Börsen im Rausch der Fed

Börsen im Rausch der Fed

Nach der Erleichterung an den Börsen, könnte es noch eine Jahresendrallye geben. Für 2016 heißt es für Anleger anschnallen.

Die lang erwartete Zinswende hat die Börsen kräftig steigen lassen. Warum das so ist, die Reaktion großer Fondsgesellschaften, welche Börsen und Aktien besonders profitieren und wie Experten glauben, dass es an den Märkten weitergeht.

Senkrecht nach oben steigende Aktienkurse sind in den vergangenen Monaten selten geworden. Doch Janet Yellen, die US-Notenbankchefin, macht es in nur wenigen Stunden möglich. Denn die Fed hat in ihrer Dezembersitzung wie erwartet nach zehn Jahren erstmals den US-Leitzins wieder erhöht Der Zinsschritt betrug 0,25 Prozent. Damit hat die die Nulllinie hinter sich gelassen.

Erleichterung an den Märkten

Frank Engel, Leiter Rentenfondsmanagement bei Union Investment: „Für die Kapitalmärkte ist die Maßnahme der US-Notenbank eine große Erleichterung. Yellen hat es damit geschafft, die Markterwartungen punktgenau zu treffen. Die Erleichterung darüber dürfte Risikoassets wie Aktien zumindest temporär beflügeln, auch der US-Dollar sollte leicht zulegen.“
Dem pflichtet auch Dekra-Chefanlagestrategen Frank Hagenstein bei: „Das Statement und die Aussagen Yellens konnten den hohen Markterwartungen gerecht werden." Befürchtete Turbulenzen an den Märkten sind aufgrund des Eintreffens der Erwartung ausgeblieben. Der US-Fondsgigant BlackRock frohlockt in einem Kommentar gar: "Die Zinsanhebung ist ein Beweis für die Elastizität der US-Wirtschaft. Sehen sie es nicht so, dass die Fed auf die Bremse tritt, sondern eher so, dass sie den Fuß vom Gaspedal nimmt."

Deutsche Börsenbarometer größter Gewinner des US-Zinsentscheids

Den größten Kurssprung legte der Dax am Donnerstag mit einem Plus von 2,99 Prozent hin. Die größten Zugewinne verzeichnete Eon mit fast fünf Prozent Kurszuwachs, gefolgt von VW. Die Aktie stieg um 4,30 und RWE um 4,08 Prozent. Die französische Börse CAC klettere um 2,50 Prozent. Etwas schwächer reagierte der US-Börsenindex Dow Jones, der gestern nach der Bekanntgabe der Zinserhöhung im Tagesverlauf um 1,28 Prozent zulegte. Größter Gewinner war Goldman Sachs. Die Aktie stieg um 2,31 Prozent. Bereits am Vorabend hatten die Anleger, in Antizipation des Zinsschrittes, erleichtert auf die Ankündigung der US-Notenbank Fed reagiert. Auch die asiatischen Börsen feierten den Zinsschritt mit Gewinnen.

Dax: Steiler Anstieg seit Dienstag.

Weitere Zinsschritte sollen folgen

Das Schlüsselwort von Yellens Rede ist nach Einschätzung von Experten aber die Ankündigung gewesen, dass die Zinsen je nach Konjunkturdaten schrittweise steigen sollen.

Fed mit Maßnahme die einzige auf weiter Flur

Der Zinsschritt markiert nach Einschätzung von Union Investment nicht nur weil nach Jahren eine Zinsende in den USA eingeleitet wurde einen weiteren Grund einer Zäsur. „Im Gegensatz zu früher ist die Fed dieses Mal ziemlich allein auf weiter Flur. Einzig die Bank of England dürfte ihr bald folgen.“, so Frank Engels, Leiter Rentenfondsmanagement bei Union Investment. Die übrigen Schwergewichte unter den weltweiten Notenbanken, wie die EZB oder die Bank of Japan, werden die geldpolitischen Zügel weiter locker lassen. Und auch China, das zudem die Wechselkursanbindung an den US-Dollar aufgehoben hat, steuert geldpolitisch in die entgegengesetzte Richtung der US-Fed.

