Gewinnwarnung und Kursgemetzel bei Gerry Weber

Gewinnwarnung und Kursgemetzel bei Gerry Weber

Die gekippten Gesamtjahresziele sorgen für einen Kursrutsch beim Modehaus Gerry Weber. Die Aktien haben bereits im Frankfurter Späthandel sieben Prozent verloren und sind am Mittwoch um weitere 30 Prozent abgerutscht. Im Sog von Gerry Weber ist auch das Papier von Tom Taylor abgerutscht. Konkurrent Inditex (Zara) profitiert davon.

Der lange erfolgsverwöhnte Modekonzern Gerry Weber hat seine Anleger mit einer Gewinnwarnung schockiert. Die im Nebenwerteindex MDax notierten Aktien des im westfälischen Halle ansässigen Unternehmens brachen am Mittwoch um 30 Prozent auf 20,67 Euro ein, den niedrigsten Kurs seit dreieinhalb Jahren. Auslöser der Verkaufswelle waren die zuvor von Vorstandschef Ralf Weber einkassierten Jahresziele. Der erst seit wenigen Monaten auf dem Chefsessel sitzende Sohn von Firmengründer Gerhard Weber erwartet nun für das Geschäftsjahr 2014/15 einen Gewinneinbruch statt eines leichten Ergebnisanstiegs. Als Begründung nannte Weber neben hohen Expansionskosten ungünstige Wetterbedingungen sowie anhaltende Rabattschlachten.

Er kündigte für das seit November laufende Bilanzjahr 2014/15 einen Rückgang des operativen Ergebnisses (Ebit) um 20 bis 25 Prozent an nach 108,9 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz soll dank der Übernahme des Konkurrenten Hallhuber dagegen um einen hohen einstelligen Prozentbereich steigen. Das wären im besten Fall knapp 940 Millionen Euro - bislang hatte Gerry Weber aber einen Gesamtumsatz von mindestens 970 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Weber erklärte, im ersten Halbjahr hätten kräftige Preisnachlässe auf die aktuellen Damenkollektionen sowie Kosten für die Expansion belastet. Das Ebit sank um gut ein Viertel auf 36,2 Millionen Euro. Der Umsatz legte zwar um 4,8 Prozent auf 432,7 Millionen Euro zu, blieb damit aber hinter den Erwartungen des Managements zurück. Die Kundinnen hätten sich nicht in die Geschäfte locken lassen. Weber berief sich dabei auch auf eine Handelsstudie, wonach die Verbraucher derzeit mehr in höherpreisige Güter wie Autos, Möbel und Immobilien investierten.

Expansion mit Folgen

Gerry Weber mit seiner Damenmode für über 40-Jährige, der fast die Hälfte seiner Erlöse im Ausland erzielt, ringt wie auch andere hiesige Modefirmen mit den wachsenden Marktanteilen von H&M und den Inditex-Ablegern Zara und Massimo Dutti, die mit rasch wechselnden Kollektionen für steten Zustrom in ihre Geschäfte sorgen. Bereits im vergangenen Jahr musste Gerry Weber den Rabattschlachten und Wetterkapriolen Tribut zollen und seine Wachstumsziele eingrenzen. Umsatz und Gewinn stagnierten weitestgehend.

Gerry Weber hatte im vergangenen Jahrzehnt unter der Regie von Firmengründer Gerhard Weber einen rasanten Expansionskurs vorgelegt und immer wieder die Umsatzmilliarde ins Visier genommen, die bislang aber nicht erreicht wurde. Statt des Großhandels und des Verkaufs über Franchise-Partner setzte Weber wie etwa auch Hugo Boss, Esprit oder Tom Tailor auf eigene Läden. Ende des vergangenen Bilanzjahres betrieb der Konzern europaweit allein über 600 in Eigenregie geführte Houses of Gerry Weber und Geschäfte. Hinzu kamen über hundert Flächen und 30 Outlets sowie knapp 300 von Franchies-Partnern geführte Läden und 2800 Shop-in-Shops auf Verkaufsflächen der Handelspartner. Auch Online ist Gerry Weber inzwischen unterwegs.

Der Absturz der Aktien von Gerry Weber hat am Mittwoch auch den Titeln von Tom Tailor zu schaffen gemacht: Mit einem Abschlag von bis zu vier Prozent auf ein Rekordtief von 9,36 Euro hielten sie im SDax die rote Laterne. "Wenn Gerry Weber zu kämpfen hat, dann könnte das auch ein schlechtes Omen für Tom Tailor sein", sagte ein Händler.

Beliebte Konkurrenz: Zara, H&M & Co

Mit ein Grund für das schlechte Abschneiden von Gerry Weber sind die rasch wachsenden Marktanteile des weltgrößten Modeeinzelhändler Inditex (Zara) und H&M, mit denen sich Gerry Weber Rabattschlachten liefert. Der Gewinn von Inditex stieg auch aufgrund des schwachen Euros ersten Geschäftsquartal um 28 Prozent auf 521 Millionen Euro. Der Umsatz stieg von Februar bis Ende April um 17 Prozent auf 4,37 Milliarden Euro. Abzüglich der Währungseffekte lag das Plus bei 13 Prozent.

Im Gegensatz zu H&M fertigt Inditex mehr Kleidung in Europa. Dadurch profitierte der Branchenprimus im Exportgeschäft vom schwachen Euro und konnte auch bei seiner Frühjahrskollektion schneller auf das ungewöhnlich warme Wetter in Spanien reagieren. Auch im Mai und Juni habe der Umsatz weiter zugelegt, auch dank der Konjunkturerholung in Europa. Rivale H&M bezieht seine Ware dagegen vor allem aus Asien. Analysten rechnen damit, dass die Schweden nächste Woche für Mai ein Umsatzplus von rund acht Prozent vorlegen, nach einem Zuwachs von zehn Prozent im April.

Umsatztreiber Zara werde rechtzeitig zur Herbst-Saison Online-Shops in Taiwan, Hongkong und Macao starten, kündigte Inditex an. Angesichts der wachsenden Konkurrenz von Internet-Händlern wie Zalando baut der Konzern seine Online-Präsenz aus. Auch die Zahl der Filialen stieg weiter um 63 auf weltweit 6746 Läden.

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