Deutsche Bank zu Griechenland: "Marktturbulenzen als Einstiegschancen"

Deutsche Bank zu Griechenland: "Marktturbulenzen als Einstiegschancen"

Asoka Wöhrmann, Chief Investment Officer Deutsche Asset & Wealth Management

Asoka Wöhrmann hat alle Hände voll zu tun. Als Chief Investment Officer Deutsche Asset & Wealth Management - dem Vermögensverwalter der Deutschen Bank - verantwortet er die Anlage von Kundengeldern in Höhe von 1,16 Billionen Euro. In einem Interview sagte Wöhrmann am Montag, wie er die Marktturbulenzen wegen der Griechenland-Krise einschätzt und warum er Einstiegsmöglichkeiten sieht.

Wie wirkt sich die Griechenland-Krise auf Ihre Anlagestrategie aus?

Wir sehen keinen Anlass, unsere Strategie zu ändern. Aufgrund der Unsicherheiten rund um Griechenland haben wir etwa europäische Aktien vor rund zwei Monaten auf 'Neutral' reduziert, Peripherie-Anleihen und Bundesanleihen ebenso. Wir halten an unserer strategisch konstruktiven Sicht fest und sehen Marktturbulenzen als Einstiegschancen, auch wenn wir dazu raten, die Märkte und die politischen Entwicklungen auf Tagesbasis zu beobachten. Tendenziell zählen wir nach der heutigen Markteröffnung zu den Käufern.

Rechnen Sie mit anhaltenden Marktturbulenzen?

Grundsätzlich sehen wir die heutige Marktreaktion sogar positiv. Obwohl die Entwicklungen am Wochenende zu einem neuen Grad an Unsicherheit geführt haben, ist die Marktreaktion über alle Vermögensklassen - und trotz der schwachen Vorgaben aus Asien - geradezu moderat und keineswegs panikartig. Wir haben noch nicht einmal die gesamte Erholungsrally von letzter Woche wieder aufgegeben. Aber diese Woche werden die Märkte volatil bleiben, da es eine hohe Dichte an wichtigen Entscheidungen geben wird.

Welche Folgen hat das für die wirtschaftliche Entwicklung in Griechenland, Deutschland und der Euro-Zone insgesamt?

Für Griechenland sind die Kapitalverkehrskontrollen und mithin die Liquiditätsknappheit ein schweres Los, es erwartet sie keine einfache Woche. Doch schon nächsten Montag könnten im Falle eines entsprechenden Ergebnisses des Referendums die europäischen Institutionen Griechenland wieder mit allerlei Stützungsmaßnahmen aus der Bredouille helfen. Wir haben schon früher unsere Wachstumsprognose für 2015 für Griechenland mit -1,1 Prozent unter den Markterwartungen angesetzt, doch selbst diese Zahl könnte noch zu positiv sein.

Ansonsten sind innerhalb Europas Deutschland und Italien die Länder mit den meisten Handelsbeziehungen mit Griechenland. Sie machen allerdings keine 0,2 Prozent vom jeweiligen Bruttoinlandsprodukt aus. Während die direkten wirtschaftlichen Folgen für Europa also überschaubar sein dürften, könnte sich die ungelöste griechische Frage auf die Stimmung und damit auf das Investitions- und Konsumverhalten auswirken.

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