Ja oder Nein? Hellas-Votum hält die Börsen in Atem

Ja oder Nein? Hellas-Votum hält die Börsen in Atem

Dunkle Zeiten für Griechenland: Wie wird das Volk am Sonntag entscheiden?

Das Votum der Griechen über die von den Gläubigern geforderten Reformen wird nicht nur über das Schicksal des Landes, sondern auch über die Performance der Börsen in der kommenden Woche entscheiden.

"Ja" oder "Nein" - Sommerrally oder Mini-Crash: Die für Sonntag geplante Volksabstimmung der Griechen über die von den Gläubigern angemahnten Reformen wird für die neue Börsenwoche entscheidend sein. Nervös zitterten die Anleger dem nächsten Akt in dem Drama entgegen. Der Dax fiel bis zum Freitagnachmittag auf Wochensicht um mehr als drei Prozent auf rund 11.100 Punkte.

Die Kurse an Europas Börsen schwankten so stark wie seit Oktober nicht mehr. Denn in Griechenland herrscht Ausnahmezustand: Die Banken sind größtenteils geschlossen, Hamsterkäufe nehmen zu. An der Börse in Athen findet bereits seit Tagen kein Handel statt. Die internationalen Geldgeber wollen erst nach dem Referendum wieder mit der Regierung in Athen verhandeln.

EIN "JA" UND DIE BÖRSENWELT ATMET AUF

Auf ein "Ja" am Sonntag werden die Finanzmärkte nach einhelliger Meinung der Strategen und Börsianer erleichtert reagieren. Die Verhandlungen über weitere Finanzhilfen an das hoch verschuldete Land würden leichter, ein neues Hilfsprogramm zum Greifen nah. "Zwar müsste man sich dann erst auf konkrete Reformen einigen, aber der alles entscheidende Wille wäre da", sagt Marktexperte Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co.

Ein Kurssprung von zwei bis vier Prozent sei dem Dax dann zuzutrauen. Langfristig seien sogar bis zu zehn Prozent Dax-Plus in den kommenden Monaten drin. Zu Ende wäre die Krise damit laut Commerzbank aber nicht. "Die politische Unsicherheit bliebe hoch und das Risiko eines Staatsbankrotts schwelte weiter", erklärt das Institut.

EIN "NEIN" UND DEN ANLEGERN BLEIBT DIE LUFT WEG

Bei einem "Nein" würde ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro, der sogenannte Grexit, nach Meinung der Profis bedrohlich näher rücken. "Die Marktreaktionen werden in diesem Fall - zumindest auf kurze Sicht - sehr heftig ausfallen", befürchtet NordLB-Stratege Mario Gruppe. Am Aktienmarkt müssten Anleger mit deutlichen Kursverlusten rechnen, die Risikoprämie von Staatsanleihen der Länder Südeuropas dürften massiv ansteigen, der Euro abtauchen. Bundesanleihen würden als sicherer Hafen sehr gefragt sein.

Alles Weitere hängt vom Verlauf der Verhandlungen zwischen dem Land und der Eurogruppe ab - mit düsteren Vorzeichen. "Es wird sich zeigen, ob Griechenland angesichts des drohenden Grexits und der dann zu erwartenden negativen wirtschaftlichen und sozialen Folgen einknickt oder im Hinblick auf die den Wählern versprochene Standfestigkeit gegenüber den Gläubigern das Experiment eines Euro-Ausstiegs wagt", meint die DZ Bank. Die Bereitschaft der Gläubiger, ihrerseits auf Griechenland zuzugehen, dürfte nicht hoch sein.

US-WIRTSCHAFT SPIELT PROMINENTE NEBENROLLE

Eine andere wichtige Rolle spielt an den Kapitalmärkten das Thema US-Wirtschaft und möglicher Zeitpunkt einer Zinserhöhung durch die amerikanische Notenbank. Zum Monatsanfang warten Anleger auf neue Hinweise, wie es um das Wachstum in der weltgrößten Volkswirtschaft bestellt ist.

Im Fokus steht am Montag der ISM-Index außerhalb des verarbeitenden Gewerbes. Experten rechnen im Schnitt mit einem Wert von 56,3 nach zuvor 55,7 Punkten. Dies würde untermauern, dass die USA nach dem schwachen Jahresstart auf Erholungskurs ist. Am Mittwochabend gibt die Fed Einblick in die Protokolle ihrer vergangenen Sitzung.

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