China-Börsen trotz starker Konjunkturzahlen auf Talfahrt

China-Börsen trotz starker Konjunkturzahlen auf Talfahrt

Selbst solide Konjunkturdaten können den Börsen in China einen neuen Auftrieb geben - das Bangen der Anleger geht weiter.

Die stabilen Wirtschaftsdaten haben vorläufig keinen positive Effekt für die chinesischen Börsen. Die Leitindices sind um rund vier Prozent gefallen. Dennoch sind die jüngsten Daten ein Hoffnungsschimmer für die Wirtschaft in China.

Die Aktienmärkte in China haben ihre Talfahrt trotz des stabilen Wirtschaftswachstums in der Volksrepublik fortgesetzt. Die Leitindizes der Börsen in Shanghai und Shenzhen fielen am Mittwoch um jeweils mehr als vier Prozent. Wie schon im ersten Quartal dieses Jahres wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes auch in den vergangenen drei Monaten um sieben Prozent. Analysten hatten mit einem leichten Rückgang auf 6,9 Prozent gerechnet.

Weit positiver war das Echo auf die neuesten Konjunkturdaten an den Börsen in Japan. In Tokio sorgten die Daten dagegen für Zuversicht.Der Tokioter Leitindex Nikkei mit seinen 225 führenden Werten schloss 0,4 Prozent höher bei 20.463 Punkten. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans trat auf der Stelle.

"Die Verbindungen zwischen Konjunkturdaten und dem Markt haben sich etwas gelockert", sagte Analyst Zhang Qi vom Vermögensverwalter Haitong Securities zum Börsengeschehen in China. Investoren interessierten sich derzeit eher für Maßnahmen der Politik zur Stabilisierung der Finanzmärkte. Nach einer Hausse in der ersten Jahreshälfte sind die chinesischen Börsen in den vergangenen Wochen um rund ein Drittel eingebrochen. Die Regierung hatte mit drastischen Maßnahmen gegengesteuert. Unter anderem wurden rund die Hälfte aller Börsenwerte vom Handel ausgesetzt.

Der im Juni begonnene Börsencrash in China - der zeitweise fast vier Billionen Dollar (3,6 Billionen Euro) Marktwert vernichtete - löste Sorgen aus, dass die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ins Schlingern gerät.

Der Hoffnungsschimmer

Die jüngsten Daten für Juni sind ein Hoffnungsschimmer: Die Einzelhandelsumsätze stiegen kräftig um 10,6 Prozent. Die Industrieproduktion wuchs um knapp 7 Prozent. Der private Konsum steuerte im gesamten ersten Halbjahr 60 Prozent zum Wachstum bei, nachdem es 2014 51,2 Prozent waren. "Es ist gut möglich, dass die Wirtschaft bis Ende des Jahres weiter anzieht", sagte He.

Auch die Investitionen zogen zuletzt stärker als erwartet an, während die Exporte unter der weltweit schwächelnden Nachfrage leiden. Die Regierung strebt auch für das Gesamtjahr 2015 ein Wachstum von sieben Prozent an - es wäre das schwächste seit einem Vierteljahrhundert. Um die Konjunktur anzuschieben, senkte die Zentralbank zuletzt mehrfach ihren Leitzins.

Andere Experten äußerten sich weniger zuversichtlich. Sie glauben, das tatsächliche Wirtschaftswachstum sei bereits klar unter die offiziell verbreiteten Zahlen auf 5 oder 6 Prozent gefallen.

Die Punktlandung

Ministerpräsident Li Keqiang hatte für dieses Jahr ein Wachstumsziel von rund 7 Prozent ausgegeben - das nun bereits zum zweiten Mal punktgenau getroffen wurde. Allerdings ist auch das für chinesische Maßstäbe eine sehr geringe Marke. Im vergangenen Jahr hatte das Land mit 7,4 Prozent das schwächste Wachstum in 24 Jahren verzeichnet. Zuvor war die Wirtschaft meist zweistellig gewachsen.

Chinas Wachstumsmodell müsse auf ein neues Fundament gestellt werden, sagte ein Sprecher des Statistikamtes. Die Regierung will die Wirtschaft auf einen nachhaltigeren Kurs bringen. Der Binnenkonsum soll gestärkt und die Exportabhängigkeit verringert werden.

Bereits im Mai hatte Chinas Staatsrat für diesen Zweck neue Industriepläne vorgestellt. Das Programm mit dem Titel "Made in China 2025" soll dafür sorgen, dass die Ökonomie der Volksrepublik radikal modernisiert wird. Das Land will sich innerhalb der nächsten zehn Jahre von der Werkbank der Welt zu einer innovativen Industrie wandeln.

Blck in die USA

Neben der Konjunktur rückt auch die US-Geldpolitik wieder in den Mittelpunkt des Interesses. Am Nachmittag tritt Notenbankchefin Janet Yellen zu ihrer halbjährlichen Anhörung vor den US-Kongress. Börsianer erhoffen sich von ihren Aussagen Hinweise auf den Zeitpunkt der anstehenden US-Zinserhöhung.

Darüber hinaus schauten Anleger ein weiteres Mal nach Griechenland. Dort muss das Parlament im Tagesverlauf erste Reformen verabschieden, die ihm Rahmen der Einigung auf ein drittes Hilfspaket von den internationalen Geldgebern verlangt werden.

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