Chinas Börsen brechen ein: Ursachen und Ausblick

Chinas Börsen brechen ein: Ursachen und Ausblick

Ein schlechter Start ins neue Jahr: In China stürzten die Börsen um mehr als sieben Prozent ab und rissen auch Europa mit in den Strudel. Ein Überblick zu den Ursachen für Chinas Kursturbulenzen.

Am ersten Tag des neuen Jahres sind Chinas Börsen abgestürzt, was auch in Europa zu starken Kursverlusten führte. Nach einem Einbruch von mehr als sieben Prozent in Fernost verlor in Europa der Euro-Stoxx-50 kurz nach der Eröffnung 2,96 Prozent auf 3.170,74 Einheiten, der DAX in Frankfurt verlor 3,67 Prozent auf 10.348,97 Punkte. Der heimische Leitindex ATX gab 2,09 Prozent auf 2.346,90 Punkte nach.

In China wurde der Aktienhandel nach dem massiven Kursrutsch komplett gestoppt. Damit kam gleich am ersten Tag seiner Einführung ein neuer Schutzmechanismus zum Zug, der zu große Preisschwankungen an Chinas Aktienmärkten verhindern soll - der besagte Mechanismus wurde nach der Berg- und Talfahrt der Börsen im vergangenen Jahr von den chinesischen Behörden eingeführt. Bei Schwankungen um mehr als fünf Prozent wird der Handel für 15 Minuten ausgesetzt, während bei mehr als sieben Prozent eine Schließung für den Rest des Tages verfügt wird.

Schlechte Daten zur Konjunktur

Der schlechte Start folgt auf die Nachricht von einem unerwartet starken Rückgang der Industrieaktivitäten im Dezember, der darauf hindeutet, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft weiter an Schwung verliert. So fiel der Einkaufsmanagerindex (PMI) des Wirtschaftsmagazins "Caixin" von 48,6 auf 48,2 Punkte.

Der Wert liegt den zehnten Monat in Folge unter der Grenze von 50, was auf einen Rückgang der industriellen Fertigung hindeutet. Analysten hatten eigentlich eine Beruhigung der Lage erwartet. Der Index, der besonders die Stimmung in den Chefetagen kleiner und mittelgroßer privater Industrieunternehmen berücksichtigt, ist damit in sieben der vergangenen acht Monate rückläufig.

Chinas BIP: Wunsch und Wirklichkeit

Im zu Ende gegangenen Jahr 2015 dürfte die chinesische Wirtschaft nach Schätzungen der Zentralbank um 6,9 Prozent gewachsen sein - das wäre der geringste Anstieg seit 25 Jahren. Im Jahr 2014 betrug das Wirtschaftswachstum noch 7,3 Prozent. Heuer könnte das Wachstum auf 6,8 Prozent sinken, heißt es in einem Arbeitspapier der Zentralbank. Externe Stellen sind noch pessimistischer: Die Commerzbank rechnet für 2016 etwa mit nur 5,5 Prozent Wirtschaftswachstum.

Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte wiederum die Vorgabe gegeben, dass die Wirtschaft in den kommenden fünf Jahren im Schnitt um mindestens 6,5 Prozent wachsen und die Währung nicht wesentlich abgewertet werden soll. Um dieses Ziel zu erreichen, wären Konjunkturmaßnahmen notwendig - wie stark diese wirken, ist aber fraglich. Die Bank UBS erwartet vermehrte Kredite für Infrastrukturprojekte, aber kein massives Konjunkturpaket. Die Geldpolitik könnte allerdings gelockert werden; davon würde nicht nur die Realwirtschaft, sondern auch die Börsen profitieren.

Schwache Nachfrage - schwache Währung

China bekommt das Abkühlen der globalen Konjunktur und die daraus resultierende geringere Nachfrage nach chinesischen Gütern zu spüren. Ende 2014 wurde verkündet, dass die Überschüsse chinesischer Industrieunternehmen im November binnen Jahresfrist um 1,4 Prozent gefallen sind - das ist das sechste Minus in Folge.

Download: Länderprofil China der WKO

Meldungen wie jene aus der jüngsten Vergangenheit haben auch Auswirkung auf den Kurs des Yuan: "Je mehr negative Daten aus China gemeldet werden, desto wahrscheinlicher wird eine weitere Abwertung des Yuan", meint etwa Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. Eine weitere Abwertung des Yuan wird durch die Zinspolitik der US-Notenbank Fed herbeigeführt, welche den US-Leitzins nun schrittweise erhöht und so für eine Aufwertung des Dollars sorgt.

Für China ist dies ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite hat das Schwellenland große Schulden in Dollar, die durch die Aufwertung der US-Währung größer werden - ähnlich der Frankenkredite bei Österreichs Häuslbauern. Zudem ist eine Abwanderung von Kapital zu fürchten, da in den USA durch die höheren Zinsen sichere Anlagen attraktiver erscheinen als der volatile chinesische Aktienmarkt. Auf der anderen Seite profitieren chinesische Exporteure, da durch die Abwertung der Landeswährung chinesische Produkte im Ausland billiger werden.

Faule Kredite

Eine weitere Zeitbombe ist die schließlich die Gefahr einer Kreditblase in China. Denn die Kreditwelle seit der Finanzkrise 2009 zeigt sich zunehmend in Schulden und möglichen faulen Krediten - das entwickelt sich zu einem Risikofaktor für die Banken ebenso wie für europäische Unternehmen mit Asien-Fokus, bei denen wichtige Geschäftspartner im Reich der Mitte plötzlich zahlungsunfähig werden könnten.

Insgesamt ergibt sich für Chinas nahe Zukunft somit ein tristes Bild, bestehend aus einer Kreditblase, einer schwachen Landeswährung und einer nach wie vor schwächelnden globalen Konjunktur. Die goldenen Zeiten scheinen in Fernost vorerst vorbei zu sein, auch wenn selbst die von Pessimisten prognostizierten 5,5 Prozent aus europäischer Perspektive gigantisch erscheinen. Wer Trost in Bezug auf China sucht, der kann letztenendes in den Aberglauben flüchten: Denn am 8. Februar beginnt im chinesischen Kalender das Jahr des Affen - in diesem soll das Geschäft florieren, und Risiken sollen sich von selbst erledigen.

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