Der große Knick: Droht eine weltweite Rezession?

Die Furcht vor einem neuen Konjunkturabschwung ist zurück. Der Dax ist auf einem neuen 10-Monatstief, Rohstoffpreise wie Öl und Platin brechen ein. Warum die Angst vor einer weltweiten Rezession zurück ist und wie Experten die Lage einschätzen.

Neue Konjunkturdaten lassen neuerlich Zweifel an einer weltweiten Erholung der Wirtschaft aufkommen.
Neue Konjunkturdaten lassen neuerlich Zweifel an einer weltweiten Erholung der Wirtschaft aufkommen.

Aufschwung? Die weltweite Konjunktur trübt sich bereits wieder ein.

Der Dax ist seit dem 17. September wieder im Korrekturmodus. In knapp 14 Tagen ist das deutsche Aktienbarometer um 7,4 Prozent gefallen und notiert derzeit bei 9.513 Punkten. Zwar hat sich der Deutsche Leitindex heute zum Handelsbeginn leicht erholt, aber Anleger sehen darin keinen Trost.

Börsianer sorgen sich vor allem um einen möglichen Schwächeanfall der Weltwirtschaft. Sie fürchten nach Einschätzung des Onkine-Brokers CMC Markets sowohl eine weltweite Abschwächung der Konjunktur und sinkende Unternehmensgewinne.

Die Ängste neuerlich angefacht haben negative Daten aus China. Gestern gab China für die Industrie des Staates einen Gewinneinbruch in Höhe von 8,8 Prozent bekannt. Das schürte die Furcht vor einer weiteren Abschwächung Konjunktur in der Volksrepublik.

Ausverkauf beim Rohstoffgigant Glencore

Mit den Hiobsbotschaften aus China wurden auch gleich die Rohstoffpreise nach unten gerissen. Eines der leidtragenden ist der Rohstoffgigant Glencore. Am Montag wurde der an der Börse regelrecht zerrissen. Die Aktie hat über 30 Prozent ihres Werts verloren. Händler bezweifeln, dass Glencore langfristig den Rückgang der Rohstoffpreise verschmerzen kann. Zumal die Nachfrage im wichtigen Export- und Produktionsmarkt China weiter abnimmt.

Der Rohstoffgigant Glencore wird an der Börse fallen gelassen.

Leiden Produkte "Made in Germany"?

Auch die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland wird nach dem Auffliegen des VW-Abgasskandals nicht mehr als ganz so rosig eingeschätzt. Befürchtet wird, dass der Skandal einen Vertrauensverlust hinterlässt, der den Verkauf vieler Produkte mit dem Siegel "Made in Germany" und dadurch die Zulieferbetriebe beeinträchtigt.

Die volatilen Märkten dürften nach Einschätzung der britischen Fondsgesellschaft Threadneedle weiter anhalten. Die Unruhe an den Märkten hat nach Einschätzung von Threadneedle-Aktienchef Mark Burgess und BlackRock-Chef Russ Koesterich fünf Ursachen:

  1. Die Konjunkturunsicherheit in China und hier insbesondere der Fähigkeit der chinesischen Regierung, für eine "weiche" Landung der Wirtschaft zu sorgen.
  2. Die Schwäche an den Rohstoffmärkten und dem damit verbundenen Dominoeffekt für die Produzenten und Exporteure von Rohstoffen.
  3. Die geldpolitischen Unsicherheit, jetzt da die US-Notenbank Fed auf ihre erste Zinserhöhung seit 2006 zusteuert.
  4. Das langsamere Wirtschaftswachstum
  5. Ungünstige Bedingungen am Kreditmarkt

Fed sorgt für dicke Luft

Auch der Anleihenmarkt verlor erneut an Boden, was hauptsächlich durch eine Rede von Fed-Vorstandsvorsitzende Janet Yellen verursacht wurde. Die Fed-Chefin erklärte, sie macht die Zinserhöhung von einer Erholung der US-Konjunktur abhängig. Am heutigen Dienstag blicken die Anleger deswegen nach New York. Dort werden Zahlen zum US-Verbrauchervertrauen veröffentlicht.

Trotz dieser ungünstigen Konstellation ist Threadneedle insgesamt positiv. Aktienchef Burgess: "In einer Welt, in der unter Anlegern zunehmend Unsicherheit über den weiteren Verlauf des globalen Wirtschaftswachstums herrscht, muss das nicht unbedingt zu einer Währungsschwäche führen, zumal sowohl Europa als auch Japan Leistungsbilanzüberschüsse vorweisen können.

Die derzeitigen Turbulenzen an der chinesischen Börse werden den wirtschaftlichen Boom in Asien längerfristig nicht gefährden, prognostiziert der Finanzanalyst Antonio Sommese. „Die Euphorie war zu groß und jetzt folgt die Enttäuschung, aber das ist eher der Börsenpsychologie als den tatsächlichen Wirtschaftsaussichten geschuldet“, analysiert Antonio Sommese die derzeitigen Auswirkungen auf Wall Street, Dow Jones und DAX.

China: "Anhaltender Panikmodus"

Doch Anleger sollten sich auf stürmische Zeiten einrichten. Finanzanalyst Antonio Sommese: „Die Börsen werden noch einige Zeit im Panikmodus bleibe“.

Vor allem bei Unternehmen, für die China als Wachstumsmarkt einen hohen Stellenwert hat wie beispielsweise Apple oder die Automobilhersteller, müsse mit weiteren Kursrückgängen gerechnet werden. „Letztlich wird die Zukunft von BMW, Daimler, VW und Co aber davon abhängen, ob es gelingt, sich in der neuen Welt der vernetzten Mobilität, in der die Wettbewerber Apple und Google heißen, einen Platz zu erobern. Und Apple & Co werden langfristig nur wachsen können, wenn sie immer neue Marktsegmente für ihre Produkte begeistern können.

China spielt dabei nicht die Hauptrolle“, analysiert Sommese. Die Kurse bei Aktien in China hält sich denn auch in Grenzen. An der Börse in Shanghai sind die Kurse in den vergangenen Tagen auch um nicht einmal zwei Prozent zurückgegangen.

Der Preisverfall bei Rohstoffen soll den Konsum in den Industrieländern ankurbeln. Burgess: "Bislang horten die Verbraucher die Ersparnisse aus den geringeren Kosten aber." Die Zinsen werden daher seiner Einschätzung nach noch einige Zeit niedrig bleiben. „Zwar dürfte die Fed in den kommenden Monaten als Reaktion auf die angespanntere Arbeitsmarktlage die Zinsen erhöhen, sie wird dabei aber nur von einem ‚sehr entgegenkommenden‘ auf einen ‚entgegenkommenden‘ geldpolitischen Kurs umschwenken“, meint Burgess.