Griechenland lässt Börsen abstürzen: Schwarzer Montag auch in Wien

Unternehmen, wie die UniCredit stehen unter Verdacht

Unternehmen, wie die UniCredit stehen unter Verdacht

Vor allem Aktien der Banken mussten am Montagvormittag herbe Verluste hinnehmen; die Papiere der Unicredit - Mutter der Bank Austria - wurden gar vom Handel ausgesetzt. Der heimische Leitindex Atx verlor bis kurz vor 13 Uhr 3,28 Prozent.

Die Ratlosigkeit über die aktuelle Lage in der griechischen Schuldenkrise hat an den europäischen Börsen am Montagvormittag für deutliche Kursverluste gesorgt; alle großen Börsen des Kontinents lagen klar im Minus. Der EuroStoxx gab bis 9:20 Uhr um 3,85 Prozent auf 3481,97 Punkte nach, der FTSE100 um 2,26 Prozent auf 6601,04 Punkte und der Dax um 4,35 Prozent auf 10.993,00 Punkte – für die Deutschen ist das der größte Kursrutsch seit dreieinhalb Jahren. Der Schweizer SMI fiel zur Eröffnung um drei Prozent.

Noch stärker als an den großen europäischen Börsen war aber der Verlust im Wiener Leitindex Atx; hierzulande gab es ein Minus von 4,98 Prozent. Die Börse in Athen bleibt heute, so wie die griechischen Banken, geschlossen; in einer Nacht-und-Nebel-Aktion um 3 Uhr morgens hatte die griechische Regierung Kapitalkontrollen verhängt, Banken und die Börse sollen bis 6. Juli geschlossen bleiben.

Banken als größte Verlierer

Die größten Verlierer in Wien waren am Vormittag nach dem ereignisreichen Wochenende die Banken: RBI war mit einem Minus von 14,41 Prozent um 9:20 Uhr der größte Verlierer im Atx, gefolgt von Erste Group mit -6,80 Prozent. Ein ähnliches Bild ergibt sich an der Frankfurter Börse: Die Commerzbank lag 7,03 Prozent im Minus, die Deutsche Bank 5,97 Prozent. Die Aktien der italienischen Geldhäuser Unicredit und Intesa Sanpaolo tendierten ebenfalls mehr als fünf Prozent im Minus - die Aktien der Unicredit und Intesa wurden wegen herber Kursverluste vom Handel ausgesetzt.

In Spanien verbuchten die Titel von Santander einen Verlust von über sechs Prozent. Die Aktien der französischen BNP Paribas und der Societe Generale gaben etwa fünf Prozent ab. "Die Entwicklungen an diesem Wochenende haben die Risiken für griechische Banken erheblich erhöht", sagte Citi-Analyst Ronit Ghose zur Entwicklung der Banken-Aktien: Investoren befürchten, dass die Turbulenzen in Griechenland auf andere Länder und Banken der Euro-Zone übergreifen.

Euro: Ein Schritt weiter in Richtung Parität

Bei der Gemeinschaftswährung der Union, dem Euro, gab es hingegen nach einem anfänglichen Absturz von 1,5 Prozent wieder eine leichte Erholung: Gegenüber dem Dollar verlor der Euro bis 9:20 Uhr 0,82 Prozent auf 1,1075; gegenüber dem Schweizer Franken gab es ein Minus von 0,28 Prozent auf 1,04019. Am Freitag hatte die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar 0,34 Prozent verloren, gegenüber dem Schweizer Franken hatte es ein Minus von 0,62 Prozent gegeben.

Das Brüsseler Beben war sogar an den asiatischen Börsen zu spüren: Der MSCI Asia Pacific Index verlor in Hongkong 1,4 Prozent, was den größten Verlust seit 30. April markiert. Der Nikkei verlor 2,88 Prozent, der Hang Seng um 3,19 Prozent.

Börsen stabilisieren sich wieder

Kurz vor 13 Uhr wurden die Verluste der Börsen wieder eingegrenzt: Der Atx lag um 12:48 Uhr vormittags bei 2.427,33 Punkten (-3,28 Prozent); die Verluste von RBI und Erste Group reduzierten sich auf -6,21 Prozent, beziehungsweise -4,66 Prozent. Der Dax rutschte mit einem Minus von -3,51 Prozent wieder knapp über 11.000 Punkte, das Minus der EuroStoxx50 lag um 12:48 Uhr bei -3,91 Prozent.

Trotz der Einbrüche in den ersten Handelsstunden an den europäischen Börsen sieht der Präsident des deutschen Handelsverbandes BGA, Anton Börner, wenig Grund zur Sorge. Er habe an den Börsen Rückgänge bis zu 15 Prozent befürchtet, sagt er zu Reuters: "Ein Chaos sieht anders aus". Ebenso gelassen gibt sich Raiffeisen-Zentralbank-Chef Walter Rothensteiner: Eine Ansteckungsgefahr für die eigenen Institute sieht er nicht, auch die Osteuropabanken der Raiffeisen haben laut Rothensteiner "keine wirklichen Griechenland-Exposures". Den großen Kursverlust der RBI-Aktie von knapp 14 Prozent zu Tagesbeginn könne er sich nicht erklären, sagt Rothensteiner, der zugleich Aufsichtsratschef der RBI ist: "Kann sein, dass einer am falschen Knopf gedrückt hat. Das ist momentan undurchschaubar".

Börse

Schwache Dividendenrendite bei Österreichs Börsecompanys

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt