Investieren 2016: Anhaltender Boom bei Fonds mit Wechselkurs-Absicherung

Investieren 2016: Anhaltender Boom bei Fonds mit Wechselkurs-Absicherung

Die US-Zinswende zwingt zu neuen Absicherungsstrategien: Neue ETFs drängen auf den Markt. Für Anleger in währungsbesicherten ETFs ist die Bilanz des Jahres 2015 allerdings durchwachsen.

Aktienfonds mit einer Absicherung gegen Wechselkurs-Schwankungen waren im Börsenjahr 2015 die Lieblinge der Anleger: Dank der Aufwertung des Dollars in den vergangenen Monaten sammelten die Anbieter dieser Produkte ein Viertel aller in börsennotierte US-Aktienfonds (ETFs) gesteckten Gelder ein. Daher legen sie im neuen Jahr eine Schippe drauf und bringen 41 neue währungsbesicherte ETFs an den Start.

Für Investoren fällt die Bilanz dagegen gemischt aus: Konnten sie sich die meiste Zeit des Börsenjahres über überdurchschnittliche Kursentwicklungen freuen, machte ihnen die Europäische Zentralbank (EZB) Anfang Dezember einen Strich durch die Rechnung. Mit ihrer für viele Anleger enttäuschend geringen Lockerung der Geldpolitik trieb sie den Kurs des Euro überraschend in die Höhe. Da sich andere Währungen dieser Entwicklung nicht entziehen konnten, sorgte die EZB damit für Verluste bei währungsbesicherten Fonds.

Die Zeiten einfach gestrickter Produkte, bei der der Kauf einer Aktie gleichzeitig eine Wette auf den Kurs der entsprechenden Währung bedeutete, seien daher vorbei, betont Michael Jones, der beim Vermögensverwalter RiverFront die Investitionsentscheidungen verantwortet. Dieser Ansicht sind auch die Fondsanbieter Wisdom Tree und iShares, eine Tochter des Finanzinvestors BlackRock. Sie planen neue Fonds, bei denen die Sicherungsgeschäfte kontinuierlich an den Wechselkurs angepasst werden. Dabei fließen Faktoren wie Leitzinsen, Kaufkraft und aktuelle Kursentwicklungen in die Strategie ein.

DOLLAR-AUFWERTUNG SORGT FÜR MITTELZUFLÜSSE

In den ersten elf Monaten des zu Ende gehenden Jahres flossen dem Datenanbieter FactSet zufolge 47 Milliarden Dollar neu in währungsbesicherte börsennotierte Fonds. Damit liege das Anlagevolumen bei 68,3 Milliarden Dollar. Vor vier Jahren - in den Kindertagen dieser ETF-Gattung - hatten Investoren gerade einmal 418 Millionen Dollar in diesen Produkten angelegt.

Befeuert wurde dieser Boom von der erneuten Aufwertung der US-Währung. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, liegt trotz der Kursverluste der vergangenen drei Wochen immer noch etwa 8,5 Prozent über dem Niveau von Anfang Januar. Damit steuert er auf den dritten Jahresgewinn in Folge zu. Das wäre die längste Serie seit der Jahrtausendwende.

EZB-ENTSCHEID BRINGT ETF-KURSE INS SCHLINGERN

Bis November lief es auch für viele ETF-Anleger gut. Der Europe Hedged Equity Fund des Anbieters Wisdom Tree gewann rund 13 Prozent, während der Aktienindex MSCI Europe Index um drei Prozent sank. Inzwischen bietet sich aber ein anderes Bild: Im Vergleich zu Anfang Januar liegt der Wisdom-Tree-Fonds 6,5 Prozent im Minus, während der MSCI-Index lediglich 4,3 Prozent einbüßte.

Börsianer hatten bis zur EZB-Entscheidung Anfang Dezember damit gerechnet, dass wegen der immer weiter auseinanderklaffenden Zinsschere zwischen den USA und der Euro-Zone die Gemeinschaftswährung weiter abwerten wird. Die US-Notenbank Fed leitete Mitte Dezember wie erwartet die Zinswende ein und wird den Schlüsselsatz 2016 voraussichtlich mehrmals anheben. Ein Ende der EZB-Nullzinspolitik ist dagegen nicht in Sicht.

Auch bei Japan-Anlegern gibt es lange Gesichter. Obwohl die dortige Notenbank ihre Wertpapierkäufe zur Ankurbelung der Konjunktur immer stärker ausweitet, kommt der währungsbesicherte Japan-ETF der Deutschen Bank seit Jahresbeginn nur auf ein Plus von 2,9 Prozent. Der nicht abgesicherte vergleichbare iShares-Fonds legte fast doppelt so stark zu. Aber auch dieser hinkt dem Japan-Index von MSCI, der knapp sechs Prozent zulegte, hinterher.

WÄHRUNGSBESICHERTE ETFS DÄMPFEN VERLUSTE IN SCHWELLENLÄNDERN

Bei Anlagen in Schwellenländern konnte die Wechselkurs-Absicherung Verluste zwar nicht verhindern, den Kursrutsch aber abbremsen. Der iShares Hedged MSCI Emerging Markets-Fonds gab etwa elf Prozent nach. Bei seinem nicht gegen Wechselkurs-Schwankungen abgesicherten Pendant summieren sich die Verluste auf mehr als 17 Prozent. Der entsprechende MSCI-Index büßte seit Jahresbeginn rund 16 Prozent ein.

In den vergangenen Jahren hatten Staaten wie Brasilien, Südafrika oder die Türkei besonders stark von der US-Nullzinspolitik profitiert. Investoren pumpten auf der Suche nach Rendite Milliarden in diese Volkswirtschaften. Mit der Aussicht auf höhere US-Zinsen ziehen sie nun ihr Geld aus diesen als risikoreich geltenden Anlagen ab und setzen die jeweiligen Währungen unter Verkaufsdruck.

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