Deutsche Bank-Stratege: "Bei Grexit zukaufen"

Deutsche Bank-Stratege: "Bei Grexit zukaufen"

Griechenland droht in diesem Monat die Staatspleite oder sogar der Abschied vom Euro. Dieses Szenario treibt Stefan Kreuzkamp von der Deutschen Asset & Wealth Management keine Schweißperlen auf die Stirn. Als Chefstratege des Vermögensverwalters der Deutschen Bank entscheidet er maßgeblich über die Anlage von Kundengeldern in Höhe von 400 Milliarden Euro. Er sieht im Falle eines "Grexit" gute Einstiegsmöglichkeiten bei Aktien und Staatsanleihen.

Für wie wahrscheinlich halten Sie einen Grexit?

"Hier sollte man differenzieren. Wir sehen die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland seine Schulden nicht bedienen kann, bei rund 50 Prozent. Ist die Zahlungsunfähigkeit einmal eingetreten, wird die Lage von allen Parteien neu bewertet. Das Risiko, dass es anschließend zu einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone kommt, sehen wir erneut bei 50 Prozent. An den Märkten ist eine Restrukturierung der griechischen Schulden - ob nun mit oder ohne Euro-Austritt - ebenfalls mit 50 Prozent eingepreist. Das lässt sich an den Risikoaufschlägen für griechische Staatsanleihen ablesen. Athen muss im Juni 1,5 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds zurückzahlen. Wir gehen nicht davon aus, dass Griechenland das Geld für die Raten aufbringen kann."

Wird ein Grexit die Finanzmärkte ähnlich belasten wie die Lehman-Pleite 2008?

"Wir erwarten keine massiven Störungen an den Finanzmärkten. Rund 80 Prozent der griechischen Staatsschulden werden gehalten vom Rettungsschirm EFSF, der Europäischen Zentralbank und anderen Euro-Ländern. Das Ansteckungsrisiko für den Rest der Euro-Zone - insbesondere für Geschäftsbanken - ist daher gering. Das gilt auch für die Wirtschaft. Griechenland hat einen Anteil von nur zwei Prozent am Bruttoinlandsprodukt der Euro-Zone. Die deutschen Exporte dorthin tragen nur zu 0,2 Prozent zu unserem Bruttoinlandsprodukt bei."

Wie beeinflusst ein Grexit Ihre Anlagestrategie?

"Investoren wie wir halten keine griechischen Staatsanleihen. Unser Griechenland-Engagement liegt bei null. Für einen Großteil unserer Fonds kämen diese Papiere aufgrund ihrer geringen Kreditqualität derzeit ohnehin nicht in Frage. Kommt es zum Zahlungsausfall oder zu einem Grexit, hat das natürlich Folgen für die Märkte. Deutsche Bundesanleihen werden dann noch mehr als Hort der Sicherheit dienen. Wir würden uns nicht in großem Stil von ihnen trennen, sie sind eine Art Versicherung für uns. Steigen dürften die Risikoaufschläge für Staatsanleihen von Peripherieländern wie Italien und Spanien. Wir würden die attraktiveren Renditen zu Zukäufen nutzen. Zuletzt haben wir uns von italienischen und spanischen Papieren mit ganz langen Laufzeiten getrennt, dieses Exposure würden wir dann wieder aufbauen. Massive Renditeaufschläge erwarten wir aber nicht, da die EZB mit ihrem Anleihenkaufprogramm für eine hohe Nachfrage sorgt. Außerdem sehen wir die Euro-Zone insgesamt auf einem guten Weg, was die Entschuldung betrifft."

Verändert ein Grexit oder ein Zahlungsausfall Ihr Vorgehen am Aktienmarkt?

"Dort könnten wir durchaus Turbulenzen sehen. Wir werden niedrigere Kurse zum Einstieg nutzen. Wir sind generell positiv gestimmt für europäische Aktien. Hier ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis insgesamt günstiger als etwa bei US-Aktien. Bei den Aktienkursen ist noch deutlich Luft nach oben. Wir werden Schwächen oder Rückschläge nutzen, um zuzukaufen. Zumal der Euro auf längere Zeit an Wert verlieren wird zum Dollar. Das bessert die Gewinnaussichten von Unternehmen mit einem starken US-Geschäft. Man muss künftig noch genauer hinschauen bei der Auswahl der Aktien, denn die Volatilität hat bereits zugenommen."

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