Voestalpine verscherbelt "VA Intertrading" an ukrainischen Oligarchen

Das 38,5 Prozent schwere Beteiligungspaket an dem Commodity-Händler gehe um einen "niedrigen zweistelligen Millionenbetrag" an die Luxemburger Calexco S.a.r.l. des ukrainischen Oligarchen Kostyantin Zhevago. Der Kaufvertrag sei gestern, Donnerstag, unterzeichnet worden, teilte das Unternehmen am Freitag in einer Aussendung mit.

Voestalpine verscherbelt "VA Intertrading" an ukrainischen Oligarchen

Grund für die Trennung seien "fehlende Synergien" und die daher eingeschlafene Geschäftsbeziehung. Die VA Intertrading hatte vor drei Jahrzehnten die Verstaatlichte Industrie und ganz Österreich mit einem Skandal erschüttert. Die Handelsfirma hatte sich im internationalen Ölgeschäft verspekuliert, was damals zu einem Milliardenverlust führte. Nun zieht die Voest endgültig einen Schlussstrich unter diese Beteiligung.

Der Käufer Calexco gehöre zum Firmenimperium des Mehrheitseigentümers des ukrainischen börsenotierten Berbaukonzern Ferrexpo Plc, Zhevago.

Der Eisenerzproduzent Ferrexpo, der seinen Firmensitz in der Schweiz hat und an der Londoner Börse notiert, knüpfte auch schon in der Vergangenheit enge Bande mit österreichischen Unternehmen. So kaufte die Ferrexpo beispielsweise Ende 2010 die Wiener Helogistics Holding GmbH, der die Erste Donau-Dampfschiffarfts GmbH (E-DDSG) und die ungarische Schwester Mahart Duna Cargo Kft gehörte.

In den vergangenen Jahren sei aus dem voestalpine-Anteil an der VA Intertrading eine reine Finanzbeteiligung geworden, begründet das Unternehmen jetzt den Verkauf. 2012 habe der Commodity-Händler einen Umsatz von rund 1,3 Mrd. Euro erzielt (2011: 1,1 Mrd. Euro).

Der Großteil der 38,5-Prozent-Beteiligung der voestalpine (30 Prozent) soll sofort veräußert werden, der Rest bis 2016. Alle anderen Aktionäre der VA Intertrading haben ein Vorkaufsrecht. Für den Deal mit Zhevago steht das Okay der Kartellbehörden noch aus.

Die VA Intertrading wurde 1978 für Kompensationsgeschäfte mit Osteuropa gegründet. Sie war eine Tochtergesellschaft der damals noch staatlichen Voest-Alpine. Seit 1995 ist das Unternehmen ein freier Rohstoffhändler mit Schwerpunkt auf den Bereichen Stahl sowie Nahrungs- und Futtermittel.

Eder: "Wollten Intertrading bereits seit Jahren verkaufen"

Die voestalpine hat seit rund zehn Jahren vorgehabt, als Großaktionär beim Rohstoffhändler VA Intertrading auszusteigen. "Wir wollten verkaufen, seitdem wir keinen strategischen Nutzen mehr hatten. Wir hatten dabei aber keinen Druck und wollten nichts verschleudern", sagte der Chef des börsenotierten Linzer Stahlkonzerns voestalpine, Wolfgang Eder, am Freitag am Rande des Raiffeisen Business Lunch zur APA.

Die Intertrading sei für die voestalpine schon seit 15 Jahren "eine reine Finanzbeteiligung ohne strategische Bedeutung" gewesen. So sei es naheliegend gewesen, diese Beteiligung bei vernünftigen Konditionen zu verkaufen, sagte Eder.

Die voestalpine suchte für die Beteiligung einen Großaktionär, "der dem Unternehmen einen Nutzen bringt", sagte Eder und bezeichnete den Käufer des Voest-Pakets an Intertrading als "erfolgreichen ukrainischen Minenbetreiber".

Der Verkaufsprozess sei über mehrere Monate gegangen. Die Co-Aktionäre werden von ihrem Vorkaufsrecht aller Voraussicht nach keinen Gebrauch machen: "Das Ganze war mit allen Mitgesellschaftern abgestimmt", betonte Eder. "Es gibt ein Vorkaufsrecht, aber bis dato hat es kein Angebot und auch keinen Wunsch dafür gegeben", so voestalpine-Sprecher Gerhard Kürner zur APA.

Zu den Kernaktionären der Intertrading gehören die Crossvision Ltd mit Sitz in Zypern des russischen Milliardärs Vladimir Iorich (13,5 Prozent), die MBG (Managementbeteiligungs GmbH) des VAIT-Chefs Karl Mistelberger (12,625 Prozent), die IBG (Intertrading Beteiligungs GmbH) mit 12,5 Prozent und die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ) mit 13,375 Prozent. Weiters sind die Bank Austria (B&C Holding) mit 5,5 Prozent und die Erste Bank (Erst Immorent) mit 4 Prozent beteiligt.

Trendwende in der Stahlbranche

Der voestalpine-Chef sieht für die kriselnde Stahlbranche Licht am Ende des Tunnels. "Wir gehen davon aus, dass im dritten Quartal eine Trendwende stattfinden wird", sagte Eder am Freitag zu Reuters. Die Produktionsauslastung der Stahlunternehmen sollte sich demnach noch im dritten Quartal deutlich verbessern, erwartet Eder, der auch Chef des europäischen Stahlverbandes Eurofer ist.

Für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres rechnet der Konzernchef mit einem steigenden Stahlpreisniveau. Nachdem es auf den Spotmärkten zuletzt zu Preiserhöhungen gekommen war, rechnet Eder damit, diese Erhöhung an die Kunden weitergeben zu können. "Richtig ist, dass auch wir im Vertragsgeschäft für das nächste Quartal - beziehungsweise die jetzt zu verhandelten Perioden - von Preiserhöhungen ausgehen."

Die europäische Stahlbranche kämpft seit Jahren mit massiven Überkapazitäten, die einen erbitterten Preiskampf vor allem bei qualitativ nicht so hochwertigem Massenstahl ausgelösten hatten. Weil nun mit der mauen Konjunktur auch noch die Stahlnachfrage zurückgeht, kommen viele Firmen wie zum Beispiel Salzgitter in Bedrängnis. Voestalpine macht rund zwei Drittel des Geschäfts in der margenstärkeren Weiterverarbeitung von Stahl zu Spezialstahl und konnte sich so bisher von dem allgemeinen Nachfragerückgang gut abkoppeln. "Wir haben kein Kapazitätsproblem, wir fahren absolut voll", betonte Eder.

Die Lagerbestände der Unternehmen sind laut Eder derzeit "extrem niedrig". Einen Wiederaufbau sieht der Voestalpine-Chef derzeit noch nicht. "Ich glaube, das ist ein langsamer Prozess, der sich über das gesamte vierte Kalenderquartal verteilen wird."