Höhenflug des Dax: Wie lange geht das noch gut?

Höhenflug des Dax: Wie lange geht das noch gut?

Die Bullen haben an den Börsen derzeit das Sagen.

Das Geld ist dank EZB-Politik billig, konservative Anlageformen werfen aber fast keine Renditen mehr ab. Das treibt Anleger an die Börsen, der Dax eilt von einem Rekord zum nächsten. Und es ist noch lange nicht vorbei, sagen Experten.

Der vom ultrabilligen Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) getriebene Dax-Rekordlauf bringt Anleger ins Schwitzen: Viele fragen sich inzwischen, ob deutsche Aktien im Vergleich zu Papieren aus dem übrigen Europa oder den USA zu teuer sind und der Markt heiß läuft. Doch renditeträchtige Anlagealternativen zu Aktien gibt es bei einem Leitzins nahe Null eigentlich nicht, da die Geldschwemme der EZB auf dem Euro genauso lastet wie auf den Anleiherenditen. Folglich erobern Aktienbaromter wie der deutsche Leitindex eine Bestmarke nach der anderen, weil sich hier noch Geld verdienen lässt.

Vergangene Woche sprang der Dax erstmals über 11.500 Punkte. Seit Neujahr kletterte er um 16 Prozent. Luft nach oben gibt es trotzdem noch, meinen Börsenstrategen. Schließlich hat die EZB erst zum Wochenstart damit begonnen, wie versprochen mehr als eine Billion Euro in die Anleihemärkte zu pumpen. Geld ist also da - im Überfluss. Allerdings hinken die Gewinne der Unternehmen den Erwartungen der Investoren und ihren Hoffnungen hinterher. Doch genau die sind es, die an der Börse gehandelt werden.

KGV ADIEU?

"Die Frage, ob der Dax über 11.000 Zählern fair bewertet ist, stellt sich nicht", sagt Sarah Brylewski vom Broker Ayondo. Stattdessen regiert der Herdentrieb die Investoren. Angesichts der auf absehbare Zeit extremst niedrigen Leitzinsen der großen Notenbanken lasse sich das Gros der Anleger von immer neuen Rekorden und Dividenden an den Markt locken. Altbewährter Kennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), spielen kaum mehr eine Rolle.

Für das KGV setzen Analysten die Gewinne der Unternehmen mit dem Index-Kurs ins Verhältnis. Je niedriger das KGV, desto günstiger ist die Aktie. So gesehen hat der Dax noch gehörig Luft nach oben. Nach Reuters-Daten liegt sein KGV derzeit bei 15,8. Mit anderen Worten: der Kurs der 30 im deutschen Leitindex gelisteten Unternehmens-Papiere übertrifft den Gewinn je Aktie um das 15,8-fache. Das ist knapp über dem langjährigen Mittel von 14,8. Zum Vergleich: In Zeiten der Internet-Blase zur Jahrtausendwende lag das KGV etwa doppelt so hoch.

"BILLIGER" DAX

Auch im Vergleich zu anderen europäischen Indizes scheinen die Bewertungen für Dax-Papiere aktuell nicht zu hoch. Das KGV des europäischen Bluechip-Index EuroStoxx50 etwa liegt schon bei rund 17,5. Die Börsenbarometer aus Frankreich, Schweiz oder Italien rangieren zwischen 19 und 19,5 und an der Börse London, dem wichtigsten Handelsplatz in Europa, hat der FTSE ein KGV von 20,3. Das KGV des ATX liegt mit 15,34 in etwa in der Region des DAX.

Auch an der New Yorker Wall Street laufen die Aktienkurse den Unternehmensgewinnen davon. Beim US-Standardwerteindex Dow Jones liegt das KGV bei 17,2 und beim breit gefassten S&P 500 sogar bei 19,5. Für Nadia Grant, Fondsmanagerin bei Threadneedle, ist das allerdings kein Grund zur Panik: "Da die USA der weltweit einzige Wachstumsmotor sind und es sich um einen soliden Aufschwung handelt, sind US-Aktien im Verhältnis zu anderen Märkten, attraktiv bewertet."

"Die Dividende ist der neue Zins"

Börsianer schließen in Zeiten der globalen Geldschwemme der Zentralbanken nicht aus, dass traditionelle Kennziffern der Aktienhändler und Broker wie das KGV an Bedeutung verlieren werden. "Sollte die Notenbankpolitik mit künstlich tiefen Zinsen auf Jahre hinaus beibehalten werden, ist eine Anpassung der alten Bewertungsmodelle denkbar", sagt Ingo Schweitzer von der Vermögensbetreuung AnCeKa. Investoren könnten Aktien künftig also höhere KGVs zubilligt als in der Vergangenheit. Neu ist zudem, dass die Anleger mehr und mehr auf Dividendenrenditen schauen, die deutlich höher sind als die Zinsen, die es am Kapitalmarkt zu holen gibt. "Die Dividende ist der neue Zins", sagt Vermögensverwalter Jürgen Rößle von JRS Finanzmandate.

"Dass Euro-Aktien derzeit eine Dividendenrendite von rund drei Prozent bieten und damit klar über der Verzinsung von Staatsanleihen liegen, hilft nur ausgesprochen langfristig orientierten Anlegern", mahnt dagegen Helaba-Stratege Markus Reinwand. Schließlich schwankten die Kurse von Aktien wesentlich stärker als bei Bonds, was das Risiko erhöht. Hinzu kommt, dass einige Aktien inzwischen tatsächlich teuer sind. So beträgt das KGV der ThyssenKrupp -Aktie etwa 40,7, bei Merck, Beiersdorf, Bayer und der Deutsche Telekom liegt es jeweils über 30.

Hinzu kommt ein Faktor, der zwar deutsche Investoren nicht betrifft, Österreicher aber hart treffen könnte: Im Zuge der aktuellen Debatte um die Steuerreform hat die SPÖ den Vorschlag auf den Tisch gebracht, eine höhere Kest auf Dividenden einzuheben. Die Renditen wären dann zwar höher, wenn man das Geld in Aktien steckt - am meisten würde sich aber Vater Staat freuen.

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