Ferrari gibt an der Wall Street Vollgas

Ferrari gibt an der Wall Street Vollgas

Ferrari mit Turbostart an der Wall Street: Konzernchef Sergio Marchionne kann sich über das Börsendebüt freuen.

Schnell, rot und jetzt auch an der Börse notiert: Zum Börsegang hat Ferrari einen Turbostart hingelegt: Plus 15 Prozent standen nach der Eröffnung im Orderbuch. Fiat Chrysler versilbert die exklusive Sportwagenmarke Ferrari an der New Yorker Börse (NYSE) - der Börsengang bringt den Italienern rund 900 Millionen Dollar ein. Mit heutigem Mittwoch wurden die Aktien zum Ausgabepreis von 52 Dollar unter dem Kürzel RACE an der Wall Street gehandelt.

Nobelkarossen sind in Manhattan nicht selten. Doch gleich zwei Ferrari-Edelmodelle hintereinander sieht man auch auf der 6th Avenue nicht alle Tage. Anlass ist der bevorstehende Börsengang des legendären italienischen Sportwagenbauers Ferrari an der Wall Street.

Um die Werbetrommel für die neuen Aktien zu rühren, hat die Investmentbank UBS die Luxusschlitten - eine rote F12 Berlinetta und ein blaues California Cabrio - vor ihrem New Yorker Hauptquartier aufgefahren. Passend sozusagen zur "Road Show", wie die Marketingkampagnen vor Börsengängen im Finanzjargon heißen.

Der Turbostart

Kurz nach Eröffnung des Handels an der Wall Street notierten die Aktien des Luxuswagenherstellers mit einem Plus von 14,73 Prozent auf 60 Dollar (52,8 Euro) beim Erstkurs. Das Papier mit dem vielsagenden Kürzel "Race" war für 52 Dollar ausgegeben worden.

Schon vor dem Börsendebüt der exklusiven Automarke aus dem norditalienischen Maranello ist das Interesse der Investoren groß. Die Nachfrage nach Ferrari-Aktien habe die verfügbare Menge am Dienstag längst überstiegen. Und dennoch: Die Ferrari-Aktie war mit dem Ausgabenpreis von 52 Dollar (45,78 Euro) gestartet. Der Preis liegt somit an der obersten Spitze der vorgegebenen Preisspanne zwischen 48 und 52 US-Dollar. Trotz starker Überzeichnung der Aktie, beschloss Ferrari, beim Ausgabenpreis nicht das oberste Preissegment zu übersteigen.

Der italienische Luxuswagenhersteller bringt 17,18 Millionen Aktien auf den Markt. Bei einem Preis von 52 Dollar wird der Börsengang dem Autobauer 893,4 Mio. Dollar einbringen. Wegen der Option der Banken, weitere 1,17 Millionen Aktien zu kaufen, kann Ferrari mit zusätzlichen Einnahmen in Höhe von 18,8 Mio. Dollar rechnen.

Die Papiere werden ab Mittwochnachmittag (MEZ) unter dem passenden Kürzel RACE - zu Deutsch: Wettfahrt - erstmals an der New York Stock Exchange gehandelt werden. Sergio Marchionne, Vorstandschef von Ferraris Mutterkonzern Fiat Chrysler (FCA), Aufsichtsratschef John Elkann und Ferrari-Finanzchef Alessandro Gili werden gemeinsam an der Wall Street das Glöckchen zum Handelsstart läuten.

Sergio Marchionne, Vorstandchef der Muttergesellschaft Fiat Chrysler (FCA) und Ferrari-Präsident in Personalunion, verfolgt mit der Platzierung an dem renommierten Aktienmarkt große Ziele.

Nur zehn Prozent kommen an die Börse

Bisher hält FCA 90 Prozent an Ferrari. Der Rest gehört Piero Ferrari, Sohn des legendären Firmengründers Enzo Ferrari (1898-1988), der einst mit dem "Cavallino rampante", dem sich aufbäumenden Pferdchen, das vielleicht bekannteste Markenzeichen Italiens schuf und in seiner Heimat eine Kultfigur ist. Nun sollen neun Prozent der FCA-Papiere den Anlegern angeboten werden, mit der Option, ein weiteres Prozent zu kaufen.

