Iran-Deal lässt Ölpreise in die Tiefe purzeln

Iran-Deal lässt Ölpreise in die Tiefe purzeln

Der Iran kann nun seine Exporte normalisieren - dadurch wächst die Wirtschaft doppelt so stark wie ohne das Abkommen.

Wenn die Sanktionen gegen den Iran bald schrittweise aufgehoben werden, könnte bald noch mehr Öl auf dem Weltmarkt sprudeln - die islamische Republik hat weltweit die viertgrößten Reserven. Bereits die Einigung hat die Ölpreise sinken lassen, die Preise geraten weiter unter Druck.

Die lang erwartete Einigung im iranischen Atomstreit sorgt für einen regelrechten Kursrutsch bei US-Öl: Die US-Sorte WTI verbilligte sich um 3,4 Prozent auf 50,41 Dollar pro Barrel (159 Liter), die Nordseesorte Brent gab um 2,1 Prozent auf 56,61 Dollar nach.

Mit der Einigung ist nun der Weg frei für höhere Ölexporte des wichtigen Förderlandes Iran. Trotz des Deals werde es aber noch einige Zeit dauern, bis die islamische Republik in größerem Stil Rohöl exportiert, sagte Amrita Sen, Chef-Ölanalystin des Research-Hauses Energy Aspects. "Es wird frühestens im nächsten Jahr soweit sein, sehr wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte 2016. Doch bereits die Aussicht darauf drückt die Stimmungund belastet die Preise für das schwarze Gold.

Ölpreis könnte um weitere 5 bis 15 Dollar pro Fass fallen

Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) ist der Ölmarkt bereits jetzt "massiv überversorgt". Aktuell übersteigt das Angebot die Nachfrage um mehr als 2,5 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag. Schätzungen der US-Energiestatistikbehörde EIA vom April zufolge könnte der Ölpreis im kommenden Jahr nach dem Wegfall der Sanktionen um 5 bis 15 Dollar pro Barrel fallen. Größere Verschiebungen sind nach Ansicht von Experten weniger realistisch. "Die Rückkehr des iranischen Öls in den Markt ist schlecht für die Rohölproduzenten", sagt auch Edward Bell, ein Rohstoffanalyst bei der Bank Emirates NBD PJSC in Dubai, gegenüber Bloomberg: "Wir warten nun auf weitere Details des Deals, um herauszufinden, was das wirklich für den Markt bedeutet."

Rohstoffexperten der Commerzbank gehen nicht davon aus, dass der Iran seine Ölförderung rasch erhöhen wird. Erst müssten die Produktions- und Transporteinrichtungen nach mehr als drei Jahren der Stilllegung wieder instandgesetzt werden. Allerdings verfüge das Land über große Lagerbestände, die zunächst exportiert werden könnten. Die Experten gehen von einem Anstieg des iranischen Ölangebots um maximal 500.000 Barrel pro Tag bis Mitte 2016 aus und um weitere 500.000 Barrel bis Ende 2016.

Die islamische Republik ist Mitglied des OPEC-Kartells und hat weltweit die viertgrößten Erdölreserven. Seit Verschärfung der Sanktionen und dem EU-Ölembargo 2012 ist die tägliche Produktionsmenge von 4,3 Millionen Barrel auf rund 2,65 Millionen Barrel gesunken. Der Iran benötigt zudem Investitionen, um seine veraltete Öl-Infrastruktur zu erneuern.

Im ATX verlieren die Öl-Aktien

Die norwegische Krone gab nach Bekanntgabe des Deals 0,7 Prozent nach; auch der Rubel verlor 0,7 Prozent. Der Dollar gewann 0,2 Prozent gegenüber dem Euro, ein Euro ist nun 1,0981 Dollar wert. Der Goldpreis fiel um 0,3 Prozent, Silber um ein Prozent.

Im ATX präsentierten sich um 10 Uhr vormittags die Ölunternehmen schwach: Die OMV verlor 0,55 Prozent auf 25,09 Euro, die Aktien des Ölfeldausrüsters Schoeller-Bleckmann Oilfield (SBO) gaben um 1,05 Prozent auf 54,47 Euro nach. Im laufenden Jahr hat die Aktie der SBO somit 9,22 Prozent an Wert verloren, während die OMV im Jahresverlauf ein Plus von 14,02 Prozent verzeichnet.

Abkommen hängt an seidenem Faden

Diplomaten haben am Dienstagmorgen in Wien verkündet, dass der Atomstreit mit dem Iran nun beigelegt sei, nachdem die sieben beteiligten Staaten zuvor zwei Wochen lang in der österreichischen Bundeshauptstadt verhandelt hatten. Teil der Vereinbarung ist die Verpflichtung des Iran, sein Atomprogramm drastisch zurückzufahren; im Gegenzug werden die Wirtschaftssanktionen gegen das Mitglied der Erdölorganisation OPEC, welche ebenfalls ihren Sitz in Wien hat, schrittweise zurückgefahren. Außerdem erhofft sich Teheran nun Zugriff auf eingefrorene Gelder in Höhe von 100 Milliarden Dollar (90 Milliarden Euro).

Experten erwarten für den Iran nun eine deutliche Verbesserung der Zahlungsbilanz, weil sich unter anderem die Erdölexporte normalisieren – die Wirtschaft könnte in den kommenden Jahren doppelt so schnell wachsen wie ohne das Abkommen.

Allerdings warnten die westlichen Diplomaten den Iran auch, dass bei einem Verstoß des Iran die Sanktionen gegen die islamische Republik binnen 65 Tagen wieder in Kraft treten würden. Außerdem müssen vor einem Aus der Sanktionen noch ein paar letzte Hürden überwunden werden - unter anderem eine Abstimmung im US-Kongress. Das UN-Waffenembargo gegen den Iran wird außerdem weiterhin für die kommenden fünf Jahre aufrechterhalten.

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