Yuan-Aufnahme in Weltwährungskorb: Bedrohung für den Dollar?

Der IWF will heute die chinesischen Yuan als fünfte Währung in den Welt-Währungskorb aufnehmen. Der Yuan würde dann in einer Liga mit dem US-Dollar, dem britischen Pfund, dem Euro und dem japanischen Yen spielen. Kommt es nun zu massiven Verwerfungen an den Währungsmärkten? Was das Upgrade für die anderen vier Währungen bedeutet.

Was die Anahme des Yuan in den weltweit wichtigne Währungskorb bedeutet.

Was die Anahme des Yuan in den weltweit wichtigne Währungskorb bedeutet.

Der IWF plant heute Montag den chinesischen Yuan den Status der Reserve-Währung zu beenden und will die China-Währung in den Welt-Währungskorb aufnehmen. Monika Rosen, Chefanalystin der Bank Austria: "Der Schritt gilt zwar als symbolisch, unterstreicht aber die Bedeutung China auf dem internationalen Parkett."

Der Welt-Währungskorb wird derzeit vom Dollar und dem Euro dominiert.

Der Welt-Währungskorb wird derzeit vom Dollar und dem Euro dominiert.

Das Ende des Dollars als Leitwährung?

Doch was bedeutet diese Erhebung des Yuan in den internationalen Geldadel? Wird es zu massiven Währungsverwerfungen kommen, da Staaten ihre Währungen massiv umschichten?Experten geben jedoch Entwarnung. Zwar passt der IWF die Zusammensetzung des IWF-Währungskorbes alle fünf Jahre routinemäßig an, eine Neuaufnahme einer Währung ist jedoch recht selten. "Bei manchen sorgt das daher für Verwirrung. Manche Kommentatoren sehen darin bereits den Anfang vom Ende des US-Dollars", so Valentin Hofstätter, Finanzanalyst von Raiffeisen Wien. Andere erwarten gewaltige Umschichtungen bei den internationalen Währungsreserven mit entsprechend negativen Auswirkungen für den Dollar. Wieder andere erachten die Entscheidung als weitgehend irrelevant für die Finanzmärkte ein. Raiffeisen hält in ihrer aktuellen Analyse letzteres für wahrscheinlich.

Dollarverkäufe in Höhe von 500 Milliarden Dollar theoretisch möglich

Die internationalen Währungsreserven der Notenbanken betragen laut Statistik des IWF rund 13 Billionen Dollar. Würden diese Währungsreserven der Notenbanken nun entsprechend der Veränderung im IWF-Währungskorb ihren Dollar-Anteil um 4 Prozentpunkte reduzieren und entsprechend in Yuan umschichten,so könnte das theoretisch durchgerechnet zu USD-Verkäufen von Notenbanken in Höhe von rund 500 Milliarden Dollar führen (und entsprechenden Käufen von Yuan). Doch Raiffeisen hält solche Auswirkungen für Unsinn.

Die Aufnahme einer Währung in den offiziellen IWF-Währungskorb macht es zwar wahrscheinlicher, dass Notenbanken dieser Währung in Zukunft tendenziell ein größeres Gewicht geben werden und damit mehr von dieser Währung und dieser Staatsanleihen für ihre Währungsreserven kaufen werden. Hofstätter von Raifeisen: "Solche Käufe sind aber unabhängige Entscheidungen der jeweiligen Notenbanken, die nichts mit der offiziellen Zusammensetzung des IWF-Währungskorbes zu tun haben." Schon bisher stand es jeder Notenbank frei, Yuan in ihre Währungsreserven aufzunehmen, wenn sie die Währung für attraktiv und liquide genug hielt.Es entsteht laut Raiffeisen keine automatische Verkaufsdruck auf den Dollar von Seiten der Notenbanken, nur weil der IWF seinen Währungskorb entsprechend anpasst.

Der Wechselkurs zwischen Euro und Yuan (EUR/CNY) im 5-Jahres-Verlauf

Dollar-Anteil von Yuan-Aufnahme am stärksten betroffen

Eine Aufnahme des Yuan in den IWF-Währungskorb wird zwar zwangsläufig den Anteil anderer Währungen im Korb reduzieren. Derzeit besteht er aus 41,9 % Dollar, 37,4 % Euro, 11,3 % Britischen Pfund und 9,4 % Japanischen Yen. Der größte Anteil des bisherigen IWF-Währungskorbes entfällt auf den US-Dollar, hier würde rein technisch wohl auch die größte Reduktion des Anteils zugunsten des des chinesischen Yuan folgen.

Was passiert, wenn der IWF den Dollar zu Gunsten des Yuan im Korb erhöht?

Nichts, denn es gibt keine eigenen Währungsreserven des IWF. Der IWF-Währungskorb dient zur Errechnung des Wertes der sogenannten Sonderziehungsrechte (SZR) des IWF. Diese sind quasi eine „Kunstwährung“ des IWF. Insofern ist die Entscheidung des IWF zwar ein Prestigegewinn für die chinesische Währung, die deren Akzeptanz als international wichtige Währung sicher eher fördern als hemmen wird. Sie hat allerdings keine unmittelbaren automatischen Auswirkungen auf die US-Dollar-Nachfrage. Wie stark die tatsächliche Nachfrage der internationalen Notenbanken nach Yuan in den nächsten Jahren steigen wird, wird maßgeblich davon abhängen, wie rasch die chinesische Regierung die Attraktivität des Yuan als Handels- und Veranlagungswährung weiter steigern kann.

Dollar-Entwicklung nicht negativ beeinflusst

Raiffeisen-Experte Hofstätter: "Selbst kurzfristig erwarten wir uns von einer entsprechenden IWF-Entscheidung keine relevanten Marktbewegungen, da eine positive Entscheidung des IWF von derMehrheit bereits erwartet wird und den Markt dementsprechend nicht überraschen sollte" Aufgrund der wachsenden weltwirtschaftlichen Bedeutung Chinas erwartet er, wird wohl auch die Wichtigkeit und Verbreitung der chinesischen Währung in den nächsten Jahren wachsen. Die Aufnahme des Yuan in den IWF-Währungskorb stellt damit aus Sicht von Raiffeisen keinen Durchbruch der diesen
Trend wesentlich beschleunigt und den US-Dollar negativ beeinflusst.

Wann könnte der Yuan tatsächlich auch zu größeren Kapitalumschichtungen führen?

Damit der Yuan tatsächlich auf Augenhöhe mit dem US-Dollar agieren kann, sind in China nach Einschätzung von Experten noch zahlreiche Reformen notwendig. Genau wie der Dollar und der Euro muss auch der Yuan dann auch völlig frei handelbar sein. Das ist bisher allerdings nur eingeschärnkt der Fall. Wie sehr der Kurs des Yuan schwankt, darüber entscheidet derzeit nicht der Markt, sondern großteils das komunistische Zentralkomitee Chinas. Doch diese Beschränkung soll aufgehoben werden. Einige Experten gehen davon aus, dass China schon im nächsten Fünf-Jahresplan, der 2016 in Kraft tritt, einen komplett freien Handel des Yuan festlegen könnte.