Haarige Angelegenheit: Lenzing streicht Jobs und kürzt Dividende

Haarige Angelegenheit: Lenzing streicht Jobs und kürzt Dividende
Haarige Angelegenheit: Lenzing streicht Jobs und kürzt Dividende

"We make it ..." - das Motto des Faserherstellers Lenzing als Durchhaltparole.

Wegen Überkapazitäten in China ist der Preis für Viskosefasern im Keller; eine Erholung ist vorerst nicht in Sicht. Lenzing verbuchte 2014 daher einen Verlust. Personal wird abgebaut, der CEO ausgetauscht - und den Aktionären soll die Dividende gekürzt werden.

Beim börsenotierten Faserhersteller Lenzing (ISIN: AT0000644505) stehen die Zeichen weiter auf Veränderung. Nachdem binnen eines Jahres der komplette Vorstand ausgetauscht wurde hat das das Unternehmen vergangenen Freitag auch den Wechsel an der Unternehmensspitze bekannt gegeben. Mit 1. Juni wird Stefan Doboczky den bisherigen CEO Peter Untersperger ablösen, der sein Amt auf eigenen Wunsch vorzeitig niederlegt.

Nun bestätigte der börsennotierte Faserhersteller seinen bereits Anfang März angekündigten Jahresverlust für 2014 in Höhe von 14,2 Millionen Euro. Im Vorjahr konnte das Unternehmen noch einen Gewinn von 30,6 Millionen Euro verbuchen. Auch der Konzernumsatz ging zurück. Er verringerte sich 2014 um 2,3 Prozent auf 1,86 (2013: 1,91) Milliarden Euro.

Der 47-Jährige Stefan Doboczky, ein gebürtiger Kärntner, übernimmt mit 1. Juni die Leitung des Faserkonzerns Lenzing. Zuletzt war Doboczky Vorstandsmitglied beim niederländischen Royal DSM-Konzern und dort für den Pharmabereich zuständig.

Nach dem Verlustjahr müssen auch die Aktionäre Rückschläge hinnehmen. Die Dividende soll gekürzt werden. Der Vorstand werde der Hauptversammlung die Ausschüttung einer Dividende von 1,00 je Aktie vorschlagen, heißt es von Lenzing. 2014 lag die Dividende noch bei 1,75 Euro pro Aktie. Laut den Analysten der Baader Bank ist die Dividendensenkung keine Überraschung. Sie hatten eine Senkung genau in diesem Ausmaß erwartet. An der Börse fielen Lenzing-Aktien im frühen Handel um 1,08 Prozent auf 64,29 Euro.

Der Absatz habe zwar auf einen Rekordwert von 960.000 Tonnen - ein Plus von 8 Prozent - gesteigert werden können, jedoch bei weiter rückläufigen Faserpreisen und einem weiterhin sehr herausfordernden Umfeld, so Lenzing.

Operativ besser dank Sparprogramm

Operativ verbesserte sich Lenzing durch massive Kosteneinsparungen aber dennoch. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg gegenüber dem Vorjahr um 24 Prozent auf 240,3 Millionen Euro. Weit über 100 Millionen. Euro haben die Kosteneinsparungen laut dem scheidenden Lenzing-Chef Peter Unterberger gebracht. Rund ein Viertel davon entfielen auf Personaleinsparungen. Dagegen belasteten Firmenwertabschreibungen das Betriebsergebnis (EBIT) und das Jahresergebnis.

Zum Ausblick für 2015 heißt es, dass sich die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Faserindustrie kaum geändert hätten. Bei Standard-Viskosefasern müsse mit weiterhin schwierigen Marktbedingungen gerechnet werden. "Wir sehen keine Erholung bei den Viskosepreisen. Auch Polyester und Baumwolle werden uns das Leben nicht leicht machen", so Vertriebsvorstand Robert van de Kerkhof: Das Billig-Öl drücke die Polyesterpreise und damit die gesamten Faserpreise. Je günstiger Polyester sei, desto stärker werde es in Baumwolle eingemischt. In den letzten drei Jahren "haben wir 90 Cent pro Kilogramm auf den Verkaufspreis verloren, das sind 40 Prozent", beklagte der Ende Mai scheidende CEO Peter Untersperger bei der Bilanzpressekonferenz in Wien. Die Baumwoll-Erzeuger würden schon Anbauflächen reduzieren, so van de Kerkhof, China sitze aber weiter auf über einem ganzen Jahresverbrauch an Lagerbestand. Bei Zellulosefasern sei mittelfristig kein durchgreifender Preisanstieg in Sicht - durch die Überkapazitäten in China.

Lenzing plant über den heurigen Job-Abbau um bis zu 250 Stellen in Österreich hinaus vorerst keine weiteren Streichungen. Garantie könne man aber nicht abgeben, so der CEO. Bisher wurden im Konzern 650 Vollzeit-Jobs reduziert, davon 123 im Jahr 2013. Im Herbst zählte der Konzern weltweit über 6.150 Personen, davon gut 2.950 in Österreich. "Herunterverhandelt" habe man obendrein die Boni, da gehe es um Millionen Euro, so der CEO. Die Optimierung der neuen divisionalen Aufstellung des Konzerns soll van de Kerkhof im Juni präsentieren.

Zurück in die Gewinnzone

Ob man angesichts des Preisverfalls am Markt und der global prall gefüllten Lager heuer Gewinn schreiben wird, ließ man offen. Man wolle heuer wieder in die Gewinnzone zurück, "das ist unser Bestreben", so Finanzvorstand Thomas Riegler. Ob das gelinge, sei etwa vom Markt abhängig, gab Untersperger zu verstehen. Er gibt - wie schon seit Freitag bekannt - seien Posten ab, nach über 30 Jahren im Unternehmen - 15 als Vorstand und davon sechs als CEO. Ihm folgt per 1. Juni Stefan Doboczky. Angesichts der operativ guten Zahlen auch 2014 und seines persönlichen Track-Records verlasse er Lenzing "erhobenen Hauptes". Am 22. April werde er sich bei der HV auch von den Aktionären verabschieden, für die Zeit danach habe er "noch nichts Konkretes".

Dass man im Vorjahr statt der angepeilten 60 Mio. Euro letztlich 137 Mio. Euro einsparen konnte, soll künftig weiterhelfen. Für heuer strebt man annualisiert 130 Mio. Euro Kosteneinsparungen an, ab 2016 strukturell dann rund 160 Mio. Euro jährlich. 2014 habe man 137 Mio. Euro "eingesammelt", rechnete Finanzvorstand Riegler vor, davon 30 Mio. Euro einmalig und 107 Mio. als strukturellen Teil, der sich heuer auf 119 Mio. Euro vergrößern soll. "Weitere 40 Mio. strukturell müssen wir 2015 holen, damit es 2016 einen ganzjährigen Effekt hat", so Riegler.

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