Konzern-Lenker Marchionne feiert damit zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit einen Börsengang. Am 12. Oktober 2014 hatte er die aus der Fusion aus Fiat und Chrysler entstandene FCA an Wall Street geführt.

Seit dem Initial Public Offering (IPO) des chinesischen Onlinehändlers Alibaba im vergangenen Jahr waren die Börsianer an der Wall Street nicht mehr so im Bann eines Börsenganges. Das Interesse an Ferrari zeige, dass die Marke Ferrari stärker als die Schwierigkeiten der internationalen Autoindustrie nach dem VW-Skandal ist, schreiben italienische Medien. Marchionne betonte immer wieder, dass Ferrari eine solide Marke sei, die auch der Krise der letzten Jahren Stand halten konnte.

Ferrari-Aktien hat auch der langjährige Firmenboss Luca Cordero di Montezemolo erworben. "Wenn man meine vielen Jahren bei Ferrari berücksichtigt, hätte man sie mir schenken sollen", antwortete Montezemolo auf die Frage, ob er Ferrari-Papiere gekauft habe. Montezemolo, derzeit Verwaltungsratspräsident der Alitalia, hatte Ferrari 23 Jahre lang bis Oktober 2014 geführt.

Die restlichen 80 Prozent bleiben bei Fiat Chrysler - erst einmal, denn Anfang 2016 sollen sie dann an die FCA-Aktionäre verteilt werden. Dann wird jeder Fiat-Kleinaktionär Anteilseigner an der Nobelmarke, von der 2014 nur 7255 Stück die Werkstore in Maranello verließen. Jedes Jahr strömen Liebhaber aus aller Welt in die Kleinstadt südlich von Enzo Ferraris Geburtsort Modena, um sich das Ferrari-Museum anzuschauen oder zu Preisen ab 70 Euro aufwärts pro zehn Minuten selber eine Runde mit einem der Flitzer zu drehen.

In den ersten neun Monaten 2015 machte Ferrari nach Angaben von Fiat Chrysler einen Umsatz von 720 bis 730 Mio. Euro und erzielte vor Steuern und Zinsen einen Gewinn von rund 145 Mio. Euro. Diese Zwischenbilanz gab dem Aktienkurs von Fiat Chrysler kräftig Auftrieb.

Holpriger Start

Der Börsengang des "Pferdchens" glich bisher allerdings eher einem Stotterstart als einer Vollgasveranstaltung. Bereits vor gut einem Jahr hatte FCA angekündigt, die Sportwagentochter abzuspalten, doch dann zog sich das Ganze unerwartet lange hin. Und manche Analysten sind skeptisch, ob sich Ferrari-Aktionäre am Ende wirklich als Sieger fühlen können. "Einige Cheerleader brauchen eine kalte Dusche", warnt Max Warburton vom Analysehaus Bernstein. Ferrari sei wachstumsschwach und verschlinge massive Technologie-Kosten, warnt der Branchenkenner.

Einer dürfte sich auf jeden Fall die Hände reiben: Chef Marchionne, der Italo-Kanadier, den sie intern auch "den Mann mit den zwei Gehirnen" nennen. Er hat das "Cavallino" genutzt, um die Aktie der angeschlagenen Konzernmutter in die Höhe zu treiben. Denn seit bekannt wurde, dass es für Fiat-Aktien Ferrari-Aktien geben wird, wurden erstere zum Verkaufsschlager. Seit Marchionne den Ferrari-Börsengang ankündigte, ist der FCA-Kurs um mehr als 80 Prozent gestiegen. Das ist ganz im Sinne von Marchionne: Er will dem angeschlagenen Konzern bis zu seinem für Ende 2018 angekündigten Rückzug zu neuem Glanz verhelfen.

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