Zehn Jahre CEO: Wolfgang Eder präsentiert die neue voestalpine Konzernführung

Seit zehn Jahren leitet Wolfgang Eder den Stahlkonzern voestalpine. Er hat den Konzern in der Zeit durch eine existenzbedrohende Wirtschaftskrise geführt und den Konzern mehrmals umgekrempelt. Im vergangenen Jahr wurde die Führungsmannschaft der Konzerndivisionen erneuert. Die Gesichter hinter Wolfgang Eder.

Zehn Jahre CEO: Wolfgang Eder präsentiert die neue voestalpine Konzernführung

Der 1. April 2014 ist für den voestalpine CEO Wolfgang Eder ein Arbeitstag wie jeder andere, und doch ein besonderer. Vor genau zehn Jahren trat er die Führung des Stahlkonzerns an und musste das Unternehmen in der Zeit mehrmals umkrempeln und neu strukturieren. Noch ist er lange nicht am Ziel. Erst vor zwei Wochen hat Eder ein neues Restrukturierungs- und Optimierungsprogramm präsentiert, das dem Konzern eine Kostenersparnis von 900 Millionen Euro bringen soll .

2007, nach drei Jahren an der Konzernspitze, gelang Eder mit der Übernahme des steirischen Edelstahlkonzerns Böhler-Uddeholm ein Sensationscoup. Die 3,7 Milliarden schwere Übernahme wertete die Konzerndivision Special Steel enorm auf und die reiobungslose Integration des Unternehmens in den Konzern kann man getrost als Lehrbeispiel für andere Konzerne und deren Übernahmen heranziehen.

Erfolg in der Krise

Nur ein Jahr nach der Übernahme von Böhler-Uddeholm traf die Wirtschaftskrise den Stahlkonzern mit voller Wucht. Der Aktiehnkurs rasselte in den Keller, die Produktion musste gedrosselt werden und in den Stahlwerken wurde kurz gearbeitet. Erinnerungen an die 1980er Jahre wurden wach. Eine Zeit, in der die voestalpine knapp vor der Pleite stand. Staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen war für den CEO allerdings kein Thema. "Solange es mich gibt, werden wir nicht zum Staat pilgern", sagte er damals und setzte stattdessen an, den Konzern weiter zu einem Vorzeigebetrieb der Branche umzubauen. Den alten Stahlkonzern weiter zu einem innovationsgetriebenen Technologiekonzern zu entwickeln.

Mit Erfolg. Heute ist die voestalpine-Gruppe mit rund 500 Konzerngesellschaften und Standorten in mehr als 50 Ländern auf allen fünf Kontinenten vertreten. Der Konzern ist mit seinen qualitativ höchstwertigen Produkten einer der führenden Partner der europäischen Automobil- und Hausgeräteindustrie sowie weltweit der Öl- und Gasindustrie. Die voestalpine ist darüber hinaus Weltmarktführer in der Weichentechnologie und im Spezialschienenbereich sowie bei Werkzeugstahl und Spezialprofilen.

Im Geschäftsjahr 2012/13 erzielte der Konzern bei einem Umsatz von 11,5 Milliarden Euro ein operatives Ergebnis (EBITDA) von 1,45 Mrd. Euro und beschäftigte weltweit rund 46.400 Mitarbeiter. Auch der Aktienkurs hat sich wieder eingependelt. sie notiert seit 1995 an der Wiener Börse. Seit der Krise, in der Eder den "irrationalen Aktienkurs" gar nicht mehr kommentieren wollte, hat sich der Kurs wieder mehr als verdoppelt und liegt aktuell bei etwa 32 Euro.


voestalpine, Konzerndivisionen und Umsätze; zur Detailansicht auf das Bild klicken

Investitionen in das Personal

Schon bei der Präsentation des neuen 900-Millionen-Euro-Sparprogramms betonte Eder, dass nicht auf Kosten der Mitarbeiter gespart werden kann und soll. 50 Millionen Euro investiert der Konzern jährlich in die Aus- und Weiterbildung seiner rund 47.000 Mitarbeiter, und dieses Investment will Eder nicht durch Kündigungen gefährden.

Auch in die Führungsmannschaft wird investiert und im vergangenen Jahr wurden sieben der insgesamt zehn Vorstandspositionen in den vier Divisionen Steel, Special Steel, Metal Engineering und Metal Forming neu besetzt. Die „Neuen“ Peter Bernscher, Wolfgang Mitterdorfer, Hubert Possegger, Markus Potzinger, Martin Reisetbauer, Pauline Seidermann sowie Hubert Zajicek, bilden künftig gemeinsam mit ihren schon bisher tätigen Kollegen Robert Bauer und Reinhard Nöbauer (Special Steel Division) sowie Helmut Punz (Metal Forming Division) die zweite Führungsebene des Konzerns. Für die neue, am 1. April beginnende fünfjährige Periode des Vorstandes der voestalpine AG, – der unter der Führung von CEO Wolfgang Eder unverändert bleibt – hat man sich gemeinsam viel vorgenommen.

Die Neo-Vorstände

Die drei neuen Vorstände der voestalpine Steel Division, mit 3,9 Milliarden Euro Umsatz die größte Division mit Sitz in Linz, bringen umfangreiche internationale Managementerfahrung mit.


