Euro-Anleihen im Keller: Wo jetzt noch etwas zu holen ist

Die EZB (neues Gebäude in Frankfurt) sorgt nach dem Start der Anleihenkäufe für neue Tiefstände an den Anleihenmärkten.

Die EZB (neues Gebäude in Frankfurt) sorgt nach dem Start der Anleihenkäufe für neue Tiefstände an den Anleihenmärkten.

Die Prognose von JP Morgan für europäische Anleihen ist sehr ernüchternd. Welche Tipps renommierte Anleihenprofis haben, um trotzdem gewinnbringend zu investieren.

Mit dem Start der EZB-Anleihenkäufe geht es für die Renditen am Bondmarkt weiter bergab: Die zehnjährigen Titel Italiens, Spaniens und Irlands markierten am Dienstag ein frisches Rekordtief.

Sie warfen zeitweise nur noch 1,224, 1,173 und 0,799 Prozent ab. Auch die zehnjährigen Bundesanleihen fielen um zwei Basispunkte auf 0,288 Prozent. Die EZB hatte am Montag ihr über eine Billion Euro schweres Anleihen-Kaufprogramm begonnen. Die Zentralbank und die nationalen Notenbanken wollen bis voraussichtlich September 2016 Wertpapiere im Volumen von rund 60 Milliarden Euro pro Monat erwerben. Zudem versetzen neuerliche Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung in den USA dem taumelnden Euro bereits am Freitag einen weiteren Schlag. Insgesamt weisen inzwischen knapp zwei Drittel aller Bundesanleihen Negativzinsen auf, Tendenz steigen.

Anleihenchef von JP Morgan mit düsterer Prognose

Doch wie stark werden Anleihen noch fallen, fragen sich derzeit viele Investoren. Robert Michele, Anleihenchef der US-Investmentbank JP Morgan, sieht noch größeres Ungemach auf Anleiheninvestoren zukommen. Er äußerte sich in einem Interview gegenüber dem Handelsblatt die Befürchtung, dass die Renditen für Bundesanleihen noch viel weiter fallen, als die meisten Experten derzeit prognostizieren. Seine Prognose: "Der Zins fällt auf minus drei Prozent".

Die Top-Tipps der Investoren


1. Flexibel wie ein Hedgefonds
Die Zeit des Geldverdienens bei Anleihen ist nach Einschätzung von JP Morgan Anleihenboss Michele aber noch lange nicht vorbei. Michele empfiehlt sich von einer Benchmark loszusagen und sich auf flexible Anleihestrategien zu konzentrieren. In diese selbe Kerbe schlägt auch Roberto Giacalone, Senior-Portfolio-Manager von C-QUADRAT London: "Gute Anleihenfonds werden flexiblen Hegdefonds immer ähnlicher.
2. Hochverzinste Anleihen der Bonitätsnote Investment Grade
Der von C-QUADRAT London gemanagte Euro Investment Plus Fonds setzt schwerpunktmäßig auf hochverzinste Staats- und Unternehmensanleihen der Bonitätsnote "Investment Grade". Zudem nutzt Giacalone unter anderem auch die aktuelle Volatilität bei Zinsen und Währungen, um davon mit speziellen Anlageinstrumenten zu profitieren. Auch Wandelanleihen sind für ihn eine interessante Option. Das Ergebnis: Ein jährliches Plus von 10,3 Prozent seit Fondsstart Ende 2011. Investorenlegende Edouard Carmignac kauft, nach dem Rekordtief bei hochverzinsten Staatsanleihen, Titel von Peripheriestaaten nach. "Diese Anleihen sind nicht negativ von den Ereignissen in Griechenland beeinflusst worden", erklärte Didier Saint-Georges, im aktuellsten Investorenbericht der Fondsboutique.

3. US-Staats- und Unternehmensanleihen

JP Morgan sieht die besten Chancen für Anleihenkäufer in den USA. Er empfiehlt Anlegern in Europa Firmenanleihen, die in US-Dollar notieren. Denn Michele geht davon aus, dass die US-Währung, aufgrund des konjunkturellen Aufschwungs des Landes, noch weiter aufwerten wird. Außerdem rückt die erste Zinsanhebung in den USA seit Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise näher. Einer der jüngsten Indizien für eine baldige Anhebung der US-Leitzinsen: Der US-Jobmarkt boomt wie seit 20 Jahren nicht mehr. Das Land nähert sich der Vollbeschäftigung. Im Februar entstanden in den USA 295.000 neue Stellen und damit 55.000 mehr als von Experten erwartet. Zehnjährige Anleihen bringt dort derzeit 2,20 Prozent. Bonds mit 30 Jahren Laufzeit rentieren mit 2,80 Prozent. Hinzu könnten, aufgrund der Aufwertung des Greenbacks, satte Währungsgewinne kommen.

4. Unternehmensanleihen der Energiebranche

Franklin Templeton sieht derzeit bei hochverzinslichen Unternehmensanleihen attraktive Anlagemöglichkeiten bei Energieunternehmen. Der Markt habe Belastungen für Energieunternehmen durch den niedrigen Ölpreis bereits eingepreist. Viele verschuldete Unternehmen in diesem Bereich hätten in den vergangenen Jahren umgeschuldet. Zudem soll der Druck durch das Angebot an Neuemissionen insbesondere bei Hochzinsanleihen in diesem Jahr geringer ausfallen als in den Jahren zuvor, weil mit weniger energiebezogenen Emissionen zu rechnen sei.

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