Lenzing verschärft Sparkurs und streicht erneut Jobs

Lenzing verschärft Sparkurs und streicht erneut Jobs

Lenzing leidet am Preisverfall bei Kunstfasern und muss das Geschäft abermals nachjustieren.

Das Geschäft des österreichischen Textilfaser-Hersteller Lenzing läuft nicht rund. Die Faserpreise stagnieren. Am Heimatstandort sollen bis zu 250 Jobs gestrichen werden. Und bei Investitionen will sich Lenzing ebenfalls zurückhalten. Alle Standorte von Lenzing seien nun auf dem Prüfstand.

Wien/Lenzing. Der Faserhersteller Lenzing kommt mit seinem laufenden Sparprogramm nicht aus und schärft noch einmal nach. Nachdem der Konzern bereits im November 2013 bekanntgab, konzernweit bis zu 600 Vollzeit-Jobs zu streichen, sind nun weitere bis zu 250 Arbeitsplätze hauptsächlich am Standort Lenzing in Oberösterreich betroffen. Das gab die börsennotierte Firma am Freitag ad hoc bekannt.

Auch in den kommenden Quartalen sei hier keine Erholung zu erwarten, erklärte der Konzern. Die bislang gesetzten Maßnahmen reichten daher nicht aus, um diesen Preisrückgang zu kompensieren. Neben dem Arbeitsplatzabbau wolle die Firma auch ihre Investitionen "signifikant" zurückschrauben.

Von den bis zu 250 Jobs seien ein Drittel Leiharbeiter. Lenzing versuche, Kündigungen zu vermeiden und strebe "einvernehmliche Lösungen" an, schreibt das Unternehmen in der Pflichtmitteilung. Neue Großprojekte würden auf absehbare Zeit nicht umgesetzt. Das Investitionsvolumen werde sich in den Folgejahren "signifikant reduzieren".

"Wir melden die Mitarbeiter umgehend beim AMS an und beginnen im Jänner mit der Personalreduktion", sagte Unternehmenschef Peter Untersperger am Freitag zur APA. Aufgrund des schwierigen Preisumfeldes kappt das börsennotierte Unternehmen seine Großprojekte und fährt die Investitionen auf ein Mindestmaß zurück.

"Wenn wir Großprojekte nicht machen, die sonst sehr viele Leute beanspruchen, haben wir sehr viele Kapazitäten übrig", so Untersperger. Sprich Personal, das nicht gebraucht wird. Betroffen seien Beschäftigte in den Bereichen Bereiche Engineering, Instandhaltung und Lenzing Technik. Ein Drittel des angekündigten Abbaus betrifft Leiharbeiter. Der noch laufende Sozialplan sowie die Lenzing-Arbeitsstiftung sollen auch für die heute bekannt gewordenen Beschäftigten gelten.

Positives hatte Untersperger von der neuen Faser-Anlage in Lenzing (Oberösterreich) zu vermelden. Die Anlage sei nun komplett hochgefahren, die Auslastung sei gut.

Alles auf dem Prüfstand

Aktuell beschäftigt der Faserkonzern weltweit 6157 Personen, 2955 davon in Österreich. Ob dem Sparkurs der Firma auch ganze Fabriken zum Opfer fallen, ist noch nicht klar. Alle Standorte stünden auf dem Prüfstand, hatte Untersperger heuer angekündigt. "Wir sind mit der Überprüfung noch nicht fertig", sagte Untersperger am Freitag auf Nachfrage. Man stelle sich natürlich schon die Frage, "ob wir die richtigen Produkte an den richtigen Standorten mit den richtigen Kosten haben". Lenzing hat Werke in China, Indonesien, USA, England, Tschechien und eben Österreich.

Zum Halbjahr hatte Lenzing angekündigt, nachschärfen zu müssen und statt der für 2014 geplanten Einsparungen von 60 Mio. 90 Mio. Euro sparen zu müssen. "Das geht jetzt schon Richtung 100 Mio. Euro", so Untersperger. Auch die Investitionen sollen künftig auf 100 Mio. Euro oder sogar darunter reduziert werden. 2012 investierte Lenzing noch 340 Mio. Euro. 2013 waren es dann nur noch 250 Mio. Euro.

Einen Ausblick für das Gesamtjahr 2014 hat das Management heuer nicht bekanntgegeben. Untersperger rechnet nicht mit einer Besserung bei den Faserpreisen. Zuletzt kostete ein Kilo Fasern 1,55 Euro, nach 1,72 Euro im Jahr davor. "1 Cent weniger kostet uns 10 Mio. Euro Umsatz", erläuterte der Unternehmenschef.

Beinharter Wettbewerb

In der Branche herrscht ein erbitterter Preiskampf. "Eine kontinuierliche Preissteigerung ist nicht in Sicht, ganz im Gegenteil", sagte Firmenchef Peter Untersperger der Nachrichtenagentur Reuters erst Mitte November. Im dritten Quartal waren die durchschnittlichen Faserpreise im Vergleich zum Vorquartal leicht gestiegen. Allerdings hätten Wettbewerber in Asien seither ihre Preise gesenkt und Lenzing müsse nachziehen, um keine Kunden zu verlieren. Zudem sind laut Untersperger auch die Baumwollpreise unter Druck - ein wichtiger Indikator für die Preise der Viskosefasern von Lenzing, die zu Bekleidung, Bettwäsche, Wattepads oder Tampons weiterverarbeitet werden.

Lenzing stellt Viskosefasern her, die zu Bekleidung, Bettwäsche, Wattepads oder Tampons weiterverarbeitet werden. Bereits Ende 2013 hatte Lenzing angekündigt, weltweit 600 Vollzeitstellen abzubauen.

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