IT-Problem belastet VIG-Bilanz - Aktie ist Jahresverlierer im ATX

Wegen unliebsamer IT-Wertberichtigungen hat die Vienna Insurance Group in den ersten neun Monaten deutlich weniger verdient. Das belastet die Aktie erneut, die heuer bereits der größte Verlierer im ATX ist.

IT-Problem belastet VIG-Bilanz - Aktie ist Jahresverlierer im ATX

Die VIG (ISIN: AT0000908504) hat in den ersten neun Monaten wegen IT-Wertberichtigungen im Ausmaß von 195 Millionen Euro deutlich weniger verdient: Das Vorsteuerergebnis fiel um 60,2 Prozent auf 175,3 Millionen Euro. VIG-Chef Peter Hagen verweist auf die heterogene IT-Systemlandschaft im Konzern in einem sich stark ändernden Umfeld - konkret: Kundenverhalten, regulatorisches Umfeld und rascher technologischer Fortschritt.

Operativ lag das Ergebnis der Vienna Insurance Group (VIG) bei 370 Millionen Euro und damit auf dem Niveau, das von den Analysten für das Vorsteuerergebnis (EGT) erwartet worden war. Die Combined Ratio - Schäden und Kosten in Relation zu den Einnahmen - verbesserte sich leicht auf 96,9 Prozent, nach 97,2 Prozent. Das Konzernergebnis sank um 57,5 Prozent auf 143,2 Millionen Euro.

Externe Experten für die IT

Man habe eine notwendige bilanzielle Konsequenz gezogen, aus einer Analyse der technologischen Anforderungen, sagt Hagen. Die IT im Konzern sei immer komplexer geworden, man habe seit 2002 rund 50 Unternehmen gekauft. Anfang 2015 habe man die Intensität der IT-Überprüfungen erhöht und auch externe Experten beigezogen. Es gehe um bestimmte Dinge, die man gemacht habe und die damals völlig richtig gewesen seien, auf Veränderungen müsse man nun reagieren. Aus heutiger Sicht habe man bei den Wertberichtigungen gemacht, was man für richtig und notwendig halte. Der Aufsichtsrat habe das Zukunftskonzept gestern genehmigt. Die Investitionen für neue Systeme würden nicht viel anders ausfallen als im Vorjahr.

Die Entwicklung der VIG-Aktie (schwarz) seit Jahresbeginn. Zum Vergleich die Entwicklung des ATX (grün).

Konkret niedergeschlagen haben sich die Abwertungen im Ergebnis der Schaden/Unfall-Sparte, für die in der Segmentberichterstattung ein Vorsteuerverlust von 4,8 Millionen Euro ausgewiesen wird, nach einem Gewinn von 235,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Wertberichtigungen erfolgen auf Ebene der VIG-Holding, die eine Schaden/Unfall-Lizenz hat.

Dividendenpolitik bleibt gleich

Zur Dividende erklärt Hagen, man werde die bisherige Politik aufrechterhalten, wonach mindestens 30 Prozent des Konzerngewinns ausgeschüttet werden. Eine konkrete Prognose für das Gesamtjahr gibt die VIG nicht.

Zum Ausblick hatte Hagen schon im April erklärt, dass heuer wegen der niedrigen Zinsen ein Gewinndämpfer droht - beim Finanzergebnis womöglich in einer dreistelligen Millionen-Höhe. Im zuletzt veröffentlichten Ausblick erklärt der Versicherungskonzern, dass der Rückgang im Finanzergebnis nicht durch die angestrebte Verbesserung des versicherungstechnischen Ergebnisses überkompensiert werden könne.

Aktie ist heuer größter ATX-Verlierer

Die Aktie geriet nach der Bekanntgabe erneut stark unter Druck. Bis etwa 12:30 Uhr mittags verlor sie gut vier Prozent auf 28,11 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie der VIG somit um gut 24 Prozent an Wert verloren und ist daher der größte Verlierer im heimischen Leitindex ATX. Die Marktkapitalisierung beläuft sich derzeit auf knapp 3,6 Milliarden Euro, das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 19,74, das geschätzte KGV für das Gesamtjahr 2015 bei 9,63.

Analysten geben der Aktie ein Konsensrating von 4,07 (1=starker Sell, 5=starker Buy). Acht Analytsen empfehlen die Aktie zum Kauf, sieben raten zum Halten der Aktie, kein einziger rät zum Verkaufen. Den Zielkurs sehen die Analytsen bei 34,72 Euro, was einem Ertragspotenzial von 23,5 Prozent entspricht.

Die VIG im Vergleich zur Konkurrenz
Unternehmen Marktkap. in Mrd. € Preis (€) YTD-Ertrag KGV Empf.-Konsens
VIG 3,6 29,31 -21,07% 19,74 4,07
Uniqa 2,6 8,60 +13,81% 8,04 3,43
Allianz 74,08 162,26 +23,47% 11,49 3,66
Zurich 36,62 248,54 -10,85% 12,33 3,36
Talanx 7,23 28,92 +18,41% 9,96 3,95
Quelle: Bloomberg/format.at/stm