Zehetner schlägt zurück: Immofinanz will CA Immo übernehmen

Zehetner schlägt zurück: Immofinanz will CA Immo übernehmen

Immofinanz CEO Eduard Zehetner

Vor kurzem selbst noch Übernahmeziel, schlägt die Immofinanz nun zurück. Die Immofinanz-Gruppe legt nun ein erstes Angebot für eine Minderheitsbeteiligung an der CA Immo. Bis zu 29 Prozent sollen vorerst übernommen werden. Das neue Offert sei der erste Schritt. Weitere können seitens der Immofinanz demnächst noch folgen. CA-Immo-Kernaktionär O1 konterte indessen: "Wir sind mit der Performance der CA Immo und mit ihrer Performance an der Wiener Börse sehr zufrieden und haben nicht die Absicht, unsere Anteile zu verkaufen."

Fünf Wochen vor seinem Abgang, zieht Immofinanz-Vorstandschef Eduard Zehetner nochmals sämtlich Register für die Übernahme der CA Immobilien Anlagen AG - kurz CA Immo genannt. Und gleichzeitig stemmt er sich damit gegen die Begehrlichkeiten der CA Immo, die Immofinanz zu schlucken. Seit Mitte Februar 2015 hat die CA Immo zwei Übernahmeangebote gelegt, die Immofinanz zu übernehmen.

Der Vorstand und der Aufsichtsrat der Immofinanz spielen nun den Ball zurück. Sie haben ein öffentliches Teilangebot für den Erwerb einer Minderheitsbeteiligung abgegeben, um bis zu 29 Prozent der CA Immo-Aktien zu übernehmen. 18,50 Euro werden nun für die CA Immo-Papiere geboten.. Auf Grundlage des derzeitigen Grundkapitals der CA Immo entspricht dies bis zu rund 28,7 Mio. Stück Aktien. Doch Immofinanz-CEO Zehetner hat keinen Zweifel daran gelassen, dass dem jetzigen Offert noch weitere folgen werden. "Das ist nun mal der erste Schritt", sagt Zehetner.

Das Angebot ist 530,95 Millionen Euro schwer. Die Immofinanz verfügte per Ende Jänner 2015 über 627,2 Millionen Euro liquide Mittel. Es ist nicht das erste Mal, dass die Immofinanz bei ihrem Konkurrenten einsteigen will. Vor exakt einem Jahr wurde bereits über "eine Fusion" von Immofinanz und CA Immo gesprochen, wie Zehetner heute vor Journalisten nochmals bekräftigte. Der damalige Hauptaktionär UniCredit, mit einem Aktienpaket von 26 Prozent Hauptaktionär, hatte die Anteile jedoch im Herbst an O1 Group mit Stammsitz Zypern und deren russischen Eigentümer Boris Mints verkauft.

CA-Immo: Kein Interesse

Nach Ansicht von CA-Immo-Kernaktionär O1 ist das Angebot der Immofinanz, bis zu 29 Prozent der CA-Immo-Anteile zu übernehmen, allerdings "nicht im Interesse der Immofinanz-Aktionäre". Und auch nicht im Interesse von O1: "Angesichts der Unsicherheit, ob die Immofinanz eine Dividende zahlen kann, und im Lichte der kürzlich bekannt gegebenen enttäuschenden Resultate der Immofinanz, teilen wir als Minderheitsaktionär die Ansicht der CA Immo, dass dieses Angebot eine Abwehrreaktion auf unser Angebot ist, Anteile an der Immofinanz zu erwerben", konterte die O1 Group, "Wir sind mit der Performance der CA Immo und mit ihrer Performance an der Wiener Börse sehr zufrieden und haben nicht die Absicht, unsere Anteile zu verkaufen", sagte Mints. Die Ankündigung der Immofinanz, die Kontrolle über die CA Immo zu erlangen, verstehe man nicht, "da unsere Beteiligung vier Goldene Aktien umfasst, was uns besondere Rechte gegenüber dem Aufsichtsrat einräumt". Die deklarierten Ziele der Immofinanz könnten daher möglicherweise gar nicht umsetzbar sein, heißt es abschließend.

