Zehntausende Kündigungen und eine Aufspaltung: HP-Aktie unter der Lupe

Der Computerkonzern HP zieht die Konsequenz aus dem schwachen PC-Geschäft: Er wird sich am 1. November in zwei Geschäftsbereiche - für das Geschäft mit PC und Druckern und für Business-Dienstleistungen - aufspalten. Die Umstrukturierung wird weiteren 30.000 Mitarbeitern den Job kosten. Eine Analyse.

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Der Siegeszug der Smartphones und Tablet-PCs, getrieben durch Apples iPhones und iPads, fordert seine Opfer: Der US-Konzern Hewlett-Packard (HP) ist zwar immer noch der zweitgrößte PC-Anbieter der Welt nach dem chinesischen Konzern Lenovo, doch die Geschäfte laufen schlecht. Ein erneut enttäuschender PC-Absatz sowie eine schwächere Nachfrage von Firmenkunden nach seinen Dienstleistungen setzten HP zuletzt zu. Im dritten Geschäftsquartal zu Ende Juli ging der Absatz von PC und Druckern um 11,5 Prozent zurück. Der Umsatz fiel um 8 Prozent auf knapp 25,4 Mrd. Dollar. Damit gingen die Erlöse in 15 von 16 Quartalen zurück. Die Earnings per Share (EPS) sanken innerhalb eines Jahres von 0,52 Dollar auf 0,47 Dollar. Geschäftsführerin Meg Whitman ist daher gezwungen, das Unternehmen neu zu strukturieren - und das kostet viele Menschen den Job.

HP spaltet sich zum 1. November auf. Das Computer- und Druckergeschäft soll in einer neuen Gesellschaft gebündelt werden - getrennt von den zukunftsträchtigeren Bereichen mit Computerservern und Datenspeichern für Firmen sowie den sonstigen Dienstleistungen. Beide Geschäftsteile sollen an der Börse notiert werden. Im Zuge der Aufspaltung wird HP 25.000 bis 30.000 weitere Arbeitsplätze streichen. Die Jobs sollen vor allem im Geschäft mit Unternehmen wegfallen.

Investitionen und M&As

Durch die Kündigungen sollen Kosten in Höhe von 2,7 Milliarden Dollar eingespart werden. Der Schritt werde dem Unternehmen zufolge zu einer Sonderbelastung von ebenfalls rund 2,7 Milliarden Dollar führen, die ab dem vierten Quartal anfallen werde. HPs CFO Tim Stonesifer gibt sich nun äußerst optimistisch für das kommende Jahr: In einem Meeting mit Analysten spricht er von EPS zwischen 1,85 und 1,95 Dollar je Aktie. Bei dieser Gelegenheit erwähnte er auch, dass er strategische Partnerschaften, Investitionen und M&As in Betracht ziehe, "wenn die Umstände dafür stimmen".

Es ist nicht die einzige Kündigungswelle bei HP. Der Konzern ist gerade dabei, einen 2012 eingeleiteten Abbau von 55.000 Arbeitsplätzen abzuschließen. In Summe wird die Restrukturierung des Unternehmens also rund 80.000 Mitarbeitern den Arbeitsplatz kosten. Zum 31. Oktober vergangenen Jahres, dem Ende des Geschäftsjahres 2013/14, hatte HP noch 302.000 Mitarbeiter.

Aktie verlor heuer ein Drittel an Wert

Nachbörslich gab die Hewlett-Packard-Aktie 2,3 Prozent nach, nachdem sie zu Börseschluss bei 27,11 Dollar gelegen war. Seit Jahresbeginn hat die Aktie somit rund ein Drittel an Wert verloren. An der Börse ist HP nun 48,7 Milliarden Dollar wert.

Die HP-Aktie im Verlauf eines Jahres. Zum Vergleich: Apple, das wertvollste Unternehmen der Welt.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt inzwischen bei 8,5 - das ist für ein Tech-Unternehmen sehr niedrig. Die Analysten sind äußerst positiv gestimmt in Hinblick auf die Aktie. Am 16. Juni setzte JP Morgan den Zielkurs auf 31 Dollar, Morgan Stanley gar auf 40 Dollar. Im Konsens sprechen sich die bei Bloomberg gelisteten Analysten mit einem Rating von 4,14 dafür aus, die Aktie zu kaufen (1=starker Sell; 5=starker Buy).

