China: Börse bricht nach Yuan-Abwertung erneut ein

China: Börse bricht nach Yuan-Abwertung erneut ein
China: Börse bricht nach Yuan-Abwertung erneut ein

An Chinas Börsen nehmen die Anleger reißaus.

Die chinesische Regierung wertet den Yuan ab. Die Folge: Die chinesische Börse stürzt ab, Europas Börsen geraten in den Abwärtssog. Der Dax stürzt unter die 10.000-Punkte-Marke. Die Preise für Öl und Industriemetalle sind auf Talfahrt. Nur der Goldpreis kann leicht zulegen. Wie Experten die künftige Entwicklung einschätzen.

Die Notenbank in China (PBoC) bringt die Börsen weltweit in Turbulenzen. Die Chinesische Volksbank (People's Bank of China) hat ihre Währung, den Yuan, heute um weitere 0,5 Prozent abgewertet und den Mittelwert des chinesischen Yuan (CNY) zum Dollar auf 6,5646 Yuan festgelegt (--> Aktueller Wechselkurs EUR/CNY). Es war zudem der achte Tag in Folge, an dem Chinas Notenbank ihre Währung schwächte. Grund ist die schwache Konjunktur. Chinas Wirtschaft ist 2015 mutmaßlich "nur" um etwa sieben Prozent gewachsen. Für Industrieländer wie Deutschland wäre das ein gigantisches Plus, für China indes wird es wohl der geringste Zuwachs seit einem Vierteljahrhundert.

Kürzeste Handelstag der Geschichte Chinas

Die Reaktion der Börsianer folgte auf dem Fuß. Der Shanghai Leitindex CIS 300 (ISIN CNM0000001Y0) der 300 führenden Titel Chinas sackte um rund sieben Prozent ab. Bereits am ersten Handelstag des neuen Jahres hatte der CIS 300 in dieser Größenordnung an Wert verloren.

Ein noch höherer Börsenabsturz wurde heute wohl nur verhindert, da der neu eingeführte Schutzmechanismus zum Einsatz kam. Zuerst erfolgt eine 15-minütige Unterbrechung und dann bei einem Minus von mehr als sieben Prozent erfolgt ein völliger Abbruch des Handels. Die chinesischen Festland-Börsen hatten mit 30 Minuten den kürzesten Handelstag in ihrer 25-jährigen Geschichte. Betroffen davon sind Aktien des CSI 300.

Die Turbulenzen an Chinas Börsen haben diese Woche schon weltweit Schockwellen ausgelöst. Die chinesische Regierung pumpte Milliarden in den Markt, um die Kurse zu stützen. Diese Intervention hatte allerdings nur kurzfristig Erfolg. Mittlerweile sind die Milliarden verpufft.

Yuan auf Tiefstand, großer Abverkauf steht bevor

Aus Furcht vor einer Abkühlung hatten zuletzt am Mittwoch weitere Anleger Geld aus dem Land abgezogen. Dies hatte den Yuan an den ausländischen Börsen auf den tiefsten Stand seit Einführung des Handels 2010 gedrückt. Ein Dollar hatte sich um bis zu 1,3 Prozent auf 6,7310 Yuan verteuert. An den Handelsplätzen in Festland-China kostete die US-Währung am Mittwoch zeitweise 6,5602 Yuan. Das ist der höchste Stand seit knapp fünf Jahren.

Der Unterschied (Spread) dieser beiden Kurse war zeitweise so hoch wie noch nie. Der große Ausverkauf drohe aber noch, hatte etwa Gian Marco Salcioli, Devisenexperte der Bank Intesa Sanpaolo, gesagt. Bislang hätten sich die in China engagierten Unternehmen mit Yuan-Verkäufen zurückgehalten. "Aber wenn der Wechselkurs fällt, sind die Investitionen in Gefahr." Bei einer Abwertung drohen Verluste im China-Geschäft und Abschreibungen in den Firmenbilanzen.

Experten gehen davon aus, dass die People's Bank of China eine weitere Abwertung ihrer Währung tolerieren wird, um die Waren chinesischer Unternehmen auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger zu machen und die schwächelnde Konjunktur anzukurbeln.

