signale. Allerdings gebe es weiterhin Aussichten auf Gewinnwachstum und der Mobilfunkmarkt in Österreich würde sich ebenso weiterhin bereinigen, heißt es in der Studie. Beim Gewinn je Aktie erwarten die UBS-Analysten 0,37 Euro für 2015, sowie 0,54 bzw. 0,68 Euro für die beiden Folgejahre. Ihre Dividendenschätzung je Titel beläuft sich auf 0,05 Euro für 2015 und 0,16 Euro für 2016, bzw. 0,24 für 2017. Am Vortag hatte auch die Vredit Suisse eine Kaufempfehlung für die Aktie ausgesprochen - Kursziel: 7,50 Euro.

Link: Produktblatt mit weiteren Informationen zur TA-Aktie bei bankdirekt.at

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