Empfehlungen der Analysten
Bewertung Wert
Buys 21
Holds 13
Sells 1
Konsensrating 4,14
12-M. Zielkurs 37,14
Ertragspotential 37,0%
Quelle: Bloomberg

Für die kommenden Jahre erwartet das Unternehmen, dass die Umsätze mit Cloud Computing um 20 Prozent pro Jahr wachsen. Das würde nach der Aufspaltung vor allem den B2B-Geschäftsbereich mit Datenspeichern beflügeln, der schon heute einen großen Teil des Geschäfts ausmacht: Im Jahr 2014 steuerte die Sparte "Technology Solutions" 54,1 Milliarden Dollar zum Erlös bei, während der Bereich "Personal Systems" auf nur 34,3 Milliarden Dollar kam, das Drucker- und Imaging-Geschäft auf nur 23 Milliarden Dollar. Das US-Satiremedium "The Onion" hatte sich Jahre zuvor über die verspäteten Cloud-Ambitionen von HP lustig gemacht (Video).

Auf der anderen Seite ist der PC-Markt ein regelrechtes Sorgenkind - nicht nur für die Branche allgemein, sondern auch für HP im Speziellen. Denn der einstige Marktführer musste die Krone inzwischen an Lenovo abgeben - die einstige PC-Sparte von IBM wurde 2005 verkauft und richtet sich an B2B-Kunden, die nicht so stark auf den Tablet-Zug aufgesprungen sind wie private Nutzer. Vom zweiten Quartal 2014 auf das zweite Quartal 2015 ist HPs Absatz im PC-Geschäft um über zehn Prozent eingebrochen, wodurch Whitman Gefahr läuft, den zweiten Platz im Ranking an den Konkurrenten Dell zu verlieren. Apple konnte seine Position um 16 Prozent verbesseren und liegt nun auf Platz 4 - vor Acer, welche ebenfalls das Privatkundengeschäft nicht aus dem Auge lassen wollen und dies mit Einbußen von knapp 27 Prozent bezahlen.

Anbieter 2Q15 Absatz 2Q15 Marktanteil 2Q14 Absatz 2Q14 Marktanteil Änderung 2Q14/2Q15
Lenovo 13,444 20.3% 14,535 19.4% -7.5%
HP 12,253 18.5% 13,675 18.2% -10.4%
Dell 9,560 14.5% 10,466 14.0% -8.7%
Apple 5,136 7.8% 4,423 5.9% 16.1%
Acer 4,334 6.6% 5,932 7.9% -26.9%
ASUS 4,330 6.5% 4,693 6.3% -7.7%
Quelle: IDC Angaben in Millionen Stück

Fazit

Meg Whitmans Restrukturierungskurs macht Hoffnung für die Aktionäre und für jene Mitarbeiter, die im Unternehmen verbleiben. Die Aktie ist derzeit sehr günstig; für den Personalabbau fallen einmalig Kosten an, die sich später mit geringeren laufenden Personalausgaben bewähren - die Analysten haben also guten Grund, für die Aktie eine Kaufempfehlung auszusprechen. Allerdings sind HPs Probleme branchenimmanent: Der Siegeszug der Smartphones und Tablet-PCs im B2C-Segment ist nicht mehr aufzuhalten, was gerade jene Anbieter trifft, die noch immer Privatkunden umgarnen. IBM hat dies inzwischen verstanden und seine PC-Sparte 2005 verkauft - die Aktie erfreute Anleger seitdem mit einem jahrelangen Aufwärtstrend, bevor es ab 2013 wieder bergab ging. Lenovo selbst punktet damit, sich als verlässlicher Partner von Unternehmen zu präsentieren - und selbst aus den modernsten Büros werden Laptops und PCs auch in den kommenden Jahren als Arbetsmaschinen nicht verschwinden.

Eine lohnenende Beigabe für das Portfolio ist die Aktie auf Grund ihres niedrigen Preises also allemal. Investoren sollten aber vor allem im Auge behalten, wie sich das Unternehmen künftig positioniert und welche Partnerschaften künftig eingegangen werden. Wer weiß: Vielleicht ist die Aufspaltung des Unternehmens auch die Vorbereitung auf den Verkauf der PC- und Druckergeschäfte an einen finanzstarken Investor. Dann könnte sich HP, so wie IBM, auf zahlungskräftige Business-Kunden fokussieren und ähnliche Höhenflüge erleben.