Kunden zahlen zu spät oder gar nicht - das drückt bei Zalando auf den Gewinn

Kunden zahlen zu spät oder gar nicht - das drückt bei Zalando auf den Gewinn

Kunden von Zalando können sich nach dem Erhalt der Ware 14 Tage Zeit lassen, bis sie die Rechnung begleichen - eine Option, die auch in Österreich gerne genutzt wird. Das bringt höhere Zinskosten und ein großes Ausfallrisiko mit sich.

Der deutsche Online-Modehändler Zalando hat am Dienstag vorläufige Zahlen für das zweite Quartal 2015 veröffentlicht – und es gibt gute ebenso wie schlechte Nachrichten: Gut ist, dass der Umsatz im zweiten Quartal um 33 bis 35 Prozent auf 727-738 Millionen Euro gewachsen ist; damit wurden die Erwartungen der Analysten von (688 Millionen Euro Umsatz) übertroffen.

Schlechte Nachrichten gibt es allerdings in Bezug auf den Gewinn; denn das EBIT lag im zweiten Quartal zwischen 22 und 37 Millionen Euro – damit ist das junge Unternehmen zwar cashflow-positiv, liegt aber vermutlich unter der Performance des Vorjahresquartals (35 Millionen Euro); Analysten hatten einer Bloomberg-Umfrage zufolge 34,3 Millionen Euro Gewinn erwartet. Die endgültigen Zahlen werden am 13. August präsentiert.

Auch Österreicher zahlen erst später

Zalando kämpft damit, dass Kunden ihre Rechnungen erst nach mehreren Mahnungen oder gar nicht begleichen; das bedeutet höhere Zinskosten und ein beträchtliches Ausfallrisiko. Die Option, erst nach Erhalt der Ware per Überweisung zu bezahlen, ist bei den Kunden des Online-Händlers mit den schrägen Werbespots – „Schrei vor Glück!“ – äußerst beliebt: „Auch in Österreich ist Bestellung auf Rechnung die beliebteste Form des Bezahlens“, sagt Dominik Rief, Country Manager Österreich bei Zalando, zu FORMAT.

Ein weiteres Spezifikum von Zalando ist, dass Kunden bestellte Waren gratis zurück schicken können. Die Rücksendequote liegt derzeit bei 50 Prozent, heißt es vom Unternehmen gegenüber FORMAT; genaue Zahlen zu den einzelnen Ländern werden nicht bekannt gegeben, Österreich dürfte in Bezug auf die Rücksendungen aber im Mittelfeld liegen. Die erwarteten Rücksendungen fließen in die Preisgestaltung und strategische Planung mit ein und sind somit dem Unternehmen zufolge keine Belastung mehr.

Investoren schicken Aktien zurück

An der Börse herrschte Enttäuschung über die vorläufigen Zahlen; die Aktie verlor am späten Vormittag 4,17 Prozent auf 32,03 Euro und war somit der mit Abstand schlechteste Wert im MDAX, indem sie seit Juni gelistet ist. Anfang Juli hatte es bereits einen deutlichen Kursrückgang gegeben, als Holtzbrinck Ventures GmbH und AI European Holdings mitteilten, einen Anteil von insgesamt 3,36 Prozent zu verkaufen. Zalando war im Herbst mit einem Ausgabepreis von 21,50 Euro an die Börse gegangen.

Marktbeobachter gehen davon aus, dass viele Investoren nun Gewinne mitgenommen haben; denn immerhin hat die Aktie seit 1. Jänner um gut 25 Prozent gewonnen und bringt mit einer Marktkapitalisierung von 7,899 Milliarden Euro nun mehr auf die Waage als Lufthansa, die nur noch 5,88 Milliarden Dollar wert ist.

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