Börsengang soll Zalando 633 Millionen Euro einbringen

Börsengang soll Zalando 633 Millionen Euro einbringen

Zalando Management Board David Schneider (L-R), Rubin Ritter und Robert Gentz

Die Internet-Plattform Zalando macht mit dem Börsengang ernst. An sofort können Privatanleger Aktien zu einem Preis zwischen 18 und 22,50 Euro zeichnen. Als erster Handelstag wurde der 1.Oktober angesetzt. Zalando will mit dem IPO bis zu 633 Millionen Euro einnehmen. Mit dem Geld sollen auch Übernahmen finanziert werden.

Die auf den Handel mit Mode (Schuhe und Kleidung) spezialisierte deutsche Internetplattform Zalando hat den Startschuss für den lange erwarteten Börsengang gegeben. Ab sofort können private Anlegern in Deutschland und Luxemburg die Aktien zu einem Preis von 18 bis 22,50 Euro zeichnen. Als erster Handelstag wurde der 1. Oktober festgesetzt. Zalando wird an der Frankfurter Börse notieren.

An der Börse werden vorerst 11,3 Prozent des Unternehmens platziert. Bei einem IPO mit dem Startpreis von 22,50 Euro könnte Zalando 633 Millionen Euro einnehmen, was hochgerechnet einen Unternehmenswert von 5,6 Milliarden Euro entsprechen würde. Inwiefern dieser Wert angesichts der Unternehmensentwicklung gerechtfertigt ist allerdings fraglich. Erst vor kurzem konnte Zalando nach jahrelangen Verlusten erstmals ein geringes positives EBIT verbuchen.

Der Nettoumsatz des Unternehmens stieg in den ersten sechs Monaten 2014 um 29,5 Prozent auf 1.047 Millionen Euro (erstes Halbjahr 2013: 809 Millionen Euro), in der DACH-Region um 21,2 Prozent auf 594 Millionen EUR (erstes Halbjahr 2013: 490 Millionen Euro). Im zweiten Quartal 2014 lag der Umsatz bei 546 Millionen Euro für die gesamte Gruppe, nach 427 Millionen Euro im Vorjahr. Das EBIT für die gesamte Gruppe erreichte im zweiten Quartal ein kleines, schwarzes Plus von 35 Millionen Euro, im gesamten ersten Halbjahr steht eine schwarze 12 unterm Strich. Im ersten Halbjahr 2013 hatte es noch einen Verlust von 72 Millionen Euro gegeben, im Gesamtjahr einen Verlust von 109 Millionen Euro.

Die aktuellen Gesellschafter - darunter auch der Fonds der Samwer-Brüder, Global Founders, der 17 Prozent am Unternehmen hält - wollen ihre Anteile behalten. Mit dem Geld der Samwers war Zalando einst aufgebaut worden. Den Samwer-Brüdern gehört die Start-up-Schmiede Rocket Internet, die ebenfalls an die Börse strebt. Größter Zalando-Teilhaber ist die schwedische Investment-Gesellschaft Kinnevik mit 36 Prozent. Zu den Anteilseignern zählen außerdem der dänische Unternehmer Anders Holch Polvsen, der Fonds DST Europe sowie die Beteiligungsgesellschaft der Holtzbrinck-Gruppe.

Zukäufe nach dem IPO

Bei möglichen Zukäufen, die mit den hunderten Millionen aus dem Börsengang finanziert werden sollen, denkt Zalando weniger an die Übernahme von Konkurrenten, sondern an Internet-Technik für den Betrieb der Seiten. "Wir wollen uns langfristig die Option aufbauen, neue Technologien zu nutzen", sagte Finanzvorstand Rubin Ritter. "Da sehen wir unsere große Chance." Beispielhaft für solche Technologien nannte Ritter Bilderkennungs-Software, mit der Zalando-Kunden schon jetzt Kleidungsstücke fotografieren und auf der Zalando-Seite ähnliche Teile finden können.

Große Übernahmen, die das junge Unternehmen umwälzen würden, plane Zalando nicht, sagte Ritter. Es gehe eher um die Nutzung von Gelegenheiten. Der Finanzchef wollte dabei auch den Kauf von Beteiligungen des Schwesterunternehmens Rocket Internet nicht ausschließen, das in diversen Weltregionen außerhalb Europas Modeversender gegründet hat. "Ob das ein Rocket-Unternehmen ist, spielt dabei keine Rolle", sagte er. Zalando ist bisher in 15 europäischen Ländern mit 1500 Modemarken vertreten. Lücken im Sortiment bestünden noch bei Damen-Sportbekleidung, Umstands- und Bademode oder Übergrößen, sagte Ritter.

Zalando wird nicht lange der größte Börsengang in Deutschland des Jahres 2014 bleiben. Die Internet-Holding "Rocket Internet" der Zalando-Gründungsfinanzierer Oliver, Marc und Alexander Samwer, peilt Finanzkreisen zufolge einen Erlös von rund 750 Millionen Euro an. Der Global Founders Fund der Samwer-Brüder ist mit 16,7 Prozent auch zweitgrößter Aktionär von Zalando. Die Beteiligung der Samwer-Brüder wird nach dem Börsengang rund 800 Millionen Euro wert sein. Die Samwers haben sich mit dem schwedischen Investor Kinnevik verbündet. Die ehemalige Industrie-Holding setzt seit einigen Jahren ganz auf das Internet und hält 35,6 Prozent an Zalando. Die Kinnevik-Aktie ist in diesem Jahr allerdings um 14 Prozent gefallen.

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