Börsen stehen vor einer "Woche der Wahrheit"

Börsen stehen vor einer "Woche der Wahrheit"

In der kommenden Woche stehen einige interessante Bilanzen auf dem Programm - darunter Siemens, BMW und Deutsche Telekom. Außerdem stehe in den USA Kongresswahlen an.

Eine Flut von Konjunkturdaten und Firmenbilanzen wird die Aktienanleger in der kommenden Woche in Atem halten. Vor allem Deutschland stehe vor einer "Woche der Wahrheit", betonte Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg. Alles drehe sich um die Frage, ob die schwachen Konjunkturdaten für den August dem späten Beginn der Schulferien geschuldet und damit nur ein Ausrutscher seien, betonte Klude.

Angetrieben von der Konjunkturspritze der japanischen Notenbank legte der Dax in der alten Woche bis Freitagmittag rund 3,5 Prozent auf 9300 Punkte zu. Selbst bei überraschend starken Daten zum Auftragseingang (Donnerstag), zum Außenhandel oder zur Industrieproduktion (jeweils am Freitag) halten Börsianer das Aufwärtspotenzial des Dax für begrenzt. Denn von den Geschäftszahlen der deutschen Unternehmen seien kaum positive Impulse zu erwarten. Den Daten von Thomson Reuters Starmine zufolge blieben die Hälfte der bislang vorgelegten Bilanzen von Dax-Firmen hinter den Erwartungen zurück.

In der neuen Woche legen mehr als ein Dutzend Unternehmen aus der ersten deutschen Börsenliga ihre Zahlen vor. Dazu gehören Allianz (Freitag), Commerzbank, Deutsche Telekom, Siemens (jeweils Donnerstag) und BMW (Dienstag).

Auch der positive Effekt der jüngsten Geldspritzen der japanischen Notenbank auf die Aktienbörsen wird nach Einschätzung von Jens Klatt, dem Chef-Marktanalysten des Brokerhauses DailyFX, schnell wieder verpuffen. "Die Investoren hinterfragen, wo diese Geldschwemmen ohne realwirtschaftliches Wachstum hinführen sollen. Die Euphorie steigender Aktienkurse könnte schnell in Lethargie umschlagen."

Warten auf die US-Jobs

Kaufimpulse erhoffen sich Anleger dagegen von starken US-Konjunkturdaten, vor allem vom monatlichen Arbeitsmarktbericht am Freitag. Von Reuters befragte Analysten sagen für Oktober den Aufbau von 233.000 neuer Jobs außerhalb der US-Landwirtschaft voraus, nach einem Plus von 248.000 im Vormonat. Das Stimmungsbarometer der US-Einkaufsmanager, das am Montag veröffentlicht wird, werde weitere Hoffnungen auf ein starkes Schlussquartal der US-Konjunktur schüren, sagte Commerzbank-Analyst Christoph Balz.

Ein Unsicherheitsfaktor sind dagegen die Wahlen zum US-Kongress am Dienstag. Dort entscheidet sich, ob die Demokratische Partei des Präsidenten Barack Obama die Kontrolle über den Senat behält. Das Repräsentantenhaus wird voraussichtlich in der Hand der Republikaner bleiben. Größere Kursbewegungen an den europäischen Börsen seien aber nur dann zu erwarten, wenn es an der Wall Street zu Turbulenzen kommt, betonte MM-Warburg-Experte Klude.

Von der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten Anleger kaum Neuigkeiten. Entscheidungen zum Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen seien frühestens im Dezember oder gar erst Anfang 2015 zu erwarten. Die Währungshüter wollten erst einmal abwarten, ob die bisher ergriffenen Maßnahmen wie die zweckgebundenen Notenbank-Kredite oder der Ankauf von Kreditverbriefungen (Asset Backed Securities, ABS) griffen.

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