Wiener Börse: Diese Aktien sollten Sie haben...

Geht es nach den Einschätzungen von Österreichs führenden Analysten, haben Anleger mit Aktientest-Sieger Immofinanz im nächsten Jahr die besten Chancen auf steigende Kurse. Immofinanz siegt im . CA Immo und RHI kommen auf Platz zwei und drei.

Wiener Börse: Diese Aktien sollten Sie haben...

Wer 2012 in Österreich-Aktien investierte, hat keinen Grund zum Meckern. Mit rund 30 Prozent Zuwachs seit Jahresbeginn gelang dem Wiener Leitindex ATX nach dem Rückgang von 2011 ein Befreiungsschlag. Damit ließ die Wiener Börse die amerikanische Wall Street und die meisten Börsen der Industriestaaten alt aussehen. Einzig der Kauf deutscher DAX-Aktien war mit einem durchschnittlichen Plus von 30 Prozent seit Anfang Jänner ein noch besseres Geschäft. So weit zur Vergangenheitsbewältigung für 2012.

Nun stehen Investoren vor der Frage, bei welchen Austro-Stocks auch im nächsten Jahr die Chancen für Kursgewinne intakt sind und von welchen Papieren man besser die Finger lassen sollte. Eine Orientierung liefert das FORMAT-Aktienranking 2013 . Geht es nach den Einschätzungen von Österreichs führenden Börsenexperten, haben Anleger mit Aktientest-Sieger Immofinanz im nächsten Jahr die besten Chancen auf steigende Kurse. Mit CA Immobilien schafft es eine weitere Immobilienaktie auf Platz zwei, den dritten Rang belegt der Feuerfestkonzern RHI.

Zur Testmethode: Beim Aktienranking 2013 bewerten neun österreichische Fondsmanager und Analysten die 38 wichtigsten Austro-Stocks nach dem Schulnotensystem. Aktien, die im nächsten Jahr im direkten Vergleich zum ATX- und zum ATX-Prime-Index das höchste Kurspotenzial haben, erhalten die Bestnote 1. Papiere, bei denen sich Anleger die geringsten Hoffnungen machen dürfen, fallen mit der Note 5 durch. Aktien, bei denen der Notenschnitt der Bewertungen gleich hoch ist, sind im Aktienranking mit Ex-aequo-Platzierungen ausgewiesen.

Schwergewichte im Mittelfeld

Die ATX-Schwergewichte Erste Bank und OMV landen im diesjährigen Aktienranking nur auf dem geteilten 17. Platz. Mit einer Durchschnittsnote von 3,1 schafft es die jahrelang gut gelaufene Aktie von Andritz gar nur auf Rang 31. Wolfgang Matejka, Chef von Matejka & Partner: "Die österreichischen Immo-Aktien von Immofinanz, CA Immobilien und s-Immo werden im ersten Halbjahr 2013 im Vergleich zu ausländischen Immo-Werten weiter aufholen, weil der Abschlag von Nettoinventarwert zu Aktienkurs nach wie vor groß ist.“

So notieren die Aktien von Immofinanz und CA-Immo mit einer Differenz zum Buchwert, also dem Wert, der die innere Substanz der Konzerne widerspiegelt, von mehr als 50 Prozent. Auch Alois Wögerbauer, Chef der 3-Banken-Generali-Fondsgesellschaft, ist von Immo-Titeln überzeugt: "Die alten Probleme wie Missmanagement oder schlechte Profitabilität wurden beseitigt. Jetzt wird auf die Qualität des Immobilien-Portfolios geachtet und nicht mehr Wachstum um jeden Preis angestrebt. Immofinanz zahlt eine ordentliche Dividende, die tatsächlich verdient wird.“

Darüber hinaus kehrt das Interesse internationaler Investoren zurück. Christian Ramberger, Leiter der Allianz-Fondsgesellschaft: "Das ist mit ein Grund dafür, dass die Kurse der Immo-Papiere bereits angezogen haben. In nächster Zeit ist entscheidend, ob wirtschaftliche Probleme in Osteuropa aufpoppen, wovon ich aber nicht ausgehe.“