Der Preis, den die Immofinanz nun für das CA Immo-Aktienpaket zahlen will, entspricht dem Kurs, zu dem O1 Group Limited Anfang Oktober 2014 gekauft hat. Die Immofinanz hat gegenüber ihrem eigenen Offert im Herbst nochmals um gut einen Euro nachgebessert. Am vorigen Freitag, dem 20. März 2015, notierten die CA Immo-Papiere an der Wiener Börse bei 17,41 Euro. Seit Oktober ist O1 Hauptaktionär der CA Immo. Mints Zypern-Holding hat das Aktienpaket mit 26 Prozent der Aktien der UniCredit übernommen, die restlichen 74 Prozent der Aktien sind im Streubesitz.

Den erhöhten Preis gegenüber dem Offert im Herbst rechtfertigt Immofinanz-Chef Zehetner mit der Veränderung der Marktgegebenheiten.

Die Aktien der CA Immo sind am Montagvormittag mit deutlichen Kursgewinnen in die Woche gestartet. Die Aktien gewannen bis gegen Mittag um 4,86 Prozent und notierten bei 18,26 Euro. Bis 9.50 Uhr waren die Papiere vom Handel an der Wiener Börse ausgesetzt geblieben.

Die Immofinanz-Papiere notierten gegen Montagmittag um 0,9 Prozent schwächer bei 2,76 Euro.

Das Duell

In einer ersten Reaktion hat die CA Immo das Gegenangebot der Immofinanz im aktuellen Übernahmestreit betont gelassen. "Wir sehen das Angebot der Immofinanz AG als emotionale Reaktion auf das Angebot der CA Immo und werden unser Angebot davon unbeeinflusst kommenden Mittwoch mit einem unveränderten Angebotspreis von 2,80 Euro veröffentlichen", so der CA Immo Vorstand am Montag in einer ersten Reaktion.

"Ich hab's gelesen, werde mich dazu nicht weiter äußern", kommentierte Zehetner die erste Stellungnahme der CA Immo. Und fügte hinzu: "Das klingt schon etwas beleidigt."

Immofinanz CEO Zehetner sieht mit dem aktuellen Teiloffert den ersten Schritt, um beide Unternehmen zusammenzuführen und für beide Unternehmen bedeutende Synergien zu schaffen. Der scheidende Immofinanz-Chef sieht bedeutende Synergie-Effekte im Fall eines gemeinsames Handeln der beiden Unternehmen. Alleine bei den Immobilienportfolios in Deutschland sieht er für beide Unternehmen gemeinsame Einsparungspotenziale in der Höhe eines "zweistelligen Millionenbetrages" bei der Grunderwerbssteuer. Würde man das nicht tun, wäre es eine Geldvernichtung.

Eine Fusion schließt Zehetner "kurz- und mittelfristig aus, weil das Geldvernichtung" wäre. "Was wir auf jeden Fall beabsichtigen, ist die Kontrolle über die CA Immo zu erlangen, um sie voll konsolidieren zu können, und alles andere kommt allenfalls danach", so Zehetner. "Das könnte zunächst ein Beherrschungsvertrag sein, es gibt mehrere Spielarten."

Wichtig sei die Potenziale, "die in der CA Immo schlummern" zu heben. Anteile an der CA Immo habe die Immofinanz zum jetzigen Zeitpunkt noch keine. "Nein. Und das ist wahr", sagt Zehetner auf Anfrage.

Konkrete Vorstellungen zur Fortführung beider Unternehmen hat Zehetner bereits präsentiert. Beide Unternehmen sollten vorläufig getrennt bleiben. Kurzfristig soll die CA Immo auch weiterhin an der Börse notiert bleiben. "In drei bis fünf Jahren" könnte sich Zehetner vorstellen, dass die CA Immo von der Börse genommen werde.

