Wiener Börse – "Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig"

Wiener Börse – "Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig"

"Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer" - lautet nicht nur ein Songtext, so beschreiben österreichische Marktteilnehmer auch die Bemühungen des Wiener Leitindex ATX in alte Höhen zurückzukehren.

Während die Aktienbörsen weltweit auf Rekordjagd sind, sehen Analysten den ATX erst in vielen Jahren wieder auf dem Vorkrisenniveau. "Es dauert sicher mehr als fünf und hoffentlich weniger als zehn Jahre", schätzt Erste-Bank-Chefanalyst Günther Artner. Dass der ATX den internationalen Indizes hinterherhinkt, ist nicht einmal die größte Sorge der Börsianer. Sie befürchten, dass die Wiener Börse ohne Hilfe der Politik in der Bedeutungslosigkeit versinkt. "In Österreich gibt es eine Tradition: Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig. Die größte Gefahr für die Wiener Börse ist, nicht einmal ignoriert zu werden", sagt Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger.

2012 konnte der 20 Werte umfassende ATX 27 Prozent an Wert zulegen. Von Höhenflügen, wie sie derzeit der DAX oder der Dow Jones erleben, ist der Index aber weit entfernt. Mit rund 2500 Punkten liegt er gerade einmal bei der Hälfte der einstigen Höchstmarke von rund 5000 Zählern Mitte 2007. Die Handelsumsätze lagen im Vorjahr laut Finanzministerium gar nur bei einem Viertel des Vorkrisenniveaus. Die Gründe dafür sehen Experten in der hohen Bankenlastigkeit, der Aktiensteuer, der Flucht der Anleger aus kleinen Märkten sowie in den Skandalen der Vergangenheit - wie etwa bei den Immobilienwerten Immofinanz oder Meinl European Land -, wo viele Anleger Geld verloren haben. Aber auch die hohe Abhängigkeit der österreichischen Unternehmen von Osteuropa wurde von vielen Investoren negativ gesehen.

Politik ist gefragt

Inzwischen machen schon österreichische Konzernschefs mobil und wollen ihre Börse retten. "Es ist vielen Vorstandsvorsitzenden in ATX-Unternehmen ein Anliegen, ein Gesamtkonzept für die Wiederbelebung des Kapitalmarktes zu erstellen. Und dieses wird auch kommen müssen - denn wenn wir in Österreich langfristig eine Industrieperspektive haben möchten, brauchen wir auch einen funktionierenden Kapitalmarkt", sagte Michael Junghans, Chef der B&C Industrieholding. Seine Holding hält Beteiligungen an den österreichischen Firmen Amag, Lenzing oder Semperit. Große Sprünge vor der Parlamentswahl im Herbst erwartet Aktionärsvertreter Rasinger nicht: "Ich habe den Eindruck, dass der Kapitalmarkt in der Prioritätenliste der Politiker ganz weit unten ist."

Ein positives Signal sei der neue Kapitalmarkt-Beauftragte, der erst
am Montag ernannt wurde. Der knapp 70-jährige Jurist Wolfgang Nolz soll dieses Amt zunächst neben seiner Tätigkeit als Sektionschef im Finanzministerium übernehmen und es nach seiner Pensionierung Ende Juli fortführen. Wie Nolz die Wiener Börse voranbringen will, weiß er aber noch nicht. "Ich kenne kein Patentrezept", sagte Nolz.

Eine Belebung des Marktes erhoffen sich Marktteilnehmer neben neuen Börsengängen von der Reform der Altersvorsorge. Bei der Zukunftsvorsorge, die als Ergänzung zur staatlichen und betrieblichen Pension geschaffen wurde, muss ein bestimmter Anteil in inländische Aktien investiert werden. Seit die staatliche Prämie aber gekürzt wurde, lassen viele Anleger ihre Verträge ruhen. "Eine Zukunftsvorsorge neu wäre nicht schlecht für Wien, denn eine lokale Investorenbasis ist notwendig", sagt Stefan Maxian, Chefanalyst der Raiffeisen Centrobank. Das neue Konzept soll im Sommer stehen.

Börsensteuer wäre Todesstoß

Die größte Gefahr für die Wiener Börse sehen Marktteilnehmer in der Einführung einer Finanztransaktionssteuer. "Das wäre der Todesstoß für die Wiener Börse", sagte ein Händler. Befürchtet wird unter anderem eine massive Abwanderung von Handelsaktivität und Liquidität. "Wenn diese Steuer so eingeführt wird, stellt sich die Frage, ob wir überhaupt noch 20 liquide Werte in Wien haben", sagte Artner. Auch die Chefin der Wiener Börse, Birgit Kuras, warnt vor der Börsensteuer und befürchtet massive Einschränkungen für die Wirtschaft. Studien zufolge kostet die Steuer 1,8 Prozent Wirtschaftswachstum. "Meiner Meinung nach ist das sehr konservativ geschätzt", sagte Artner.

Marktteilnehmer fordern daher eine Umgestaltung der Börsensteuer. "Es geht darum, dass sie so gestaltet wird, dass der Kapitalmarkt eine gute Chance hat zu überleben", sagte Kuras. Die Steuer müsse so konzipiert werden, dass auch der außerbörsliche Handel besteuert werde, fordern Marktteilnehmer unisono. "Dann hätte man den Effekt, dass Liquidität wieder an die Wiener Börse zurückkommen würde", sagte Artner. Der Kapitalmarktbeauftragte sollte 150 Prozent seiner Zeit dafür verwenden, die Steuer zu verhindern. "Ansonsten ist alles andere obsolet was er macht", sagte Artner. Elf Länder - neben Österreich auch Deutschland und Frankreich - planen die Einführung einer Börsensteuer. Wie die Steuer gestaltet wird, steht noch nicht fest. Als Grundlage dient der Vorschlag der EU-Kommission, der für Käufer und Verkäufer im Aktienhandel jeweils eine Steuer von 0,1 Prozent auf den Umsatz vorsieht, bei Derivate-Geschäften sollen 0,01 Prozent fällig werden. Auch die Deutsche Börse spricht sich dagegen aus.

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