China greift ein: Kursverfall an Börse gestoppt

China greift ein: Kursverfall an Börse gestoppt
China greift ein: Kursverfall an Börse gestoppt

Der gebeutelte Hang Seng Index konnte sich heute wieder etwas Luft verschaffen.

Erleichterung an den Börsen: Massive Interventionen der chinesischen Aufsichtsbehörden und eine sechsmonatige Verkaufssperre für Aktionäre haben den dramatischen Preisverfall gestoppt. An den Chinas Börsen gab es ein leichtes Plus, auch die weiteren asiatischen Märkte haben davon profitiert.

Nach weiteren radikalen Schritten der Regierung ist der Kursverfall an den chinesischen Aktienmärkten vorerst gestoppt worden. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom Festland legte zuletzt 2,43 Prozent auf 3.752 Punkte zu, nachdem er im frühen Handel noch deutlich gefallen war. Der breitere Shanghai Composite stieg um 1,3 Prozent auf 3.552,78 Punkte.

In der Nacht auf Donnerstag hatten Chinas Aufsichtsbehörden neue, drastische Maßnahmen verkündet. So dürfen Anteilseigner, die Beteiligungen von mehr als fünf Prozent an einem Unternehmen halten, ihre Aktien in den nächsten sechs Monaten nicht veräußern, wie die Wertpapieraufsicht anordnete. Damit solle die "Stabilität an den Kapitalmärkten gewahrt" werden.

Zuletzt waren die Schwankungsbreiten an einzelnen Handelstagen extrem hoch. Ausschläge im zweistelligen Bereich waren dabei keine Seltenheit. Bis auf wenige Ausnahmen ging es dabei in den vergangenen Wochen immer nach unten.

Angesichts des vorerst abgebremsten Kursverfalls an den chinesischen Aktienmärkten hat die Börse in Tokio ihre anfangs schweren Verluste wettgemacht. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stieg um 117,86 Punkte oder 0,6 Prozent auf den Schlussstand von 19.855,5 Zählern. Zuvor hatte das wichtigste japanische Börsenbarometer im Handel noch 620 Punkte abgeben müssen. Auch Europas Börsen haben angesichts der Rally in China Gewinne abgeworfen.

Kampf gegen den Kursverfall

Chinas Regierung und Notenbank versuchen seit einiger Zeit verzweifelt, den Kursverfall von rund einem Drittel seit Mitte Juni zu bremsen. Der Marktwert der an den chinesischen Börsen notierten Unternehmen sank dabei um rund 3,9 Billionen Dollar (3,5 Billionen Euro). Während der Kursrutsch in China bisher von Experten größtenteils als regionales Problem und Korrektur der vor allem im April und Mai stattgefundenen Überhitzung angesehen wurde, griff die Verunsicherung in den vergangenen Tagen verstärkt auf andere Märkte über. Die Sorgen über die Auswirkungen auf Chinas Wirtschaft und damit die Konjunktur weltweit sind zuletzt gestiegen.

Charts des Grauens: Die Entwicklung der wichtigsten chinesischen Aktienindizes.

Kopfzerbrechen bereitet den Experten auch die Tatsache, dass die staatlichen Eingriffe bisher kaum wirkten. So sind die am Wochenende und Mittwoch verkündeten Schritte wie der Stopp von Börsengängen oder Geldspritzen der Notenbank schnell verpufft.

Im Jahr vor dem jetzigen Kursverfall war der Aktienmarkt meist durch spekulative Aktienkäufe auf Pump um weit mehr als 100 Prozent in die Höhe getrieben worden. Und auch in diesem Jahr liegen die meisten Indizes trotz des Minus der vergangenen Wochen noch leicht im Plus.

Aktien vom Handel ausgesetzt

Rund die Hälfte aller gelisteten Aktien ist mittlerweile allerdings vom Handel ausgenommen. Die Zahl der chinesischen Unternehmen, die angesichts der starken Kursrückgänge nicht mehr gehandelt werden wollen oder sollen, stieg um 194 auf 1.439, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete. Um den Markt weiter zu stabilisieren, kauften große Staatsunternehmen wie der Ölkonzern Sinopec oder der Kohlekonzern Shenhua im großen Stil eigene Aktien auf.

Zudem versprach die Zentralbank der China Securities Finance Corporation, die Kredite der Wertpapierfirmen finanziert, am Donnerstag erneut ausreichend Geldmittel. Das staatliche Finanzorgan hat 21 Wertpapierhäusern bereits 260 Mrd. Yuan (rund 38 Mrd. Euro) für den Aufkauf von Aktien zur Verfügung gestellt, wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Am Vortag war der Bedarf auf mehr als 500 Milliarden geschätzt worden.

Wirtschaft schwächelt

Auch am Commodity-Sektor war in China zuletzt nichts zu holen.

Weitere schlechte Nachrichten kamen unterdessen von der Preisfront in China, die mangelnde Nachfrage und anhaltende Schwäche der Wirtschaft signalisierte. So setzten die Erzeugerpreise nach Angaben des Pekinger Statistikamtes im Juni mit Minus 4,8 Prozent ihren seit drei Jahren anhaltenden Rückgang fort. Die Inflation lag mit 1,4 Prozent etwas höher als erwartet. In der ersten Jahreshälfte stieg der Verbraucherindex aber damit auch nur um 1,3 Prozent. Das Regierungsziel von 3 Prozent ist damit in weiter Ferne. Andererseits gibt dies der Notenbank Spielraum für weitere Maßnahmen.

Die Börsenkrise in China wird an den internationalen Märkten auch deshalb mit Sorge verfolgt, da langfristige Auswirkungen auf das Wachstum und die geplanten wirtschaftlichen Reformen im Reich der Mitte befürchtet werden. Einige Experten warnten vor weiteren staatlichen Eingriffen in den Markt, sahen notwendige Korrekturen und eine Lehre für all jene, die zu hohe Risiken eingegangen seien.

Commodity-Märkte: Nur Gold war seit Jahresbeginn 2015 annähernd wertstabil.

Nicht nur Aktien- auch Anleiheninvestoren sollten auf der Hut sein, warnt etwa Brandywine Global: „Das Wachstum in China wird strukturell bedingt weiter zurückgehen. Und das preisen die meisten Anleger derzeit nicht richtig ein.“ Einzelhandel, Schienenfahrzeuge, Autos – überall seien die Verkaufszahlen nicht nur rückläufig, sondern hätten neue Tiefstände erreicht. Und auch der chinesische Erzeugerpreisindex gehe schon seit rund 36 Monaten zurück. „Bleibt strukturelles Wachstum aus und zieht auch der Binnenkonsum nicht wieder an, könnte das schwache Wirtschaftswachstum in China sogar einen Dominoeffekt auf andere Schwellenländer haben“, glaubt Gary Herbert, Global Credit Portfoliomanager von Brandywine.

Die Erzeugerpreise sind in China seit mittlerweile 37 Monate rückläufig, auch die Inflation der Verbraucherpreise niedriger als 2012 in den USA. Zudem liegen die kurzfristigen Zinsen bei zehn Prozent. Das ist erstaunlich, denn China koppelt seine Währung nach wie vor an den US-Dollar. Nun drückt China zwar den Alarmknopf, auf die Politiker wartet jedoch noch jede Menge Arbeit. "Wenn sie nicht Zinsen senken und die Finanzierungskosten für die Privatwirtschaft reduzieren, birgt dies ein ernstzunehmendes Risiko für den Markt", warnt Brandywine.

Börse

Schwache Dividendenrendite bei Österreichs Börsecompanys

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt