Chinas Börsen wieder mit Kursverlusten

Chinas Börsen wieder mit Kursverlusten

Auch am Dienstag gingen in China die Kurse auf Talfahrt. Die Wertpapieraufsicht ermittelt.

Nach dem Kursgemetzel vom Montag ging es tags drauf mit der Börse in China weiter auf Talfahrt. In Shanghai verlor der Alktienindex 1,7 Prozent. Die Zentralbank stellt einmal mehr Hilfen in Aussicht. Die Wertpapieraufsicht ermittlet. Sie geht Hinweisen auf einen "konzertierten Ausstieg auf Aktien" nach.

Peking/Shanghai. Nach dem schweren Kursrutsch vom Montag setzen die Behörden in China alles daran, die Aktienmärkte zu stabilisieren. Doch die Börsen schlossen trotz Stützungskäufen wieder im Minus. Die Talfahrt an Chinas Börsen weckt neue Sorgen um den Zustand der zweitgrößten Volkswirtschaft.

Der Composite Index in Shanghai verlor bis Handelsschluss 1,7 Prozent. Der Component Index in Shenzhen rutschte um 1,4 Prozent ab. Zu Handelsbeginn hatte das Minus an beiden Börsenplätzen noch rund vier Prozent betragen.

Aus Angst, die Hilfen der Regierung zur Stabilisierung der Märkte könnten bereits wieder verpufft sein, hatte sich am Vortrag eine Panik unter Anlegern breitgemacht. Die Börse in Shanghai fuhr mit einem Minus von 8,5 Prozent den größten Tagesverlust seit Februar 2007 ein.

Die Zentralbank des Landes stellte daraufhin am Dienstag neue Hilfen in Aussicht. Verschiedene Instrumente sollen genutzt werden, um in der zweiten Hälfte des Jahres für genügend Liquidität an den Märkten zu sorgen, wie es in einer Mitteilung des Instituts heißt. Diese Stützungszusagen der Regierung nach dem Kurssturz am Vortag haben heute den Ausverkauf an den Börsen gebremst und das Minus in halbwegs moderater Höhe gehalten.

Nach dem heftigen Kursrutschen hatte die Regierung schon am Montag Berichte dementiert, wonach sie die Rettungsversuche aufgegeben hätte. Die Behörden werden "die Bemühungen zur Stabilisierung der Märkte fortsetzen", sagte Zhang Xiaojun, Sprecher der chinesischen Börsenaufsicht CSRC.

Experten glauben zwar, dass eine ausgewachsene Finanzkrise in China weiterhin unwahrscheinlich ist. Ein anhaltendes Börsenbeben könnte sich aber auf das Wachstum des Landes auswirken. "Wenn es der Regierung nicht gelingt, das Vertrauen in die Märkte wieder herzustellen, wird China sein Wachstumsziel von sieben Prozent bis Ende des Jahres kaum erreichen", heißt es in einer Analyse der australischen ANZ Bank.

Zuletzt hatten Chinas Aktienmärkte eine extreme Berg- und Talfahrt hingelegt: Getrieben von Privatanlegern, die in großen Stil Aktien auf Kredit kauften, war der Leitindex in Shanghai binnen eines Jahres um über 150 Prozent gestiegen. Mitte Juni begann dann ein rasanter Kurseinbruch. Innerhalb von nur 18 Handelstagen verlor der Index 32 Prozent an Wert. Mit radikalen Eingriffen gelang es der Regierung, zunächst die Kurse zu stabilisieren.

Vor dem Hintergrund des Kursrutsches an Chinas Börsen hat die chinesische Zentralbank Spekulationen über eine möglicherweise engere Geldpolitik zurückgewiesen. Trotz der jüngsten Sorgen über eine höhere Inflation und einen starken Anstieg der Schweinefleischpreise um mehr als 20 Prozent seit März bleibe es bei der bisherigen "umsichtigen Geldpolitik".

Die Notenbank wolle die Strukturen für die Kreditvergabe verbessern, Finanzierungskosten senken, den Yuan stabil halten sowie "die Erwartungen für den Finanzmarkt stabilisieren und die Realwirtschaft ankurbeln", berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua aus einer Mitteilung.

Analysten rechnen angesichts des langsameren Wirtschaftswachstums und der Talfahrt an den Börsen auch vielmehr mit einer möglichen weiteren Senkung des Leitzinses oder der Mindestanforderungen für die Kapitalreserven der Banken. Die Verbraucherpreise waren in der ersten Jahreshälfte auch nur um 1,3 Prozent im Vorjahresvergleich gestiegen.

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Die Zentralbank senkte bereits die Zinsen auf ein Rekordtief, zudem setzten Behörden neue Börsengänge aus. Die chinesische Börsenaufsicht CSRC initiierte mit Geld der Zentralbank ein riesiges Kaufprogramm für Aktien. An der Börsen notierte Unternehmen erhielten zudem die Genehmigung, sich selbst vom Handel auszusetzen. Bis zu 50 Prozent der an den Börsen des Landes gehandelten Aktien waren zwischenzeitlich eingefroren.

Unter der Lupe

Chinas Finanzaufseher nehmen den Kurssturz an den Aktienmärkten zum Wochenanfang unter die Lupe. Die Wertpapieraufsicht CSRC habe bereits ein Team eingesetzt, das Hinweisen auf einen "konzentrierten Ausstieg aus Aktien" nachgehe, teilte ein Behördensprecher am Dienstag mit.

In China waren die wichtigsten Indizes am Montag um mehr als 8 Prozent eingebrochen und hatten damit den höchsten Tagesverlust seit Februar 2007 verbucht. Nach monatelangen Kursgewinnen hatte der chinesische Aktienmarkt bereits von Mitte Juni bis Anfang Juli rund 30 Prozent eingebüßt, sich aber in den vergangenen Wochen wieder erholt.

Nach dem erneuten Einbruch kündigte die Börsenaufsicht weitere Stützungskäufe an. Zugleich will die CSRC härter gegen Investoren vorgehen, die auf fallende Kurse wetten. Viele chinesische Anleger glauben, dass die Schuld für die Talfahrt bei ausländischen Investoren liegt.

Die Ansteckung

Auch die anderen Börsen in Asien haben im Zuge der Talfahrt von Chinas Börsen übweriegend verloren, wenn auch die Verluste weit geringer ausgefallen sind. Der Nikkei-225 Index in Tokio verlor um 21,21 Zähler oder 0,10 Prozent auf 20.328,89 Punkte. Auch die Märkte in Indien und Australien zeigten sich belastet. Der Sensex 30 in Mumbai tendierte zuletzt bei 27.511,80 Zählern mit minus 49,58 Punkten oder 0,18 Prozent. Der All Ordinaries Index in Sydney fiel 8,2 Zähler oder 0,15 Prozent auf 5.571,00 Einheiten.

Im Gegensatz zu Mainland China hat in Hogkong die Börse leicht gewinnen können. Der Hang Seng Index in Hongkong gewann um 151,98 Zähler (plus 0,62 Prozent) auf 24.503,94 Einheiten.

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