Mahlzeit: Rocket Internet bringt HelloFresh an die Börse

Mahlzeit: Rocket Internet bringt HelloFresh an die Börse

Der vor vier Jahren gegründete Essens-Lieferdienst HelloFresh wird vor dem IPO mit 2,6 Milliarden Euro bewertet - so viel wie die weltweit viertgrößte Container-Reederei Hapag-Lloyd. Die Aktie von Rocket Internet ist indes ein Trauerspiel.

Der Lebensmittel-Lieferdienst HelloFresh lässt sich von den Schwierigkeiten von Börsenkandidaten wie Hapag-Lloyd oder Steilmann nicht abschrecken. Das Berliner Start-up-Unternehmen machte seine Börsenpläne am Mittwoch offiziell. Es ist die erste Beteiligung, die der Internet-Konzern Rocket Internet nach der eigenen Emission an die Frankfurter Börse bringt. Rockets eigene Aktie hat seit Jahresbeginn 42,50 Prozent an Wert verloren.

Das vor vier Jahren gegründete Unternehmen HelloFresh wurde zuletzt mit 2,6 Milliarden Euro bewertet - so hoch wie die weltweit viertgrößte Container-Reederei Hapag-Lloyd. Verkauft werden sollen aber nur Aktien für 300 bis 500 Millionen Euro, wie zwei Insider zu Reuters sagten.

HelloFresh will laut Finanzkreisen das letzte Fenster nutzen, das sich in diesem Jahr für Börsengänge öffnet. Die Erstnotiz dürfte damit Ende November stattfinden. Die Rocket-Aktie stieg um fünf Prozent auf 29,38 Euro. Ob Rocket beim Börsengang überhaupt eigene Aktien abgibt, ist offen.

Hintergrund-Story: Vor dem IPO punktet HelloFresh mit Wachstum

HelloFresh liefert den Abonnenten seiner "Kochboxen" einmal pro Woche die Zutaten für komplette Rezepte frei Haus. Rund 537.000 Kunden haben sich zwischen Juli und September zumindest einmal damit beliefern lassen, mehr als vier Mal so viele wie ein Jahr zuvor. Insgesamt wurden 13,2 Millionen Mahlzeiten ausgeliefert. In den ersten neun Monaten setzte das Unternehmen 198 Millionen Euro um, im vierten Quartal sollen bis zu 102 Millionen dazukommen. Dabei schreibt HelloFresh tiefrote Zahlen: Nach neun Monaten stand ein Verlust von 58 Millionen Euro zu Buche - vor allem weil das Marketing allein 70 Millionen Euro verschlang.

HelloFresh setzt darauf, dass sich immer mehr Menschen frisches Essen nach Hause liefern lassen. "Die Notierung an der Börse wird unsere Wachstumsstrategie unterstützen", sagte Vorstandschef und Mitgründer Dominik Richter. Bald soll es mehr Auswahl geben, flexiblere Portionen und Lieferzeiten. Dafür muss die Produktion automatisiert werden. Der Löwenanteil des Erlöses soll an HelloFresh gehen. Zurzeit hat das Unternehmen gut 150 Millionen Euro auf der hohen Kante. Der Investor Baillie Gifford hatte kürzlich 75 Millionen Euro beigesteuert.

GEGEN DIE VERUNSICHERUNG

An die Börse begleitet wird HelloFresh federführend von den US-Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley. Sie hoffen darauf, dass HelloFresh von den Konjunktursorgen um die Weltwirtschaft unbeeinflusst bleibt. Das Kleinanzeigenportal Scout24 war im Herbst bisher der einzige Börsengang in Deutschland, der reibungslos über die Bühne ging. Die Reederei Hapag-Lloyd und die Modefirma Steilmann mussten wegen der Verunsicherung der Investoren die Zeichnungsfrist verlängern.

Rocket hält mit 56,4 Prozent die Mehrheit an HelloFresh, 6,6 Prozent liegen bei Richter und anderen Managern. Den Rest halten weitere Wachstumsfinanzierer. Sie wollen Rocket zufolge nur als Platzierungsreserve Aktien verkaufen. Das sind in der Regel 15 Prozent des gewöhnlichen Emissionsvolumens.

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