Griechenlands "endgültige Lösung" bringt Brüssel und Börsen in Schwung

Griechenlands "endgültige Lösung" bringt Brüssel und Börsen in Schwung
Griechenlands "endgültige Lösung" bringt Brüssel und Börsen in Schwung

Der Vorschlag des griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras kurbelt die Börsen an.

Der Vorschlag des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras für eine endgültige Lösung der griechischen Schuldenkrise sorgt für Erleichterung in Europa. Die Börsen haben vor dem nun anstehenden Verhandlungsmarathon der Euro-Partner zu einem Höhenflug angesetzt.

Mit dem Vorschlag zu einer "endgültigen Lösung" zum Schuldendilemma hat die griechische Regierung für Bewegung gesorgt - in der europäischen Politik ebenso wie an den Börsen. In der Nacht von Sonntag auf Montag hat die EU-Kommission die Vorschläge als "gute Grundlage bezeichnet", nun steht ein Meeting-Marathon auf dem Programm: Am Sonntag telefonierte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker; am Montag spricht er mit Vertretern der Gläubigerinstitutionen. In Brüssel kommen am Montagmittag die Euro-Finanzminister, am Abend dann die Staats- und Regierungschefs zusammen.

Es wird erwartet, dann sich das wichtige Treffen bis tief in die Nacht zieht. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker verkündete am Montagvormittag, er wisse nicht, ob man sich heute überhaupt mit Griechenland einigen werde.

Börsen heben ab

An Europas Börsen regiert indes der Optimismus: Der Euro-Stoxx-50 stand gegen 12 Uhr mit plus 3,14 Prozent 3.566,24 Einheiten. Der DAX in Frankfurt gewann 3,26 Prozent auf 11.400,06 Punkte. In London zeigte sich der FTSE-100 mit plus 1,30 Prozent 6.798,25 Punkte. Der ATX wurde um 12.00 Uhr mit 2.474,51 Punkten errechnet, das ist ein Plus von 43,49 Punkten bzw. 1,79 Prozent. Auch die Börsen in Spanien und Italien legten über zwei Prozent zu.

Alexis Tsipras bringt den DAX in Schwung

Sogar im fernen Osten zeigte der Hellas-Effekt Wirkung: Der Nikkei-225 Index in Tokio stieg um 253,95 Zähler oder 1,26 Prozent auf 20.428,19 Punkte. Der Hang Seng Index in Hongkong gewann 320,32 Zähler (plus 1,20 Prozent) auf 27.080,85 Einheiten. Besonders beachtlich war aber die Performance in Griechenland selbst: Der Aktienmarkt in Athen legte bis 12 Uhr um 8,08 Prozent zu. Die griechischen Bankenwerte lagen zwischen 12 und 23 Prozent im Plus. Der stärkste Wert war die Alphabank mit 23,3 Prozent Plus.

Der Euro war um 12:42 1,04 Schweizer Franken (Aktueller Wechselkurs EUR/CHF) wert, beziehungsweise 1,13 Dollar - ein Minus von 0,17 Prozent gegenüber Freitag (Aktueller Wechselkurs EUR/USD) .

Die Uhr tickt immer lauter

Für die griechische Regierung und die Eurozone tickt die Uhr diese Woche besonders laut: Denn ohne Fortschritte droht Griechenland Ende Juni der Staatsbankrott, was zum Euro-Ausstieg führen könnte. Wegen anhaltender Unsicherheit heben immer mehr Griechen ihr Geld von den Banken ab. Insidern zufolge sollen die griechischen Institute allein in der vergangenen Woche etwa 4,2 Milliarden Euro verloren haben.

