China hält auch Europas Börsen in Atem

China hält auch Europas Börsen in Atem

Der Shanghai-Composite verbuchte im Juli mit 14,3 Prozent den höchsten Monatsverlust seit sechs Jahren; nun geht an Europas Börsen die Angst vor einem Dominoeffekt um, wenn die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt weiter an Schwung verliert. Außerdem sorgen die Fed und Griechenland weiter für Ratlosigkeit bei den Anlegern.

Die Angst vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Konjunktur dürfte in der neuen Woche für einen unruhigen Handel an den europäischen Aktienmärkten sorgen. "Für den Dax ist entscheidend, ob es weitere Störfeuer aus Peking gibt", sagt NordLB-Analyst Tobias Basse. Nach Einschätzung von MM-Warburg-Stratege Carsten Klude fragen sich viele Anleger derzeit, ob die jüngsten Kursverluste an den chinesischen Börsen nicht doch ein Indiz dafür sein könnten, dass die wirtschaftliche Dynamik im Reich der Mitte schwächer ist, als es die offiziellen Konjunkturdaten und Wachstumsprognosen vermuten lassen. Der Shanghai-Composite verbuchte im Juli mit 14,3 Prozent den höchsten Monatsverlust seit sechs Jahren. Auf Wochensicht kam er auf einen Abschlag von zehn Prozent.

Sollte China eine Rezession drohen, habe die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt das Potenzial, den Rest der Welt mit sich zu ziehen, fasst Klude die Ängste der Investoren zusammen. Ein wahrscheinliches Szenario sei das jedoch nicht. Viele Anleger gingen in den vergangenen Tagen dennoch auf Nummer sicher und ließen die Finger von Aktien. Der Dax verlor auf Wochensicht bis Freitagmittag rund 0,8 Prozent auf 11.250 Zähler.

Auch USA halten Anleger auf Trab

Die chinesische Regierung versucht derzeit, mit zusätzlichen staatlichen Maßnahmen das Börsenbeben in den Griff zu bekommen. Zudem kündigte die Wertpapieraufsicht CSRC an, die Auswirkungen des automatisierten Handels auf den Markt zu prüfen. Einschränkungen seien bereits beschlossen. "Sollte sich die Lage am chinesischen Markt endlich stabilisieren, dürfte auch hierzulande erst einmal Durchatmen angesagt sein," sagt ein Börsianer.

Neben der chinesischen Wirtschaft hält derzeit auch die US-Zinspolitik die Anleger auf Trab. Mit Spannung warten Investoren daher vor allem auf die zahlreichen Konjunkturdaten, die in der neue Woche aus den USA anstehen. Commerzbank-Analyst Christoph Balz geht davon aus, dass die ISM-Einkaufsmanagerindizes (Montag, Mittwoch) und der Arbeitsmarktbericht (Freitag) zeigen, dass die US- Wirtschaft gut ins dritte Quartal gestartet ist. "Damit würde sich die Waagschale weiter in Richtung einer baldigen Zinserhöhung der Fed neigen," prognostiziert der Experte. Bislang haben die Währungshüter um Fed-Chefin Janet Yellen konkrete Aussagen zum Zeitpunkt der Zinswende vermieden. Viele Experten rechnen im September mit einer ersten Erhöhung. Die Wall Street scheint sich mit dem Gedanken einer strafferen Geldpolitik immer mehr anzufreunden: Für den Dow-Jones-Index ging es in der abgelaufenen Woche gut ein Prozent nach oben.

BILANZREIGEN GEHT IN DIE HEIßE PHASE

Unter den Einzelwerten dürfte die Flut an Unternehmensbilanzen für reichlich Bewegung sorgen: Aus dem Dax lassen sich unter anderem die Commerzbank (Montag), die Deutsche Telekom (Donnerstag), die Allianz (Freitag) und BMW in die Bücher schauen. Die Zahlen des Münchener Autobauers dürften die Anleger am Dienstag vor allem daraufhin abklopfen, wie sich das Geschäft in China entwickelt hat. VW und dessen Oberklassetochter Audi hatten Mitte der Woche wegen der Schwäche in China bereits ihre Absatzprognose für 2015 gesenkt. Aus der zweiten Reihe legen unter anderem der Modekonzern Hugo Boss, das Rüstungsunternehmen Rheinmetall, der Stahlhändler Klöckner & Co und der Autozulieferer Elringklinger ihre Zwischenbilanzen vor. In Österreich legen Börsenindex-Schwergewichte wie Voest, OMV, Post und Erste Group ihre Halbjahreszahlen auf den Tisch.

Gespannt warten die Anleger auch darauf, ob der Handel in Athen nach einer fünfwöchigen Zwangspause wieder aufgenommen wird. Die Börse war angesichts der Zuspitzung der Schuldenkrise Ende Juni geschlossen worden. Nun will die Regierung den Handel mit Aktien für ausländische Investoren wieder zulassen - Griechen soll dagegen untersagt werden, Geld von ihren heimischen Konten zum Kauf von Aktien zu verwenden. Die Geldinstitute hatten zuletzt noch Probleme, die geplanten Beschränkungen für einheimische Investoren umzusetzen.

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