Zinsen dürften weltweit niedrig bleiben

Die Zinsen dürften nach Ansicht von BlackRock global betrachtet niedrig bleiben: „Hohe Schuldenniveaus, Fragezeichen hinter dem Produktionswachstum, langsames Wirtschaftswachstum, alternde Gesellschaften, eine starke Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Vermögenswerten und eine weiterhin lockere Geldpolitik in anderen Teilen der Welt werden die Zinsen deckeln, auch wenn die Fed ihre Politik normalisiert.“

Jahresendrally wahrscheinlich

Die Zeichen stehen nach Einschätzung von Union Investment auf Jahresendrallye: Engel von Union Investment: „Weichende Wachstumsängste und eine unterstützende globale Geldpolitik bilden einen konstruktiven Nährboden für Risiko-Assets wie Aktien.“
Vor allem Industrieländer-Aktien erscheinen nach Einschätzung von Union Investment aussichtsreich: Neben dem soliden, fundamentalen Bild und der expansiven Geldpolitik treiben Aktienrückkaufprogramme sowie zahlreiche Fusionen und Übernahmen die Kurse. Aktien der Eurozone bleiben unser Favorit.

Begrenzte Kursanstiege am US-Markt und beim Dollar

Als entscheidenden Worte bei Yellens Rede gilt jedoch die Ankündigung, dass die Zinsen je nach Konjunkturdaten schrittweise steigen sollen. Pictet-Makrochef und Chef der Asset Allocation Christophe Donay: „Jetzt wird der Fokus darauf gerichtet, was als nächstes kommt.“ Die Zinsen werden seiner Einschätzung im Jahr 2016 weiter anziehen „und Instabilitäten an den Märkten auslösen.“ Pictet rechnet mit Zinsen in einer Bandbreite zwischen 0,75 und 1,00 Prozent bis Ende 2016. Dies Erwartung ist niedriger als die Konsensusschätzungen. „Die straffere Geldpolitik wird zu einem stärkeren Dollar und einer Ausweitung der Anleihenspreads führen, weshalb die Fed die Zinsen nicht so aggressiv erhöhen wird“, glaubt Donay. Dennoch geht Pictet davon aus, dass der große Dollar-Bullen-Trend seinem Höhepunkt bereits nahe ist und nicht mehr extrem stark steigen wird. Den kurzfristigen Einfluss der Zinserhöhung erachtet Donay als sehr begrenzt.

Kursschwankungen könnten weiter zunehmen, US-Börsen-Potential limitiert

Schließlich sei das Momentum aufgrund der Zinserhöhung begrenzt. Der Anstieg von US-Unternehmensgewinnen werde daher nicht besonders stark ausfallen. Pictet rechnet mit einem Zuwachs von fünf Prozent für die Unternehmen im breiten S&P-Index. Zudem seien die Bewertungen am US-Aktienmarkt bereits hoch, das Potential also limitiert. Immerhin rechnet Pictet mit einem Renditezuwachs von sieben bis zehn Prozent, inklusive Dividenden. In jedem Fall würden Kursschwankungen 2016 weiter zunehmen.

Schwellenländer-Hartwährung mit guten Aussichten

Auch Hartwährungsanleihen aus den Schwellenländern gewinnen 2016 nach Einschätzung von Union Investment an Attraktivität: Angesichts einer überwiegend soliden Verschuldung der aufstrebenden Volkswirtschaften sind die Ausfallrisiken gering und die Renditen entsprechend interessant.

Rohstoffe bleiben riskant

Union rät jedoch weiter vor Investments in Rohstoffen ab. Engels: „Neben den gut gefüllten Lagern lastet auch der starke US-Dollar auf der Preisentwicklung vieler Rohstoffe. Ein nachhaltiger Preisanstieg ist nach wie vor nicht in Sicht.“

Nippon-Börse interessant

BlackRock über seine Markteinschätzung 2016: „Wir bevorzugen Aktien, speziell europäische und japanische, gegenüber Anleihen, sowie marktneutrale Strategien und Kreditpapiere."

Aktienmärkte hoch bewertet - HSBC warnt

Laut Konsensusschätzungen könnte die Fed die Zinsen 2016 auf ein Prozent anheben. "Das bedeutet eine nicht unerhebliche Renditeverbesserung kurzlaufender US-Anleihen. Anleger könnten daher nicht nur Gelder aus teilweise hochbewerteten Aktienmärkten, sondern auch aus Emerging Markets abziehen."

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