Starker Euro rettet SAP-Bilanz - Aktie auf Allzeit-Hoch

Starker Euro rettet SAP-Bilanz - Aktie auf Allzeit-Hoch

SAP-Chef Bill McDermott: "Wir sind ein Wachstumsunternehmen"

Neue Geschäftsbereiche bringen Europas größtem Software-Haus zwar mehr Umsatz, generieren aber auch höhere Kosten - unter anderem durch die Versetzung oder Kündigung von rund 2000 Mitarbeitern, deren Funktion im Unternehmen nun nicht mehr benötigt wird. Die Börse jubelt trotzdem, SAP ist heute DAX-Spitzenreiter - und springt aufs Allzeit-Hoch.

„Software as a Service“ – dieser Anglizismus, abgekürzt mit den Buchstaben „SaaS“, wird von IT-Konzernen als Wunderwaffe gesehen, um Kunden langfristig zu binden und wiederkehrende Umsätze zu generieren. Der Kunde kauft die Software nicht mehr, sondern mietet sie gegen eine Gebühr beim Anbieter. Neben diversen US-Konzernen stellt auch der deutsche Business-Software-Riese SAP (ISIN: DE0007164600) sein Geschäftsmodell um; mit Hilfe von Software, die auf Servern liegt – dem vielzitierten „Cloud Computing“ – wollen die Walldorfer wieder an Fahrt gewinnen.

Der Plan geht auf, wie die aktuelle Quartalsbilanz des Softwarehauses zeigt: Der Umsatz mit Cloud-Software war mit 509 Millionen Euro im ersten Quartal mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahresquartal – während das noch immer größere Geschäft mit traditionellen Software-Lizenzen nur um fünf Prozent wuchs. Insgesamt erhöhte sich der Umsatz bei Europas größtem Softwareunternehmen im ersten Quartal stärker als erwartet um ein Fünftel auf 4,5 Milliarden Euro – dies liegt aber auch am schwachen Euro: Ohne Wechselkurseffekte wäre bloß ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal in den Büchern gestanden (Link: Investor Relations von SAP).

Gewinn ist abhängig von Euro-Schwäche

Weniger rosig sieht auch der operative Gewinn aus, wenn man den Wechselkurs aus der Rechnung eliminiert: Denn zwar stieg das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis von Jänner bis März gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf 1,056 Milliarden Euro - währungsbereinigt entsprach dies aber einem Rückgang um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das liegt unter anderem an dem sprunghaften Anstieg der Kosten, die SAP für den Umbau des Unternehmens hin zum Cloud-Geschäft aufwenden muss.

"Wir sind ein Wachstumsunternehmen", betonte SAP-Chef Bill McDermott. Die steigenden Kosten drückten zunächst den Gewinn, der mit der Zeit aber wieder anziehen werde. SAP hatte zu Jahresbeginn sein mittelfristiges Gewinnziel von 35 Prozent Umsatzrendite gekappt und kein Margenziel mehr genannt. Nach dem Wachstumsplan würde die Rendite aber bei den zuletzt erreichten 32 Prozent verharren. Im ersten Quartal sank sie bereinigt um zweieinhalb Prozentpunkte auf 23,5 Prozent.

Umbau kostet Geld

Es liegt in der Natur der Abomodelle, dass sich die Gewinne über einen längeren Zeitraum verteilen, während die höchsten Kosten für den Anbieter in der Anfangsperiode anfallen. Hinzu kommt, dass die Deutschen beim Personal umbauen: Heuer werden erneut etwa 2000 der insgesamt 74.500 Mitarbeiter auf andere Stellen versetzt oder müssen ihren Hut nehmen. Mitarbeitern im ganzen Unternehmen, die Jahrgang 1960 oder älter sind, wird eine Abfindung angeboten. Durch den Umbau werden alte Jobs überflüssig, hieß es zuletzt in den Medien – zum Ende des Jahres will der Konzern jedoch mehr Mitarbeiter haben als im Vorjahr. Für den Personalumbau rechnet Finanzchef Luka Mucic mit Restrukturierungskosten von 150 bis 250 Millionen Euro, wobei 50 Millionen Euro im ersten Quartal anfielen.

Schon Anfang März war bekannt geworden, dass SAP bis 2018 seine Vertretungen in Raunheim, Mörfelden-Walldorf, Bensheim und Darmstadt schließen will; am Tag vor der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse verkündeten die Deutschen zusätzlich, man wolle die südhessischen Standorte an einem neuen Ort im Großraum Frankfurt bündeln.

Aktie steigt

Der Gewinn fiel so aus wie von Analysten erwartet, der Umsatz übertraf die Erwartungen sogar noch – und das gefällt den Aktionären: Bis 12 Uhr mittags führte die SAP-Aktie mit einem Plus von 3,13 Prozent auf 69,35 Euro den deutschen Leitindex Dax an. Im Lauf eines Jahres ist die Aktie somit nach aktuellem Stand um 20,11 Prozent gestiegen und notiert nun bei ihrem Allzeithoch. An der Börse ist SAP nun 85,2 Milliarden Euro wert, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 25,31.

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