Ölpreis im freien Fall

Angesichts der Turbulenzen nahm der Verfall der Ölpreise neue Fahrt auf. Nordseeöl der Sorte Brent (--> Aktueller Ölpreis BRNT) verbilligte sich um bis zu sechs Prozent auf 32,16 Dollar (29,9 Euro) je Barrel (159 Liter) und kostete damit so wenig wie zuletzt Anfang April 2004. Der Preis für das US-Öl WTI rutschte in der Spitze um 5,5 Prozent auf ein Zwölf-Jahres-Tief von 32,10 Dollar je Fass ab. Die Aussicht auf ein anhaltendes Überangebot macht dem Ölpreis seit Monaten zu schaffen.

Wegen der weltweiten Überproduktion und des Kampfs der Förderländer um Marktanteile hat sich Rohöl seit Mitte 2014 um etwa zwei Drittel verbilligt. Verschärft wurde der Preisrutsch zuletzt noch durch die zunehmenden Spannungen zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran über den Jahreswechsel. Experten zufolge wird dadurch eine gemeinsame Linie des Ölkartells OPEC zum Abbau des Überangebots nun noch unwahrscheinlicher.

Deutlich ins Wanken gerieten auch die Preise für die Industriemetalle. Kupfer, das vor allem in der Bauindustrie verwendet wird, kostete mit 4.488 Dollar je Tonne zeitweise knapp drei Prozent weniger - 2015 war der Preis bereits um 25 Prozent eingebrochen. Zink und Nickel verbilligten sich in der Spitze jeweils um 4,6 und 3,5 Prozent auf 1.475 und 8.310 Dollar je Tonne. Der Abwärtsdruck auf die Metallpreise sollte angesichts der Sorgen um China erst einmal anhalten, prognostizierte Ivan Szpakowski, Analyst bei der Citi in Hongkong.

Der Preis für Palladium, das vor allem in Autokatalysatoren verbaut wird und daher ebenfalls besonders konjunkturempfindlich ist, fiel um bis zu 2,4 Prozent auf eine Fünfeinhalb-Jahres-Tief von 495 Dollar je Feinunze.

Gold etwas teurer

Der Goldpreis fand dagegen nur schwer eine Richtung. Das Edelmetall, das gern in Krisenzeiten angesteuert wird, verteuerte sich in der Spitze um 0,8 Prozent auf ein Neun-Wochen-Hoch von 1.102 Dollar je Feinunze. Im späteren Handelsverlauf rutschte der Preis dann allerdings knapp ins Minus.

Flucht und Kursrutsch

Zu den starken Verlusten hatte zuletzt auch die Sorge beigetragen, dass Großaktionäre sich im großen Stil von ihren Papieren trennen könnten. Die Börsenaufsicht hatte daraufhin neue Regeln angekündigt. Am Donnerstag erklärte sie nun, künftig dürften Großaktionäre nur alle drei Monate maximal ein Prozent der Anteile eines Unternehmens verkaufen. Zudem müsse der Verkauf 15 Handelstage vorher angekündigt werden. Das solle zur Stabilisierung der Märkte beitragen.

Auch die asiatischen Börsen wurden am Donnerstag mit in die Tiefe gerissen. Der japanische Leitindex Nikkei (ISIN XC0009692440) schloss erstmals seit Oktober unter der psychologisch wichtigen Marke von 18.000 Punkten. Der japanlastige Sammelindex Stoxx 600 Asia/Pacific (ISIN CH0111485170) gab zuletzt um 2,07 Prozent auf 159,58 Punkte nach.

Europäische Anleger reagieren

Die europäischen Aktienmärkte haben am Dienstag klar im Minus eröffnet. Auslöser für die deutlichen Kursverluste war der neuerliche Kursrutsch an den chinesischen Börsen.

Der 50 wichtige Unternehmen der Eurozone umfassende Euro-Stoxx-50 (ISIN EU0009658145) lag gegen 9.30 Uhr satte 2,62 Prozent im Minus. An der Wiener Börse rutschte der heimische Leitindex ATX (ISIN AT0000999982) um 3,46 Prozent ab. In Frankfurt fiel der DAX (ISIN DE0008469008) deutlich unter 10.000 Punkte und notierte zuletzt mit einem Minus von 3,14 Prozent bei 9.893,49 Zählern.

Chinas Schwäche

Experten sehen den neuerlichen Einbruch an der Börse und die Yuan-Abwertung als kein gutes Vorzeichen für die weitere Entwicklung. Diese könnte auf eine noch größere Schwäche der chinesischen Wirtschaft hindeuten als aus offiziellen Statistiken hervorgehe, sagte ein Analyst. Der gesunkene Währung macht es für Investoren unattraktiver ihr Geld in China zu veranlagen und schichten es nun in den sicheren Dollar um.

