Brandherd China: Warum das Land auf dem Vulkan tanzt

Brandherd China: Warum das Land auf dem Vulkan tanzt

Warum die Kurse abstürzen, mit welchen Risiken die chinesische Wirtschaft konfrontiert ist und warum der Kursverfall auch andere Volkswirtschaften bedroht.

Neue Absatz-Tiefstände

Nach langen Jahren stürmischen Wachstums liegt die einstige Wachstumslokomotive China am Boden. Einzelhandel, Schienenfahrzeuge, Autos – überall sind die Verkaufszahlen in China nicht nur rückläufig, sondern haben neue Tiefstände erreicht. Auch die chinesischen Erzeugerpreise gehen seit 36 Monaten zurück. „Bleibt strukturelles Wachstum aus und zieht der Binnenkonsum nicht wieder an, könnte das schwache Wirtschaftswachstum einen Dominoeffekt auf andere Länder haben“, urteilt Gary Herbert, Portfoliomanager von Legg Mason.

Dramatische Auswirkungen durch schuldenfinanzierte Investitionen

Dabei hat der Staat einiges getan, um das lahmende Wachstum am Leben zu erhalten. So hat der Staat Milliarden investiert und in die Märkte gespült - und sich dafür haushoch verschuldet. Auch die Bürger wurden zum Geldausgeben animiert. Sie wurden durch billige Kredite dazu verführt Aktiendepots zu eröffnen und sich zu verschulden. Ein Anreiz, der gut ankam und die Börsen innerhalb eines Jahres um rund 150 Prozent in die Höhe jagte. „Die Konsequenzen aus diesen schuldenfinanzierten Investments werden jetzt durch das Platzen der Aktienblase auf dramatische Weise spürbar“, so Ole Hansen,Börsenexperte bei der Saxo Bank. Nicht nur in China, wo Millionen von Investoren gerade versuchen ihre Verluste zu minimieren und ihre Aktien zu verkaufen, sondern weltweit. Inzwischen hat die Börse von Shanghai innerhalb der letzten drei Wochen einen Verlust von 33 Prozent eingefahren.

China Gefahr für andere Volkswirtschaften

80 Millionen chinesische Investoren spüren jedenfalls bereits jetzt die unmittelbare Wirkung dieser Korrektur. Doch auch für die übrige Welt sind die Folgen deutlich. „Griechenland ist für die EU ein langsam brennendes Feuer, wo das Risiko einer Ausbreitung besteht. In China ist das Risiko direkter und stellt eine eindeutige Gefahr für Australien und andere Volkswirtschaften dar, die stark auf den Rohstoffexport nach China angewiesen sind. „Die Risiken für Chinas Stabilität sind also viel schneller spürbar und die ohnehin fallenden Rohstoffpreise kommen zusätzlich unter Druck", so Börsenexperte Hansen. Eisenerz, das insbesondere stark auf das chinesische Wirtschaftswachstum angewiesen ist, hat allein gestern rund zehn Prozent eingebüßt.

Immo-Fehlinvestitionen haben die Wirtschaft in die Tiefe gerissen

Als Ursache für den Absturz der chinesischen Wirtschaft gelten zudem auch diverse Fehlinvestitionen wie die gigantischen Investitionen in Immobilien, die sich keiner mehr leisten kann und die ohne die Nachfrage zu eruieren in die Höhe gezogen wurden. Weiterer Grund: Hohe Investitionen in Rohstoffmärkte. Aus diesen Gründen müssen in China viele Branchen und staatseigene Unternehmen völlig umstrukturiert werden. "Diese Faktoren bilden derzeit das größte Risiko für das weltweite Wirtschaftswachstum", so Herbert von Legg Mason

Auch die lange Zeit zu restriktive Währungspolitik gilt als Ursache für die schlechte Situation der chinesischen Wirtschaft: „China hat mit seiner Lockerungspolitik zu spät begonnen. Nun drückt China zwar den Alarmknopf, auf die Politiker wartet jedoch noch jede Menge Arbeit. Denn wenn sie nicht weiterhin die Zinsen senken und die Finanzierungskosten für die Privatwirtschaft reduzieren, birgt dies ein ernstzunehmendes Risiko für den Markt“, warnt Herbert.

Währungen vor Abwertung?

Ein weiteres Risiko ist, dass Schwellenländer wie China, einfach ihre Währung abwerten, wenn die stimulierende Wirkung der chinesischen Währungspolitik nicht greift. „Wir haben große Bedenken, dass einige der Schwellenländer ihre Währungen gegenüber dem US-Dollar, dem britischen Pfund und eventuell auch gegenüber dem Euro abschwächen werden, wenn die chinesischen Währungspolitik versagt“, warnt Legg-Mason-Portfoliomanager Herbert. Derzeit zählen der US-Dollar, der Schweizer Franken und der chinesische Yuan zu den stärksten Währungen der Welt. China koppelt seine Währung nach wie vor an den US-Dollar, wenn auch nicht mehr so eng.

Verläuft Transformationsprozess zu langsam?

Zu den großen Herausforderungen zählt auch, „dass sich die chinesische Wirtschaft mehr an das westliche nachfragegetriebene Wirtschaftssystem anpasst, da sich die Volksrepublik nicht mehr länger auf ein rein investmentgetriebenes Wachstum verlassen kann“, erläutert Hansen von der Saxo Bank.
„Wie erfolgreich China in Zukunft die Restrukturierung des Marktes hinbekommt, wird die Höhe der Kapitalzuflüsse bestimmen“, glaubt Didier Saint-George, Anlagestrategie von Carmignac. Hat die chinesische Regierung Erfolg, würde das bedeuten, sie hat die Abschwächung der Industrieproduktion in den Griff bekommen, den Abbau der Kreditblase und die extreme Volatilität der heimischen Aktienmärkte.“ Saxo-Experte Hansen ist jedoch skeptisch: „Unsere größte Sorge gilt der Tatsache, dass die Transformation der chinesischen Wirtschaft hin zu einer konsumgetriebenen Ökonomie zu langsam verläuft.“

Noch mehr staatliche Maßnahmen nötig?

Damit die Probleme nicht noch stärker ausufern, setzen Experten auf weitere staatliche Hilfe. Bisher sind die kurzfristigen Maßnahmen der Chinesischen Volksbank zwar erfolglos geblieben. „Das lässt uns zum Schluss kommen, dass noch mehrere Versuche nötig sind, um diesen Kurs zu stoppen, bevor aus einem Finanzproblem ein politisches Problem für die Herrscher in Peking wird“, sagt Hansen.

Trotz dieser Risiken erwartet Saint-George, dass sich der Anteil chinesischer Aktien in den weltweiten Indizes verdoppeln wird. Trotz des Kurverfalls ist China binnen weniger Jahr zum drittgrößten Aktienmarkt der Welt aufgestiegen. „Wird dieser Tatsache auch im weltweiten Aktienindizes wiedergespiegelt, eröffnen das beachtliche Anlagemöglichkeiten“, so der Anlagestratege von Carmignac.

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