Dax-Vorschau: Die Bullen marschieren weiter

Es war ein goldener Oktober - und nun rechnen Beobachter mit einer Fortsetzung der Hausse: 12.000 Dax-Punkte sind den Experten zufolge zum Greifen nah. Bestimmt wird das Geschehen von den Zentralbanken, Chinas Volkswirtschaft und diversen Bilanzen.

Dax-Vorschau: Die Bullen marschieren weiter

Nach dem "goldenen Oktober" an den Aktienmärkten rechnen Börsianer fest mit einer Fortsetzung der Hausse. "Wir haben zwar schon recht ordentlich zugelegt, aber sobald wir die 11.000er Marke im Dax geknackt haben, kann es ganz schnell gehen", sagt ein Aktienhändler. Dann seien auch die 12.000 Punkte bald in Reichweite.

Nach Einschätzung des Finanzmarkt-Experten Frank Wieser vom Vermögensverwalter PMP müssen sich Investoren in der neuen Woche noch etwas gedulden. "Dieses 'Durchatmen' legt allerdings das Fundament für eine Jahresendrally des Dax, der dann noch erhebliches Potenzial hat." In der alten Woche war der deutsche Leitindex mehrfach an der 11.000er Marke gescheitert und pendelte um 10.900 Stellen. Im Oktober hatte er gut zwölf Prozent zugelegt.

Ist die Rally schon vorbei?

Andere Experten wiederum warnen, dass Anleger enttäuscht werden könnten. . "Den Großteil der Jahresendrally haben wir wohl schon hinter uns", sagt NordLB-Analyst Tobias Basse. Zuletzt hatte vor allem die Spekulation auf eine mögliche Ausweitung der Geldflut im Euro-Raum dem Dax einen Höhenflug beschert. Der Leitindex, in dem die 30 größten deutschen Unternehmen gelistet sind, schoss im Oktober um mehr als zwölf Prozent in die Höhe.

Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank rechnet nun ebenfalls nicht mehr mit größeren Bewegungen nach oben. Dazu fehle es angesichts eher durchwachsener Unternehmensberichte einfach an Impulsen. Sollte die EZB Anfang Dezember ihre Geldpolitik tatsächlich ausweiten und noch mehr Geld in die Wirtschaft pumpen, könnte das den Dax vielleicht noch einmal kurzfristig befeuern.

Wie agieren Fed und EZB?

Schub für den Aktienmarkt erhoffen sich Anleger von der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) Anfang Dezember. Die Notenbank werde voraussichtlich eine Ausweitung ihrer Anleihekäufe ankündigen. "Zusätzlich dürfte sie nicht länger einen Endzeitpunkt nennen und dadurch das Versprechen einer noch sehr lange extrem expansiven Geldpolitik untermauern", betont Commerzbank-Analyst Michael Schubert. "Diese zusätzlichen Maßnahmen wird sie mit der Einschätzung begründen, dass die Inflationsrate sich dem Zielwert von knapp zwei Prozent deutlich langsamer annähert als bisher erwartet." Vor diesem Hintergrund werden Börsianer die Rede des EZB-Ratsmitglieds Erkki Liikanen am Dienstag auf entsprechende Hinweise abklopfen.

Auch die Äußerungen führender Mitglieder der Notenbank Fed werden Investoren auf die Goldwaage legen. Denn in den USA wird heftig über den Zeitpunkt der Zinswende spekuliert. Den Kursen an den Terminmärkten zufolge sehen Anleger die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember aktuell bei knapp 60 Prozent.

Angesichts der gegensätzlichen Geldpolitik in den USA und der Euro-Zone werde der Euro in den kommenden Wochen wohl weiter abwerten, sagen Börsianer. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung knapp über ihrem Dreieinhalb-Monats-Tief von 1,0832 Dollar.

Bilanzsaison auf Hochtouren

Besonderes Augenmerk richten Investoren zudem auf die Konjunktur in China, da die Fed im September ihren Verzicht auf eine Zinserhöhung unter anderem mit der Schwäche der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft begründet hatte. Am Sonntag stehen die chinesischen Außenhandelsdaten und am Mittwoch die Industrieproduktion auf dem Terminplan. Am Freitag folgen dann die US-Einzelhandelsumsätze und das von der Universität Michigan ermittelte Stimmungsbarometer der US-Verbraucher. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der heimischen Konjunktur.

Auf Unternehmensseite legen am Mittwoch mit dem Düngemittel-Hersteller K+S, der Deutschen Post, dem Versorger E.ON und dem Konsumgüter-Hersteller Henkel allein vier Dax-Werte ihre Zahlen vor. Am Tag darauf sind der Technologiekonzern Siemens, die Pharma- und Spezialchemiefirma Merck und der Stromerzeuger RWE an der Reihe. Ebenfalls am Donnerstag öffnet an der Wall Street der Netzwerk-Ausrüster Cisco seine Bücher.