Auch Investoren-Legende George Soros ist besorgt über die Entwicklung, die sich auf sämtliche Asien-Märkte auswirkt, so Soros auf einer Investorenkonferenz in Sri Lanka. Die globalen Märkte stehen seiner Ansicht nach einer Krise gegenüber. Er rät Investoren zur Vorsicht. Das Problem aus seiner Sicht: China hätte Schwierigkeiten ein neues Wachstumsmodel zu finden. Das würde auch den Rest der Welt mit hineinziehen. Auch die eben erfolgte Zinsanhebung stellt die Schwellenländer vor Schwierigkeiten. Sein Urteil: "Die aktuellen Ereignisse erinnern mich an die Krise, die wir im Jahr 2008 erlebt haben."

Schwarze Börsentage

Schwarze Börsentage sind der Albtraum eines jeden Aktienanlegers. Wenn Kurse - oft binnen weniger Sekunden - ins Bodenlose fallen, liegt dies meist an schweren wirtschaftlichen oder politischen Krisen. Nachfolgend eine Auswahl der größten Kursstürze an den internationalen Aktienbörsen in den vergangenen 30 Jahren:

  • 19. Oktober 1987 Am "Schwarzen Montag" bricht der US-Standardwerte-Index Dow Jones um 22,6 Prozent ein. Das ist der größte Tagesverlust seiner Geschichte. Die Panikverkäufe breiten sich schnell auf alle wichtigen internationalen Handelsplätze aus. Der Tokioter Leitindex Nikkei rauscht nach dem Crash an den US-Börsen um knapp 15 Prozent in die Tiefe. Der Londoner Auswahlindex FTSE verbucht mit knapp elf Prozent lediglich den zweitgrößten Tagesverlust seiner Geschichte. Tags darauf beschleunigt er jedoch seine Talfahrt und verliert gut zwölf Prozent.
  • 16. Oktober 1989 Der deutsche Leitindex Dax, der erst 1988 aus der Taufe gehoben wurde, fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösen.
  • 23. Mai 1995 Die Furcht vor Eingriffen der Regierung in den chinesischen Aktienmarkt lässt den Shanghai-Composite um 16,4 Prozent abstürzen.
  • 6. Oktober 20085 Kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers wird die Unsicherheit an den Aktienmärkten immer größer. Der italienische Leitindex verbucht mit einem Abschlag von mehr als acht Prozent seinen größten Tagesverlust, der Leitindex der portugiesischen Börse gibt knapp zehn Prozent nach. Der EuroStoxx50 fällt um acht Prozent. An der Wall Street geht es ebenfalls bergab, allerdings nicht ganz so stark: Der Dow-Jones-Index gibt 3,6 Prozent nach.
  • 3. August 2015 Am ersten Tag nach der fünfwöchigen Zwangspause stürzt die Athener Börse ins Bodenlose. Der Leitindex verbucht mit einem Minus von 16 Prozent den größten Tagesverlust seiner Geschichte. Die Athener Regierung hatte die Börse Ende Juni geschlossen, als die monatelangen Verhandlungen um die Bedingungen für weitere Finanzhilfen kurz vor dem Scheitern standen.
  • 24. August 2015 Angesichts der Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in China rutschen die Börsen rund um den Globus immer weiter ab. Der Shanghai Composite Index bricht um 8,5 Prozent ein. Der Dax verliert in der Spitze 7,8 Prozent auf 9338,20 Punkte. An der Wall Street stürzt der Dow-Jones-Index zeitweise um 6,6 Prozent und der Nasdaq-Composite sogar um bis zu 8,8 Prozent ab.
  • 07. Januar 2016 Die neuerliche Abwertung der chinesischen Landeswährung lässt die Aktienbörsen in der Volksrepublik wanken. Der Handel wird das zweite Mal binnen weniger Tage per Notbremse gestoppt, nachdem die Leitindizes um sieben Prozent abgesackt sind. Die Sitzung dauerte weniger als eine halbe Stunde und war damit der kürzeste Börsentag in Chinas Geschichte. Der Dax rauscht das erste Mal seit Oktober wieder unter die 10.000-Punkte-Marke und gibt zeitweise knapp vier Prozent nach.

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