Voestalpine: Gewinn stagniert, Dividende wird leicht erhöht

Voestalpine: Gewinn stagniert, Dividende wird leicht erhöht

"Grundsolide" ist für voestalpine-Vorstandschef Wolfgang Eder die Entwicklung des Stahl- und Technologiekonzerns. Er sieht Anzeichen eines wirtschaftlichen aufschwungs - den Fokus legt der Konzern aber auf Asien und die USA.

„In Anbetracht des konjunkturellen Umfeldes und im direkten Branchenvergleich war die Entwicklung der Voestalpine-Gruppe (ISIN AT0000937503) im abgelaufenen Geschäftsjahr grundsolide“, sagt der Vorstandsvorsitzende des voestalpine-Konzerns Wolfgang Eder mit Blick auf das Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres 2013/14. Die breite Aufstellung des Konzerns sowohl in geografischer als auch in branchenmäßiger Hinsicht sei dafür ein wesentlicher Grund.

Besonders die Kombination von Stahlerzeugung und -verarbeitung, sowie die zunehmende Anwendung anderer Metalle wie Aluminium oder Titan habe es ermöglicht, sich von den Mitbewerbern stärker zu differenzieren. „Wir haben uns in den letzten 12 Jahren vom klassischen Stahlunternehmen zum stahlbasierten Technologie- und Industriegüterkonzern mit Fokus auf den technologisch anspruchsvollsten Kundensegmenten entwickelt", resümiert Eder nicht ohne Stolz auf das Ergebnis seiner Arbeit als CEO.

Weniger Umsatz und EBIT

Für den Konzern ist das Jahresergebnis daher durchaus ein Erfolg, auch wenn im Geschäftsjahr 2013/14 im operativen Geschäft weniger verdient wurde. Bei einem um 2,6 Prozent gesunkenen Umsatz schrumpfte der operative Gewinn, das EBIT in den zwölf Monaten bis Ende März um sechs Prozent auf 792,3 Millionen Euro.

"Trotz eines insgesamt herausfordernden makroökonomischen Umfeldes konnte die voestalpine AG sowohl beim Ergebnis vor als auch nach Steuern im Geschäftsjahr 2013/14 leichte Zuwächse gegenüber dem Vorjahr erwirtschaften", gab das Unternehmen bekannt. Vor Steuern bedeutet eine Steigerung von 654,7 Millionen Euro auf 656,0 Millionen Euro ebenso ein minimales Plus von 0,2 Prozent wie nach Steuern 522,9 (Vorjahr: 521,9) Millionen Euro. Die Ursache dafür führt der Konzern mit deutlich gesunkenen Finanzierungskosten und der Rückzahlung einer 2009 begebenen, hoch verzinsten Unternehmensanleihe an.

Ergebnis im Detail

Zwar macht die Division Stahl mit 33 Prozent noch den Löwenanteil des Umsatzes aus, die Divisionen "Special Steel", "Metal Engineering" und "Metal Forming" holen laut Eder aber auf: Die Division Metal Forming schaffte beim operativen Ergebnis ein zweistelliges Wachstum, die Metal Engineering Division konnte die operative Performance auf dem schon bisher hervorragenden Niveau behaupten und auch der Special Steel Division gelang es, ihr operatives Ergebnis stabil zu halten.

Demgegenüber musste die Steel Division aufgrund der strukturellen Probleme der europäischen Stahlindustrie zum einen und einer äußerst schwachen Entwicklung des Energiesegments (Grobbleche für Pipelines) zum anderen einen deutlichen Rückgang des operativen Ergebnisses hinnehmen. Die Aktionäre sollen dennoch eine höhere Dividende von 0,95 (Vorjahr: 0,90) Euro je Aktie bekommen.

Mehr Mitarbeiter

Der voestalpine-Konzern beschäftigte zum 31. März 2014 (inkl. Lehrlingen und Leiharbeitskräften auf Basis FTE/Vollzeitäquivalent) 48.113 Mitarbeiter und damit insgesamt um 1762 oder 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr (46.351 FTEs). "Das ist das absolute All-Time-High", freut sich Eder. Schon bald will das Unternehmen über 50.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Besonders auf die hohe Lehrlingsquote ist man im Unternehmen stolz. Aktuell werden 1405 Lehrlinge ausgebildet - um 54 mehr als im Vorjahr.

Job-Abbau in Traisen?

Allerdings gibt es auch bei der Voest Problemwerke, die restrukturiert werden. In Deutschland leidet etwa die Branche der Energiemaschinen - Maschinen für den Kraftwerksbau, insbesondere für kalorische Kraftwerke - unter Überkapazitäten und Konkurrenz aus Asien. In Brasilien soll durch Automatisierung die Pro­fi­ta­bi­li­tät eines Stahlwerks angehoben werden - und auch im österreichischen Traisen stehe ein "Restrukturierungskonzept" an, heißt es auf einer Pressekonferenz.