Die bisherigen Kontrollen der "Troika" sah man in Hellas bisher als Demütigung; die auferlegten Sparprogramme als eine Behinderung des Wachstums. Giorgos Chondros von der griechischen Regierungspartei Syriza machte etwa am Sonntag in der ORF-Sendung "Im Zentrum" vor allem die Sparvorgaben der Geldgeber Griechenlands für die Verschlechterung der Schuldensituation verantwortlich: "Bis heute hat Griechenland alle Tranchen pünktlich und in vollem Ausmaß zurückbezahlt", sagt Chondros. Die "Therapie" der Gläubiger habe jedoch dazu geführt, dass die Staatsverschuldung von 120 auf 180 Prozent des BIP gestiegen sei, weil die Wirtschaftsleistung dramatisch gesunken sei.

Demonstrationen in Athen: "Nein zum Euro"

Finanzminister Yanis Varoufakis wandte sich in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) direkt an Merkel: "Die deutsche Kanzlerin steht am Montag vor einer entscheidenden Wahl". Sie könne "eine ehrenvolle Einigung" mit einer Regierung erzielen, die "eine Verhandlungslösung anstrebt", oder "die einzige griechische Regierung über Bord" werfen, "die prinzipientreu ist".

Die griechische Regierung hat das Volk hinter sich, welches am Sonntag in Athen protestierte: Rund 7000 Menschen fanden sich vor dem Parlament ein, um der linken Regierung ihre Unterstützung auszusprechen und gegen weitere Einsparungen zu protestieren. Die Menschen sangen, schwenkten griechische Flaggen und Transparente mit Aufschriften wie "Nein zum Euro", "Das Volk lässt sich nicht erpressen" und "Das Land steht nicht zum Ausverkauf". "Sie wollen uns demütigen", sagte der 65-jährige frühere Lehrer Yiota Kananakari an die Adresse der Gläubiger. "Warum bestehen sie sonst auf all den Maßnahmen? Wir werden das nicht länger hinnehmen." In mehreren europäischen Städten gab es Solidaritäts-Kundgebungen, darunter in Brüssel, wo rund 3.500 Menschen auf die Straße gingen.

Die griechischen Pläne im Detail

Genaue Details zu den griechischen Vorschlägen sind der Öffentlichkeit nicht bekannt. Laut dem griechischen Wirtschaftsportal "Capital" hat Tsipras aber ein "schweres Sparpaket nach Brüssel mitgenommen", das in den kommenden eineinhalb Jahren fünf Milliarden Euro einbringen soll. Unter anderem solle der Mehrwertsteuersatz für Grundnahrungsmittel wie Reis und Nudeln von 13 auf 23 Prozent erhöht werden. Die Mehrwertsteuer im Hotelgewerbe solle von 6,5 auf 13 Prozent verdoppelt werden. Zudem sollen die Mehrwertsteuern in Tavernen, Restaurants und Cafés von 13 auf 23 Prozent steigen.

Neu eingeführt werden solle eine Sondersteuer auf Einkommen von 30.000 Euro jährlich, die von ein Prozent stufenweise bis sieben Prozent steigen könnte. Unternehmen, die 2014 mehr als 500.000 Euro Gewinne hatten, sollen bis zu sieben Prozent Sonder-Gewinnsteuer zahlen.

Bleiben solle eine Immobiliensteuer, die die linke Regierung eigentlich abschaffen wollte. Allein diese Maßnahme soll gut 2,6 Mrd. Euro in die Kassen spülen. Inhaber von Jachten, Luxusautos und Schwimmbäder müssten noch tiefer in die Tasche greifen. eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Elektrizität lehnt Tsipras ab.

Frührenten werden abgeschafft

Ein Knackpunkt waren stets die Renten; die Regierung wollte bisher vor allem die ärmeren Schichten der Bevölkerung schonen - doch auch an diesem Rädchen soll laut capital.de nun gedreht werden: Die meisten Frührenten sollen - entsprechend der Forderung der Geldgeber - nach dem Tsipras-Angebot abgeschafft werden. Außerdem sollen die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge für die Renten- und Krankenkassen um zwei Prozent erhöht werden.

Als Gegenleistung fordere Athen unter anderem eine Umschichtung seiner Schulden, berichtet die griechische Finanzpresse. Zudem solle es ein umfangreiches Investitionsprogramm geben, damit die griechische Wirtschaft wieder wachse.

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