Neue voestalpine-Vorstände Bild: © Fotostudio Meister Eder

Die neuen Vorstände in der voestalpine Metal Engineering Division in Leoben/Donawitz, Hubert Possegger, li (56) und Martin Reisetbauer, re (47) und haben ihre beruflichen Wurzeln in der voestalpine AG. Während sich Reisetbauer als CFO der Division in erster Linie um die Agenden Finanzen, Controlling und Informationstechnologie kümmert, wird Possegger die Bereiche Recht und Compliance sowie M&A in der derzeit erfolgreichsten voestalpine-Division übernehmen. „Beim Global Player rund um Bahninfrastruktur, Draht, Nahtlosrohre und Schweißtechnik für weltweit 10.400 Mitarbeiter mitverantwortlich zu sein, ist eine spannende und herausfordernde Aufgabe“, so Reisetbauer, der 1990 in den Konzern einstieg und nach Leitungsfunktionen im Finanzbereich bereits die CFO-Funktion in der früheren Division Automotive innehatte.

Hubert Possegger , dessen persönliches Karriere-Highlight bisher die Koordination der erfolgreichen Böhler-Uddeholm Übernahme 2007 war, startete 1981 in der Rechtsabteilung der „alten“ VOEST-ALPINE AG und leitete seit 1994 den Bereich Recht und Beteiligungen des Konzerns sowie seit 2009 in Personalunion die Konzernrevision. Er gilt über den Konzern hinaus als anerkannter Experte bei globalen M&A-Projekten. „Ich freue mich darauf, operative Verantwortung in einem so zukunftsträchtigen Bereich wie der Metal Engineering Division zu übernehmen“, so der Neo-Vorstand.

Hubert Zajicek 2.v.li (45) „Wir wollen die erfolgreiche Strategie der voestalpine mit Innovation und Spezialisierung weiter konsequent umsetzen“, erklärt Zajicek, der in Zukunft für den Vorstandsbereich Technik verantwortlich ist. Er begann seine Karriere 1993 als Fachingenieur für Mechanik im Konzern, hatte maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen Realisierung des Großinvestitionsprogrammes „Linz 2010“ und stieg in den darauffolgenden Jahren zum Leiter des Unternehmensbereiches Technischer Service und Energie auf. Seit 2010 leitete er den Bereich Kaltwalzwerke und Veredelungsbetriebe.

Markus Potzinger (3.v.li) Breite internationale Erfahrung bringt auch Markus Potzinger (42), der neue CFO der Special Steel Division mit Headquarter in Wien, mit. Potzinger war nach seinem BWL-Studium sieben Jahre lang für die Magna International Group in verschiedenen Funktionen an unterschiedlichsten Standorten im Einsatz, u.a. in Mexiko und den USA. Der gebürtige Grazer lebte in den letzten drei Jahren in Shanghai, wo er als Finanzvorstand des größten Werkes der AT&S-Gruppe fungierte. „Ich möchte vor allem meine internationalen Erfahrungen im Bereich Kostenoptimierung und Lean Management in der voestalpine bestmöglich umsetzen“, so sein Kernziel.

Mit Pauline Seidermann (4.v.li) (47) – künftig CFO der Steel Division – zieht die erste Frau in einen Divisionsvorstand des Konzerns ein. Sie entschied sich nach ihrem Studium 1991 für die voestalpine und war ab 2003 führend im Finanz- und Rechnungswesen tätig. Als Leiterin des Bereiches Finanzen und Controlling steuerte Seidermann zuletzt sehr erfolgreich das Ergebnisverbesserungsprogramm „Zukunft“. „Nach über 20 Jahren im voestalpine-Konzern identifiziere ich mich sehr stark mit dem Unternehmen und kann in meiner neuen Funktion die Entwicklung der Division aktiv vorantreiben“, so Seidermann.

Peter Bernscher (5.v.li) (45) ist neuer Vorstand für Vertrieb, Marketing und Beschaffung in der Metal Forming Division mit Sitz in Krems und verantwortet gleichzeitig die Business Unit Automotive Body Parts. Bereits wenige Jahre nach seinem Start 1986 in der voestalpine folgten Geschäftsführungsaufgaben in Italien und Österreich. Von 2007 bis 2012 war Hr. Bernscher erfolgreich mit der Neupositionierung der voestalpine Polynorm Gruppe in den Niederlanden betraut. „Im Automotive-Bereich verfolgen wir eine umfassende Globalisierungsstrategie und investieren aktuell über 100 Mio. Euro weltweit in neue Standorte“, erläutert Bernscher.

Wolfgang Mitterdorfer (6.v.li) (43), ab 1. Juni für den Vorstandsbereich Vertrieb verantwortlich, startete 1996 als Sales Trainee im Unternehmen. Später folgten Geschäftsführerfunktionen in Österreich, Dänemark und Großbritannien. Zuletzt baute er als Leiter des Verkaufs „Automotive“ die Marktanteile in der europäischen Autoindustrie stark aus. „Im Konzern wurde mir von Anfang an die Möglichkeit gegeben, Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen mitzugestalten“, erklärt Mitterdorfer.


voestalpine, Konzernvorstand und Vorstände der Divisionen; zur Detailansicht auf das Bild klicken

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