Ferrari fährt zum zweiten Mal an der Börse vor

Ferrari fährt zum zweiten Mal an der Börse vor

Zum Börsendebüt in Mailand: Matteo Renzi (li.) erhält zum Börsenstart in Mailand vom Fiat Chrysler-Chef Sergio Marchionne ein Modell des Formel-1-Boliden.

Der italienische Sportwagenbauer Ferrari gibt nun auch an der Mailänder Börse sein Debüt. 43 Euro pro Aktie zahlen die Investoren. Fiat Chrysler-Chef Marchionne will den Konzern noch mehr auf Luxus und Pole Position trimmen. An der Börse kommt der Konzern hingegen nicht vom Fleck.

Mailand/Maranello. Wenn Ferrari ruft, dann kommen alle, die Rang und Namen haben. Selbst Italiens Ministerpräsident konnte der Versuchung des roten Boliden auf vier Reifen nicht widerstehen, als Fiat Chrysler - und Ferrari-Boss Sergio Marchionne zum Börsendebüt in Mailand aufgerufen hatte. Die Kopie von Ferraris Börsendebüt vom Oktober 2015 ist äußerlich nicht weniger mit Glanz und Glamour ausgefallen als in New York. Schließlich feiert Ferrari am Montag zum zweiten Mal ein Börsendebüt. Nun in Mailand. Vor dem Eingang der Mailänder Börse parkte die gesamte Palette von Ferrari-Boliden, darunter das letzte Modell F12 Tdf.

Allerdings: Auf dem Börsenparkett geht es dem Luxuswagenbauer ähnlich wie auf der Formel-1-Rennstrecke: Der rote Bolide aus Maranello kam am Montag bei seinem Heimdebüt zunächst überhaupt nicht vom Fleck. Die Ferrari-Aktie startete mit einem Preis von 43 Euro zur Eröffnung. Nach der ersten Stunde notierte die Aktie mit einem Minus von 2,81 Prozent. Im Verlauf des Vormittags notierte die Aktie sogar leicht im Minus, kurz nach Mittag konnte die Aktie dann doch leicht Fahrt aufnehmen und notierte mit 43,23 Euro mit einem halben Prozent im Plus.

Mit dem zweiten Börsengang haben sich die Eigentümerverhältnisse wie folgt verändert: Der bisherige Eigentümer Fiat Chrysler Automotive (FCA) hält nunmehr 24 Prozent an Ferrari, zehn Prozent kontrolliert Piero Ferrari, Sohn des Ferrari-Gründers Enzo Ferrari. Die restlichen rund zwei Drittel sollen nun verkauft werden. Der nun börsennotierte Konzern hat nunmehr an der New York Stock Exchange einen Börsenwert von 9,1 Milliarden Dollar (8,4 Mrd. Euro).

Dem Turbostart folgt Ernüchterung

Mit dem heutigen Börsengang pilotiert der italienische Autohersteller zum zweiten Mal binnen drei Monaten aufs Börseparkett. Zum Börsendebüt am 21. Oktober 2015 an der New York Stock Exchange hatte das Papier noch umgerechnet 47,62 Euro gekostet (52 Dollar). Rund 900 Millionen Dollar konnte die Ferrari-Mutter Fiat Chrysler Automotive (FCA) einnehmen. Rund zehn Prozent der Ferrari-Aktien wurden im Oktober 2015 verkauft.

Beim ersten Börsendebüt in New York legte Ferrari noch einen Turbostart aufs Parkett. am 21. Oktober 2015 hatte die Aktie mit dem Börsenkürzel RACE um 15 Prozent auf 60 Dollar zulegen können. Danach konnte Ferrari weiter gewinnen. Den bisherigen Höchststand zum Schlusskurs von 56,75 Dollar erreichte die Aktie bereits Ende Oktober.

Danach folgte die Ernüchterung: Die Aktie hat seither stetig verloren. Heute notiert die Aktie sogar rund zwölf Prozent unter dem IPO-Preis bei 47,62 Dollar.

Der Weg zum echten Luxus

FCA-Chef Sergio Marchionne will freilich mit dem Börsengang neues Geld dem über 70 Jahre alten Luxusautohersteller zuschießen. Am 3. Dezember wurde die Trennung von der Muttergesellschaft Fiat Chrysler Automobiles (FCA) besiegelt. Marchionne glaubt mit der Loslösung vom Mutterkonzern das Profil des Luxuswagenbauers soll künftig noch stärker im Luxus-Segment geschärft werden. Ferrari soll als alleinige Company künftig wie Luxusmarken à la Burberry, Hermes oder Tiffany wahrgenommen werden. Dies sei unter dem Dach von Fiat nur bedingt möglich.

Ferrari will außerdem die Produktion steigern: Die Zahl der produzierten Luxuslimousinen soll von 7255 Stück (im Jahr 2014) auf mehr als 9000 Autos im Rahmen des auf fünf Jahre fixierten strategischen Plans erhöht werden. Die Führung von Ferrari soll weiterhin in den Händen von Marchionne und die Agnelli-Familie bleiben.

Auf der Suche der Pole Position

Marchionne will außerdem die Umsätze in der Bekleidungssparte steigern und die Boliden im Rennsportbereich wieder in die Pole Position führen. 2015 fuhr Ferrari Mercedes hinterher. In der Formel 1 belegte Ferrari mit 483 Punkten nur Rang zwei der Konstrukteurswertung. Mercedes hatte 703 Punkte. Sebastian Vettel und Kimi Raikkönen (278 bzw. 140 Punkte) blickten regelmäßig in den Auspuff der Mercedes-Boliden von Louis Hamilton und Nico Rosberg (381 bzw. 322 Punkte).

Für Fiat Chrysler könnte sich das Spin-off seiner Luxusmarke nachteilig auswirken. Der Wert des Fiat-Konzerns könnte ohne sein "Kronjuwel" sinken, befürchten bereits Analysten. Fiat Chrysler ist außerdem unter Druck. Der Konzern sucht einen schlagkräftigen Partner, mit dem der Turiner Autokonzern eine Fusion anstreben will. Marchionne bestätigte, dass mehrere Offerten bereits vorlägen, aber keines attraktiv genug sei. Von General Motors (GM) hatte der Fiat-Chef zuletzt einen Korb bekommen.

Freuen über das Börsendebüt in Mailand wird sich jedenfalls Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi, der den Börsengang als eine "außerordentliche Gelegenheit für Investoren" gepriesen hat. Renzi bekam vom FCA-Konzernchef Marchionne eine Miniaturausgabe des roten Formel-1-Boliden aus dem Hause Ferrari - quasi für die Vitrine.

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