Vom Jäger zum Gejagten

Nachdem sich Spätjahr 2014 die Wiener Immofinanz und die O1 Group mit Stammsitz Zypern und deren russischen Eigentümer Boris Mints ein Duell bei der Übernahme des CA Immo-Anteils lieferten, wurde die Immofinanz im Februar selbst zum Übernahmeziel. Immobilientycoon Mints will mit O1/CA Immo bei der Immofinanz einsteigen. Mit bisher zwei offiziellen Übernahmeangeboten war Mints bei Immofinanz-CEO Zehetner bisher abgeblitzt. Die Gebote wurden von Zehetner als "zu billig" beurteilt und zurückgewiesen.

CA Immo hat zuletzt insgesamt bis zu 420 Millionen Euro für 13,5 Prozent an Immofinanz geboten.

Immofinanz-Aktionär Rudolf Fries - er hält rund 6,5 Prozent der Anteile - hat "nicht die Absicht", sein Aktienpaket zu verkaufen, "besonders nicht zu dem Preis" von 2,80 Euro je Anteilsschein, den CA Immo und O1 Group geboten haben. Das bekräftigte Fries erst am Freitag voriger Woche in einem Telefoninterview mit der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg. Über 90 Prozent der Immofinanz-Aktien befinden sich in Streubesitz.

Die nächste Auseinandersetzung der beiden Unternehmen scheint vorprogrammiert. Sollte die Immofinanz 29 Prozent der Aktien an der CA Immo übernehmen, Hauptaktionär Mints weiterhin mit 26 Prozent investiert bleiben, könnte eine Patt-Situation entstehen. "Wir haben Gesprächsangebote ausgesendet, diese wurden bisher nicht erwidert", sagt Zehetner.

CA Immo und Immofinanz würden sich gut ergänzen. "Die CA Immo ist deutlich schwergewichtiger in Österreich und Deutschland und wir in Osteuropa; sie ist eventuell etwas weniger risikobehaftet - siehe unser Russland-Engagement", räumte Zehetner ein. Allerdings habe die Immofinanz in Russland auch auf Wohnungsprojekte gesetzt, "was sich in Krisenzeiten bewährt", so Zehetner.

Der Börsenwert der Immofinanz liegt bei etwa 3,1 Mrd. Euro, ist also knapp doppelt so hoch wie jene der CA Immo von rund 1,7 Mrd. Euro vor dem Immofinanz-Offert. Mit dem heutigen Kurszuwachs ist der der Börsenwert auf knapp 1,8 Mrd. Euro gestiegen.

„Wir haben bereits im Vorjahr anlässlich des UniCredit-Ausstiegs bei der CA Immo unser Interesse am kleineren Mitbewerber artikuliert, und ich kann die damals geäußerten Argumente nur wiederholen: Die CA Immo passt hinsichtlich Kernländer und Assetklassen sehr gut zu uns, auch können wir aufgrund unserer langjährigen Erfahrung in Zentral- und Osteuropa das Management bei seinem angepeilten Kurs hinsichtlich der weiteren Expansion in diesen Ländern unterstützen“, sagt Immofinanz CEO Eduard Zehetner.

„Darüber hinaus ermöglicht unser Angebot jenen Aktionären – unter Berücksichtigung der verhältnismäßigen Zuteilung gemäß Übernahmegesetz –, die beim Teilangebot der O1 nicht zum Zug kamen, ihre Aktien ebenfalls zu 18,50 Euro zu verkaufen. Das Gleiche gilt für O1 selbst. Die durch einen Verkauf aufgrund dieses Angebots frei werdenden Mittel könnten dann für eine Investition in die Immofinanz genutzt werden.“

Im Juli 2014 hatte die Immofinanz allerdings noch eine Beteiligung von 16,8 Prozent erwogen. Der Rivale sei in den gleichen Ländern und Geschäftsbereichen unterwegs und wäre eine gute Ergänzung des Immofinanz-Portfolios, erklärte Zehetner damals.

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