Auf die Frage, ob die Restrukturierung auch einen Abbau an Personal beinhalte, heißt es von der Voest, dass 15 Prozent der 370 Arbeiter in Traisen Leasing-Mitarbeiter seien und dass man Diskussionen mit den Belegschaftsvertretern führe.

Fokus auf USA und Asien

Geografisch liegt der Schwerpunkt vor allem auf den Wachstumsmärkten außerhalb Europas. Im Zuge der Internationalisierungsstrategie wurde im April in Corpus Christi, Texas (USA), der Spatenstich für die Errichtung einer Direktreduktionsanlage vorgenommen. Mit 550 Millionen Euro ist dies die größte Auslandsinvestition des Konzerns. Die Anlage wird in knapp zwei Jahren in Betrieb gehen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte der Konzern mit seinen 2.600 Mitarbeiter an 68 Standorten in Nordamerika bereits 9 Prozent des Gesamtumsatzes – rund eine Milliarde Euro - erwirtschaften.

Auch in Asien ist die Zahl an Gesellschaften und Standorten inzwischen auf 64 gestiegen; 3.600 Mitarbeiter erwirtschafteten dort rund 750 Millionen Euro, etwa sieben Prozent des Konzernumsatzes. Knapp 38 Prozent der Voest-Investitionen gehen derzeit ins Ausland, in den letzten zehn Jahren hat sich dieser Anteil verdoppelt.

Insgesamt werden derzeit 22 Prozent des Umsatzes außerhalb Europas erwirtschaftet - sind die neuen Werke fertiggestellt, so wird dieser Anteil noch steigen. "Das Ziel ist, 2020 rund drei Milliarden Euro Umsatz in Nordamerika zu erreichen", sagt Eder. Weitere zwei Milliarden Euro sollen dann in Asien erwirtschaftet werden, zwölf Milliarden Euro Umsatz sollen aus Europa kommen.

In China erwartet Eder eine Stabilisierung des BIP-Wachstums bei jährlich sieben Prozent. "Wenn in China Neujahr gefeiert wird, bricht immer die Welt zusammen, danach ist immer alles in Ordnung", sagt er in Bezug auf saisonale Schwankungen: "Solche erratischen Entwicklungen wird es in China monatsweise immer geben, daran sollte man sich gewöhnen." In Indien erwartet er sich progressives Wachstum durch die neue Regierung; gedämpfte Aussichten hat er aber für Russland un Brasilien.

Vorsichtiger Ausblick

Für das Geschäftsjahr 2014/15 erwartet der Konzern vor dem Hintergrund dieses sich stabilisierenden wirtschaftlichen Umfeldes ein operatives Ergebnis etwas über dem Niveau des Geschäftsjahres 2013/14. Eder hat eine "zunehmende Zuversicht in Bezug auf den weiteren Konjunkturverlauf." Er meint allerdings, dass es trotz des sich verbessernden ökonomischen Umfeldes verfrüht wäre, von einer breiten globalen Konjunkturwende zu sprechen.

Für das Jahr 2012/13 und nun auch 2013/14 hatte der Konzern anfangs hohe Erwartungen geäußert - "Doch dann ist aus dem erwarteten Sturm ein Lüftchen geworden", muss Eder einräumen. Vor allem die Lage am europäischen Stahlmarkt macht dem Konzern zu schaffen, ein Licht am Ende des Tunnels scheint es hier nicht zu geben: "Ich sehe kein Ende der Überkapazitäten in Europa", sagt Eder: "Viele Konkurrenten lasten ihre Werke lieber aus als Profit zu machen."

Eder tritt kürzer

Zum Ende seiner Ausführungen bei einer Pressekonferenz in Wien macht Eder auf personelle Änderungen aufmerksam: Der bisherige Leiter der Konzernforschung, Peter Schwab, rückt per 1. Oktober 2014 in das Führungsgremium vor; Schwab übernimmt die Leitung der Metal Forming Division. Eder, der bisher neben seiner Rolle als CEO auch die Leitung der Metal Forming Division innehatte, tritt von letztgenannter Funktion zurück.

Nun habe er kein Naheverhältnis zu einer einzelnen Division, sondern sei von allen gleich weit entfernt, begründet Eder - nach zehn Jahren sei es überfällig, diese Doppelfunktion zu beenden. "Außerdem stehen wir vor strategischen Herausforderungen", sagt Eder. In den kommenden fünf Jahren möchte er das Unternehmen nachhaltig positionieren - und konzentriert sich daher auf die strategische Position.


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