Conwert: Ein Immokonzern im Umbau

Conwert: Ein Immokonzern im Umbau

Zuerst sollte Conwert von der Deutsche Wohnen AG gekauft werden, dann wollte man selbst in Deutschland einkaufen - beide Projekte platzten. Hans Peter Haselsteiner hat seine Anteile inzwischen an einen israelischen Milliardär verkauft, der die Aktien wiederum an einen deutschen Konzern weitergab. Das Portfolio wird renoviert, und im September kommt der neue CEO. Eine Analyse.

Das Jahr 2015 war für Conwert (ISIN: AT0000697750) bisher recht turbulent. Im März hatte die Deutsche Wohnen AG ein Übernahmeangebot für den österreichischen Immobilienkonzern gelegt, das von Conwert jedoch abgelehnt wurde. Das heimische Unternehmen war hingegen selbst an einem milliardenschweren Zukauf in Deutschland interessiert, diesen gab man im August aber wieder auf.

Parallel dazu wechselten große Aktienpakete ihre Besitzer: Ex-Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner wollte seine Aktien eigentlich an Deutsche Wohnen verkaufen. Doch als deren Übernahmeangebot scheiterte, fand er im israelischen Milliardär Teddy Sagi einen Käufer. Nun hat der deutsche Wohnungskonzern Adler Real Estate das 24,8 Prozent-Paket für 285 Millionen Euro übernommen. Das Unternehmen mit Sitz in Wien ist somit nun zu einem Gutteil in deutscher Hand.
Hinzu kommt nun, dass das Unternehmen derzeit ohne CEO agiert. Der ehemalige CEO Clemens Schneider schied im Mai aus dem Unternehmen aus. Als neuer CEO wurde der deutsche Staatsbürger Wolfgang Beck (47) bestellt, der den Job allerdings erst am ersten September antritt. Bis dahin wird das Geschäft von Finanzvorstand Thomas Doll geleitet.

Immobilien im Abverkauf

Knapp drei Viertel des conwert-Immobilienportfolios liegen in Deutschland, 22,2 Prozent in Österreich und 3,2 Prozent in übrigen europäischen Ländern, wie Luxemburg, Slowakei, Tschechischen, Ukraine und Ungarn. Gut für die Wiener: Denn mir der vergleichsweise starken Fokussierung auf den deutschsprachigen Raum bleiben sie von den derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen im CEE-Raum weitgehend verschont.

Conwert ist seit Monaten dabei, sein Portfolio massiv zu bereinigen. Von Gewerbeimmobilien möchte man sich so weit wie möglich trennen und sich stattdessen auf Mietwohnungen in österreichischen und deutschen Metropolregionen fokussieren. Im ersten Halbjahr haben sich die Verkaufsumsätze somit fast verdreifacht, auf 92,5 Millionen Euro nach 36,3 Millionen Euro im Vorjahr. Für das Gesamtjahr rechnet das Management mit 150 bis 200 Millionen Euro Erlös aus dem Verkauf von Gewerbeimmobilien.

Die Mieterlöse sind wegen der Verkäufe wiederum um 6,4 Prozent auf 113,5 Millionen Euro gesunken. Allerdings: Das Nettoergebnis aus Vermietung bliebt nahezu auf dem Vorjahresniveau (+0,3 Prozent), bei 74,6 Millionen Euro – das Management erklärt dies mit einer „deutlich erhöhten Effizienz im operativen Geschäft“. Unter anderem wurden die Personalaufwendungen um 9,3 Prozent gesenkt.

Insgesamt stand unter dem Strich ein Gewinn von 23,1 Millionen Euro im ersten Halbjahr, nach einem Verlust von 24,5 Millionen Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Aufgrund höherer operativer Effizienz und gesunkener Finanzierungskosten rechnet das Management für das Gesamtjahr 2015 nun mit einem operativen Ergebnis von 48 Millionen Euro, 2014 waren es 34,8 Millionen Euro gewesen.

Die wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick. Klicken Sie, um den vollständigen Halbjahresbericht herunterzuladen.

Nach Bekanntgabe des Ergebnisses lag die Aktie um 10:30 Uhr fast unverändert bei 11,33 Euro. Im Lauf der vergangenen zwölf Monate hat die Aktie aber um 17,61 Prozent gewonnen, seit Jahresbeginn liegt das Plus bei 16,16 Prozent – insgesamt schlägt die Aktie somit den ATX. Charttechnisch gesehen gibt es eine Widerstandslinie bei 12,40 Euro, sowie eine Unterstützungslinie bei 11,01 Euro.

Am 26. August bestätigten Baader-Helvea und Kepler Cheuvreux ihre Empfehlungen zum Halten der Aktie, mit Zielkursen von 11 Euro, beziehungsweise 12 Euro. Insgesamt liegt das Konsensrating der Analysten bei 3,44 (5=starker Buy; 1=starker Sell); der Zielkurs wird bei 12,60 Euro gesehen, was einem Ertragspotenzial von 11,4 Prozent entspricht.

Da sagen die Analysten
Empfehlung Anzahl
Buy 3
Hold 5
Sell 1
Quelle: Bloomberg

Fazit: Conwert hat so manche Baustellen, die gepflegt werden müssen. Auch in Zukunft wird sich die Frage stellen, welche Konsolidierungen die Immobilenbranche des DACH-Raums erwarten. Der Verkauf der Gewerbeimmobilien spült derzeit Geld in die Kassa, schmälert aber langfristig die Mieterlöse – was das Unternehmen wiederum durch mehr Effizienz im operativen Geschäft kompensiert. Positiv für conwert ist jedenfalls die Fokussierung auf den deutschsprachigen Raum, womit man sich – im Gegensatz zu den Marktbegleitern – von den Turbulenzen des CEE-Raums emanzipiert. Wer darauf vertraut, dass der neue deutsche Kapitän das Schiff sicher lenkt, der kann die Aktie kaufen. Ansonsten sollte noch abgewartet werden, bis der Kahn wieder in ruhigen Gewässern liegt.

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