Gegenüber dem Vorjahr macht die Aktie des Feuerfestkonzerns RHI im Aktientest mehrere Plätze gut. Fondsmanager Matejka: "RHI ist die bessere voestalpine und profitiert vom guten Geschäftsgang im Zementbereich. Auch in der Sparte Stahl läuft es recht gut. Das Unternehmen ist sehr gut geführt, auf der Kostenseite besteht noch sehr viel Einsparpotenzial, das jetzt erst gehoben wird.“

Nachdem RHI in 180 Ländern tätig ist, hängt der Geschäftsgang nicht zu stark am Gängelband der europäischen Konjunktur. Allianz-Experte Ramberger: "In Amerika und Asien wird die Wirtschaft 2013 an Fahrt aufnehmen. Das spielt RHI in die Hände.“

Turnaround geschafft

Ein Gesinnungswandel ist bei der Aktie von Flughafen Wien, die es ex aequo mit AT&S auf Rang 4 des FORMAT-Aktienrankings schafft, auszumachen. Salus-Alpha-Fondsmanager Roland Neuwirth: "Bis vor einem Monat war ich skeptisch. Aber das schlechte Image des Flughafens hat sich dank des neuen Managements verbessert. Der Flughafen ist in der Lage, in den nächsten Jahren einen guten Cashflow zu erwirtschaften, weil das Shopping-Konzept funktioniert und permanent Mieteinnahmen lukriert werden.“

Darüber hinaus wurde der kostspielige Bau der dritten Piste auf die lange Bank geschoben. Horst Simbürger, Chefanleger Volksbank Invest: "Die Bewertung der Flughafen-Aktie ist im direkten Vergleich zum Papier des deutschen Mitbewerbers Fraport, der den Flughafen Frankfurt betreibt, sehr günstig.“ Zusätzlicher Vorteil: Wegen des Nachtflugverbots in Frankfurt steigt der Stellenwert des Wiener Flughafens bei Zwischenlandungen von Langstreckenflügen.

Nach einer schwachen Phase keimt auch bei der Aktie des Leiterplattenherstellers AT&S wieder Hoffnung auf. Isabella de Krassny, Fondsmanagerin bei Semper Constantia: "Das Kundenportfolio von AT&S ist ausgewogen, nach zwei enttäuschenden Quartalsergebnissen naht ein Aufschwung. Zusätzlich ist die Aktie sehr günstig bewertet.“ Nach dem herben Kursrückgang von rund 28 Prozent seit März ist auch die Aktie des Faserkonzerns Lenzing wieder einen Blick wert. Volksbank-Experte Simbürger: "Das Unternehmen hat unter dem tiefen Baumwollpreis gelitten. Aber Lenzing erzeugt Fasern, die man überall einsetzen kann. Die Anwendungen reichen von schusssicheren Westen bis zu Hightech-Sportbekleidung. Die Aktie ist mit einem Verhältnis von Kurs zu Cashflow mit einem Wert von 4,5 extrem attraktiv.“

Neues Jahr, neues Glück

Laut den Schätzungen der Experten kann der Wiener Leitindex im nächsten Jahr weiter zulegen, liegt doch die Prognose für den ATX per Ende 2013 im Schnitt bei 2.672 Punkten. Das entspricht einem Anstiegspotenzial von rund 14 Prozent gegenüber dem derzeitigen Stand. Wem das überzogen erscheint, der sollte die Schätzungen vom Dezember 2011 zum Vergleich heranziehen. Obwohl die Wiener Börse damals unter Druck stand, gaben die Aktienprofis dem ATX für 2012 eine Kurschance von 15 Prozent. Diese optimistische Erwartung wurden im Jahresverlauf sogar deutlich übertroffen.